E-Commerce Die Schnäppchenfalle der Online-Händler

Nicht immer sind Schnäppchen im virtuellen Kaufhaus tatsächlich günstig. Das hat ein Test eines Preisvergleichsportals aufgedeckt. Was Verbraucherschützer Kunden raten, um preiswerte Angebote im Netz zu ergattern.
  • Stella Wiesner
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Shoppen im virtuellen Kaufhaus: Kunden droht die Schnäppchenfalle. Quelle: dpa
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Shoppen im virtuellen Kaufhaus: Kunden droht die Schnäppchenfalle.

(Foto: dpa)

Wer kennt das nicht. Das Herz schlägt schneller, wenn das Wunschprodukt im Schlussverkauf erhältlich ist. Doch nicht immer sind die vermeintlichen Schnäppchen tatsächlich günstig. Das bestätigt jetzt ein Test des Portals „guenstiger.de“. Verglichen wurden dabei 127 Rabattaktionen von acht verschiedenen Online-Shops mit den Preisen anderer Anbieter in den Bereichen Unterhaltungs- und Haushaltselektronik. Das Ergebnis ist ernüchternd: Bei knapp einem Drittel der untersuchten Angebote wurde im Internet ein günstigerer Preis bei Wettbewerbern gefunden.

Preisfallen im Onlinehandel sind für Verbraucherzentralen nichts Neues. Ein Sonderangebot müsse nicht zwangsläufig das preiswerteste sein, hat auch Georg Tryba, Sprecher bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beobachtet. Sein Rat: Kunden sollten beim Kauf von Sonderangeboten stets misstrauisch sein.

Ein Beispiel aus dem Test des Preisvergleichsportals „günstiger.de“: Der Online-Shop „redcoon“ aus dem Hause Media-Markt-Saturn hat eine Kaffeemaschine von DeLonghi für 115 Euro angeboten, während das gleiche Gerät bei der Konkurrenz für 60 Euro erhältlich war. Im Schnitt zahlten Kunden bei Sonderangeboten von „redcoon“ acht Prozent mehr als bei anderen Onlineanbietern, so das Ergebnis des Tests.

Die zehn größten Onlinehändler in Deutschland
Platz 10: Apple.com/de
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Im Smartphone-Geschäft top, im Internethandel flop? Nicht ganz, allerdings landet Apple nur auf dem zehnten Platz im Ranking der größten Onlineshops in Deutschland. Das wertvollste Unternehmen der Welt aus Kalifornien macht im deutschen E-Commerce 2015 einen Umsatz von „nur“ 370 Millionen Euro.

Quelle: EHI Retail Institute

Platz 9: Alternate.de
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Dieser Onlineshop ist hauptsächlich im Elektronikgeschäft tätig. Der Versandhändler für Hardware liegt, wie im Vorjahr, auf dem neunten Platz. Der deutschlandweite Umsatz lag 2015 bei 377 Millionen Euro.

Platz 8: Conrad.de
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Mit einem Umsatz von 433 Millionen Euro liegt der Elektronikversandhändler Conrad auch 2015 wieder auf dem achten Platz des Rankings. Das Unternehmen aus dem bayerischen Hirschau betreibt neben dem Onlineshop 25 Filialen in Deutschland.

Platz 7: Tchibo.de
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Das Internet-Geschäft von Tchibo läuft, dennoch verliert der Onlineshop einen Platz zum Vorjahr: 2015 erwirtschaftete Tchibo.de mit Kaffeeprodukten, Kleidung und Möbeln einen Umsatz in Höhe von 450 Millionen Euro und belegt damit den siebten Platz.

Platz 6: Bonprix.de
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Die Otto-Tochter Bonprix wirbt mit günstigen Preisen für Damen-, Herren und Kindermode. Im Vergleich zum Vorjahr kann sich der Onlineshop um einen Platz verbessern und klettert 2015 auf Rang sechs – mit einem Umsatz in Höhe von 485 Millionen Euro.

Platz 5: Cyberport.de
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Cyberport ist auf Wachstumskurs. Nicht nur der stationäre Handel, auch das Online-Geschäft entwickelt sich positiv. Mit einem Umsatz in Höhe von 491 Millionen Euro in Deutschland konnte der Elektrohändler 2015 den fünften Rang, den er schon im Vorjahr belegte, verteidigen.

Platz 4: Notebooksbilliger.de
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Seit zwölf Jahren macht der Online-Händler Notebooksbilliger.de anderen Elektronikhändlern mit besonders günstigen Angeboten Konkurrenz – und das erfolgreich. Das Portal für Unterhaltungselektronik, Computer, Handys und Zubehör landet wie im Vorjahr auf Platz vier mit einem Umsatz von 611 Millionen Euro.

