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E-Commerce Diese Markensiegel sollen gezielt vor Fakeshops und Plagiaten auf Ebay und Amazon schützen

Die Online-Marktplätze gehen neue Wege im Kampf gegen gefälschte Angebote. Aber, Achtung: Auch die Zertifikate werden inzwischen immer öfter von Kriminellen missbraucht.
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Düsseldorf„Wir haben im Internet einen Napoleon Grill bestellt und bezahlt, aber der ist bis heute nicht angekommen“, beschwerten sich Kunden bei Michèl Voragen, dem Deutschland- und Benelux-Chef von Napoleon Grills. Es stellte sich heraus: Die Käufer waren auf einen falschen Online-Shop hereingefallen, der durch ein professionelles Webdesign Echtheit ausstrahlte. Kriminelle hatten die Seite eines offiziellen Napoleon-Händlers täuschend echt kopiert und nur das Impressum und die Bankverbindung ausgetauscht.

„Internetbetrug ist weit verbreitet und schadet auch unserer Marke“, ärgert sich Voragen. Die Edelgrills des kanadischen Herstellers kosten meist mehr als 1000 Euro. Fakeshops im Netz aufzuspüren, ist für Unternehmen eine mühsame und fortwährende Arbeit. Voragen sagt: „Kaum ist einer gelöscht, erscheinen drei neue.“

Napoleon Grills setzt deshalb seit einiger Zeit auf ein neues interaktives Online-Siegel, das autorisierte Markenhändler und deren Produkte im Internet verifizierbar macht. Über die erste markenunabhängige Autorisierungsplattform Authorized.by können Hersteller ihre offiziellen digitalen Handelspartner kennzeichnen. Das Münchner Start-up will damit Fälscher und Plagiate effektiver bekämpfen.

Bald, wahrscheinlich im dritten Quartal, wird auch Ebay den Service von Authorized.by zusätzlich nutzen, um auch auf dem Marktplatz die von Marken autorisierten Händler kenntlich zu machen. Das bedeutet: Wer künftig am Programm „Autorisierte Händler“ von Ebay teilnehmen möchte, muss sich über die Plattform Authorized.by zertifizieren lassen. Gründer Felix Nottensteiner begreift die Kooperation mit Ebay als „Ritterschlag“ und hofft auf weitere Marktplätze als Partner.

Neben Authorized.by gibt es noch weitere Online-Siegel, die die Seriosität von Webshops oder Markensiegeln einzelner Hersteller zertifizieren. Authorized.by versteht sich als erste markenübergreifende Autorisierungsplattform für den digitalen Handel. Bereits mehr als 600 Markenfirmen von Patek Philippe, Nomos, Reisenthel bis Patagonia nutzen das Echtheitssiegel von Authorized.by. Dazu kommt eine vierstellige Zahl von Webshops.

„Für Marken war es bislang sehr aufwendig, alle Anbieter im Netz zu kontrollieren“, sagt Nottensteiner. „Durch unser Siegel wird das viel einfacher, auch für Verbraucher. Die müssen keine Angst mehr haben, auf unseriöse schwarze Schafe im Netz hereinzufallen, weil sie die weißen Schafe durch unser Siegel erkennen können.“

Konsumenten erwerben unwissentlich Fälschungen

Jeder zehnte EU-Bürger hat einer Studie des EU-Amts für Geistiges Eigentum (EUIPO) zufolge unwissentlich schon mal eine Fälschung erworben. Bereits vier Millionen Deutsche sind auf Fakeshops hereingefallen, schätzt der Digitale Marktwächter der Verbraucherzentrale.

Von etwa 50.000 aktiven digitalen Fakeshops deutschsprachiger Anbieter geht Joachim Feist, Geschäftsführer von Mindup, aus. Die Firma aus Konstanz arbeitet im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundesforschungsministeriums daran, von Fakeshop-Betreibern gehackte Webseiten automatisiert zu identifizieren.

Fakeshops teilen sich laut Feist in zwei Gruppen. Die einen verkaufen Fälschungen. Die anderen werben mit Markenartikeln, verschicken diese aber nie. Sie agieren oft unerkannt aus dem Ausland heraus und schöpfen das Geld von Kunden ab, die ahnungslos ihre Bankdaten eingeben.

„Manche Betrüger vertreiben zunächst sogar Originalware, sichern sich so gute Shop-Bewertungen und verschicken nach einiger Zeit Fälschungen“, beobachtet Feist. Pro Tag machen 100 bis 200 Fakeshops auf. Die meisten reaktivieren abgelegte etablierte Domains, so eine EUIPO-Studie. „Da kommen Markenartikel-Hersteller gar nicht mehr hinterher, die löschen zu lassen“, erklärt Feist. Es werde endlich Zeit, dass in Deutschland eine einheitliche Meldeplattform geschaffen werde.

Die Einbindung des Siegels „Authorized Partner“ auf den Shop-Seiten ist für Händler und Markenhersteller gratis. Ein kostenpflichtiger Premium-Dienst macht beispielweise Matching-Vorschläge, welcher Händler zur Marke passen würde und umgekehrt. Außerdem kann das Siegel „Verified Product“ auf jeder einzelnen Produktseite gezeigt werden. „Schließlich kommen die meisten Käufer bei der Internetsuche dorthin und nicht über die Händler-Homepage“, erklärt Nottensteiner.

Auch Napoleon Grills wird die Siegel „Verified Product“ bald nutzen. Denn Authorized.by leitet jede Änderung bei Preis, Produktbeschreibung oder auch Fotos der Hersteller an die Webshops weiter. Die müssen alles aktualisieren, damit das Produktsiegel aktiv bleibt. „So können wir über eine unabhängige Plattform sicherstellen, dass all unsere Onlinehändler mit ihren Produktinfos immer auf dem neuesten Stand sind“, sagt Voragen. „Sonst müssten wir das bei jedem einzelnen selbst nachhalten.“

Wer Siegel nutzt, muss zahlen

Weil Internet-Betrüger immer trickreicher werden, steigt die Bedeutung von Online-Gütesiegeln unabhängiger Dritter. Mehr als 25.000 Online-Shops nutzen inzwischen das Siegel von Trusted Shops aus Köln. Daneben gibt es auch Siegel vom Einzelhandelsinstitut EHI und TÜV, die den seriösen Verkaufsprozess eines Händlers testieren.

Wer die Siegel nutzen will, muss dafür zahlen. Eine Untersuchung der Hochschule Fresenius zeigt: Gütesiegel wirken vertrauensfördernd. Je mehr Gütesiegel ein Online-Shop ausweist, umso größer ist das Vertrauen der Kunden. Gerade bei unbekannten Online-Shops spielen sie für zwei Drittel der Befragten eine große Rolle. „Überraschend war jedoch, dass ein eigens für die Untersuchung kreiertes Fake-Gütesiegel eine höhere Bekanntheit aufwies als tatsächlich existierende“, sagt Studienautorin Karlotta Kneschke.

Doch selbst Online-Gütesiegel werden von Internet-Betrügern inzwischen dreist gefälscht. Da diese Firmen jedoch meist außerhalb der EU sitzen, sei ein sofortiges Entfernen in der Regel nicht möglich. Joachim Feist von Mind-up fand unter anderem gefälschte Siegel des TÜV Saarland und von Trusted Shop. Von allen wurde das starre Bild kopiert. Längst nicht alle Verbraucher wissen, dass sie die Siegel anklicken müssen, damit sich in Echtzeit ein neues Fenster mit Zertifikat öffnet. „Der informierte Kunde hätte erkennen können, dass es sich um ein Fake handelt“, meint Feist.

Nicht nur in Fakeshops, vor allem auch auf Marktplätzen von Amazon bis Alibaba tummeln sich unzählige Kriminelle, die mit gefakten Waren Geschäfte machen. „Die Betreiber von Internet-Handelsplattformen, die selbst am Verkauf der Fälschungen verdienen, lehnen immer noch viel zu häufig jede Verantwortung ab“, moniert der Aktionskreis gegen Produkt- und Markenfälschung (APM), die sich durch einen Zusammenschluss von Markenherstellern zusammensetzt.

Amazon will mit seinem neuen „Project Zero“ die Zahl der Produktfälschungen auf null senken. Zum einen durch ein automatisches Erkennungssystem, das die Shops und die mehr als fünf Milliarden Produkt-Updates täglich scannt. Zum anderen müssen zertifizierte Markenhersteller Amazon nicht länger kontaktieren, um ein gefaktes Listing auf der Plattform entfernen zu lassen – durch ein Tool können sie das nun selbst vornehmen. Künftig bietet Amazon einen kostenpflichtigen eigenen Seriencode an, der als eine Art digitales Wasserzeichen schon bei der Produktion auf den Markenartikeln angebracht wird. Das passiert nicht ohne Eigeninteresse, denn letztlich verdient auch die Plattform am Kampf gegen die Markenfälscher.

Auch das Sicherheitsteam von Ebay sucht mithilfe einer lernenden Software Fälschungen, löscht diese und sanktioniert die Anbieter. Denn auf Ebay werden zu rund 80 Prozent Neuwaren gehandelt. Von den etwa 1,2 Milliarden Artikeln seien Fälschungen für Ebay aber oft nicht als solche erkennbar, hier sei man auf die Unterstützung der Händler angewiesen.

Am Programm Verifizierte-Rechte-Inhaber (VeRI) nehmen weltweit 40.000 Rechteinhaber teil. Sie können schnell Verstöße melden, die Ebay dann löscht. „Unsere Mitarbeiter können nicht Experten für jegliche Art von Produkten sein und in allen Bereichen Detailkenntnisse besitzen, woran Fälschungen bestimmter Produkte zu erkennen sind“, teilt Ebay Deutschland mit.

Seit September gibt es mit Ebay Authenticate einen Echtheitscheck für Luxusuhren, seit Mai auch für Handtaschen. Mit der Integration des Marken-Echtheitsservice von Authorized.by in das Ebay-Programm „Autorisierte Händler“ geht Ebay nun einen weiteren Schritt, um unzulässige gefakte Artikel von seinem offenen Online-Marktplatz fernzuhalten.

Mehr: Produktpiraten entdecken neue Wege, um ihre Ware zu bewerben. Hugo Boss und Adidas kämpfen gezielt dagegen – zum Teil mit eigenen Ermittlern im Ausland.

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