Das ist erstaunlich: Hatte doch noch 2014 eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Service-Qualität ergeben, dass „redcoon“ die attraktivsten Preise habe. Auf Handelsblatt-Nachfrage erklärte ein Sprecher des Unternehmens: „Bei dem Preis der Kaffeemaschine handelte es sich um einen Aktualisierungsfehler. Das Produkt wurde – nachdem es kein Sonderangebot war – fälschlicherweise weiterhin in der Rubrik Schnäppchen angezeigt. Wir arbeiten an technischen Lösungen, um solche Fälle zukünftig noch besser ausschließen zu können.“

Doch auch andere Anbieter fielen im Test mit unattraktiven Angeboten auf. So wurde ein Standmixer von WMF im „%Sale%“ bei „otto.de“ für 43,45 Euro angeboten, während er bei der Konkurrenz 28 Prozent günstiger zu haben war. „Computeruniverse“ bot bei seinem „Technik-WSV“ im Schnitt sechs Prozent höhere Preise an.

Bei welchem Anbieter kann man denn tatsächlich noch ein Schnäppchen machen? Bei Angeboten im „Wahnsinns Schnell Verkauf“ von Media Markt konnte „guenstiger.de“ bei den Stichproben im Schnitt rund 16 Prozent gegenüber anderen Anbietern einsparen. Auch die „Blitzangebote“ von Amazon sind mehrheitlich preiswerter. Dennoch gab es sowohl bei Media Markt als auch bei Amazon vereinzelte Angebote, die sich nicht ausgezahlt haben.

Schnäppchenbringer – oder Vergleichsfalle?
Fast jeder nutzt sie
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Die kreischende Werbung im Fernsehen hat gewirkt: Mit den Proll-Millionären Carmen und Robert Geiss hat das Vergleichsportal Verivox seine Bekanntheit nochmal gesteigert. Einer Umfrage des Lehrstuhls für Computervermittelte Kommunikation an der Universität Passau hat gezeigt, dass 82 Prozent der deutschen Internetnutzer schon einmal ein Buchungs- oder Vergleichsportal genutzt haben. 44 Prozent steuern die Seiten sogar mehr als einmal im Monat an.

Quelle: Youtube.de

Platz 9: Toptarif.de
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28 Prozent gaben bei der Umfrage an, das Vergleichsportal toptarif.de zu kennen. Auch wenn Bekanntheits- und Nutzungsgrad vergleichsweise gering sind: Mehr als 40 Prozent der Nutzer, die das Portal kennen, buchen auch darüber.

Platz 8: Financescout24.de
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Deutlich bekannter ist financescout24.de. Die Hälfte der Befragten (50,7 Prozent) kennt das Finanzvergleichsportal. Allerdings ist die Nutzungsquote gering: Sie liegt bei 22,1 Prozent. Und auch bei der Zufriedenheit gibt es Verbesserungsbedarf. Auf einer Skala von eins (unzufrieden) bis fünf (zufrieden) kommt financescout24.de auf eine Note von 3,94 – andere werden besser bewertet.

Platz 7: Idealo.de
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Zum Beispiel idealo.de. Mit einer Note von 4,27 kommt die Internetseite für Preisvergleiche bei diesem Ranking auf Platz zwei. 72,1 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage kennen das Portal, mehr als die Hälfte davon (54,1 Prozent) nutzen idealo.de dann auch.

Platz 6: Verivox.de
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Mehr als drei Viertel der Befragten (81,2 Prozent) kennt das Vergleichsportal, das 1998 gegründet wurde und sich zunächst auf den Bereich Telekommunikation konzentrierte. Fast die Hälfte nutzt auch Verivox zum Vergleich beziehungsweise kauft darüber.

Platz 5: Preisvergleich.de
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Nur ein wenig bekannter - mit 81,7 Prozent der Teilnehmer - ist Preisvergleich.de. Auch nutzen ähnlich viele der Befragten wie bei Verivox die Internetseite. Auf die Frage, ob sie denn auch darüber kaufen oder buchen, antworteten nur etwas mehr als ein Drittel mit „ja“.

Platz 4: Weg.de
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Wer nach einer Urlaubsreise sucht, nutzt die Internetseite Weg.de - zumindest kennen 83,6 Prozent der Befragten das Reiseportal. Doch bei den anderen Werten schneidet Weg.de deutlich schlechter ab: Nur 33,4 Prozent nutzen die Seite auch, davon buchen lediglich 40,9 Prozent ihr Reise dann auch darüber.

Doch blindes Vertrauen ist bei keinem Händler ratsam. Verbraucherschützer Tryba rät im Gespräch mit dem Handelsblatt, sich vor dem Kauf mit unabhängigen Tests, beispielsweise von der Stiftung Warentest, über das Produkt zu informieren. Anschließend können Preissuchmaschinen wie „guenstiger.de“, „check24.de“ oder „preisvergleich.de“, hilfreich sein, um den günstigsten Preis zu ermitteln.

Wichtig sei es, immer mehr als eine Suchmaschine zu verwenden. Bei Stichproben kam die Verbraucherzentrale zu dem Ergebnis, dass der niedrigste Preis auch bei Preissuchmaschinen nicht immer an erster Stelle gelistet wird, weshalb der Vergleich mit mehreren solcher Portale parallel wichtig sei.

Entscheide man sich schließlich für einen Anbieter, sollte der Verbraucher auf eine sichere Bezahlungsmethode achten, sagte Verbraucherschützer Tryba. Das seien unter anderem Lastschrift, PayPal oder der Kauf auf Rechnung.

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