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E-Commerce Eigene Logistik soll Ebay mehr Umsatz bringen

Der Plattformbetreiber Ebay baut ein eigenes Logistiknetzwerk auf. Deutschland wird dabei zum Schlüsselmarkt bei der Einführung von Innovationen.
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Der Plattformbetreiber baut gemeinsam mit Partnern ein eigenes Logistiknetzwerk auf. Quelle: ebay inc
Ebay-Deutschlandzentrale

Der Plattformbetreiber baut gemeinsam mit Partnern ein eigenes Logistiknetzwerk auf.

(Foto: ebay inc)

Düsseldorf An jedem Tag werden rund sechs Millionen Pakete weltweit nach Verkäufen über die Ebay-Plattform verschickt. Doch anders als bei Amazon, wo auf vielen Päckchen der Firmen-Schriftzug zu sehen ist, fällt das niemandem auf: Ebay ist ein E-Commerce-Riese im Verborgenen.

Konzernchef Devin Wenig will das ändern. Der Plattformbetreiber baut gemeinsam mit Partnern ein eigenes Logistiknetzwerk auf. Musste bisher jeder Händler den Versand seiner Pakete selbst organisieren, kann er das künftig an Ebay abgeben. Die Waren werden dann in zentralen Lagern aufbewahrt und von dort direkt an die Kunden geschickt.

Das bringt dem Konzern nicht nur eine neue Einnahmequelle, es hat auch einen besonderen Charme. „Wenn künftig das Ebay-Logo auf Hundertausenden Paketen steht, ist das gut für unsere Marke und damit auch für unsere Verkäufe“, sagte Wenig jetzt vor Tausenden von Händlern auf der Firmenveranstaltung Ebay Open in Las Vegas.

Für den Onlinekonzern ist der Aufbau der eigenen Logistikkette Teil einer Revolution im Unternehmen, die Ebay eher nüchtern „Managed Marketplace“ nennt. Stellte der Konzern bisher nur die Plattform, auf der Händler und Kunden weitgehend selbstständig Handel betrieben, will Ebay nun mehr Kontrolle über viele Services übernehmen.

Dazu gehört neben einem einheitlichen Produktkatalog auch eine zentrale Zahlungsabwicklung. Das soll den Kunden eine einheitliche Einkaufserfahrung bieten und dem Konzern zusätzlichen Umsatz.

Ebay muss sich verändern

Die neue Ausrichtung unter Wenig, der den Topjob bei Ebay nach der Abspaltung des Bezahldienstes Paypal vor vier Jahren übernommen hat, ist dringend notwendig. „Ebay hat noch alle Chancen, aber sie müssen jetzt handeln“, mahnt Mathias Gehrckens, Digitalexperte der Unternehmensberatung Accenture. „Wenn sich das Unternehmen nicht verändert, ist es ein Sterben auf Raten.“

Seit einem guten halben Jahr testet Ebay die Logistik mit ausgewählten Händlern in den USA und in Deutschland. Nun will das Unternehmen das Programm breit starten, wie der Konzernchef ankündigte. „Wir verlassen die Testphase und werden das Programm ausrollen, zunächst in den USA“, so Wenig. Als nächster Markt dürfte dann Deutschland folgen.

Denn Deutschland entwickelt sich für Ebay immer mehr zum Schlüsselmarkt – gerade bei Innovationen. „Wenn ich sehe, was wir an Innovationen in Deutschland erreicht haben, bin ich schon etwas stolz“, sagte Konzernchef Wenig am Rande der Ebay Open im Gespräch mit dem Fachblog Wortfilter. „Vor einiger Zeit noch hinkte Ebay in Deutschland der Entwicklung in den USA hinterher. Jetzt ist es in einigen Bereichen sogar vorn.“

Das liegt auch an Ebay-Deutschlandchef Eben Sermon, der großen Rückhalt in der Zentrale in San Jose genießt – und deswegen viele Freiheiten hat. Diese nutzt er, um in Deutschland individuell auf den Markt zugeschnittene Lösungen zu entwickeln. So arbeitet er beim Aufbau der Logistik mit der mittelständischen Spedition Fiege zusammen.

„Wir haben gesehen, dass gerade in Deutschland bei den Kunden eine hohe Nachfrage nach schneller und kostenloser Lieferung herrscht. Das aber ist für viele unserer kleinen und mittelgroßen Händler schwierig zu realisieren“, sagte Sermon dem Handelsblatt.

Deshalb hat Ebay bereits 2018 mit zunächst 40 deutschen Händlern den Logistikservice „Ebay Fulfillment“ gestartet. „Die Verkäufer nehmen es sehr gut an, aber wir bauen es behutsam aus, um sicherzustellen, dass alles einwandfrei funktioniert“, so Sermon.

Anders als Amazon, wo eine eigene Logistik schon länger einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist, will Ebay keine eigenen Lager einrichten. Die Waren der Händler werden in Logistikzentren von Fiege gelagert und von dort direkt an die Endkunden geschickt. Damit schont Ebay sein Investitionskapital und bleibt flexibler beim Ausbau.

„Wir werden niemanden kopieren, wir machen es auf unsere Art“, sagt Wenig selbstbewusst. So wolle Ebay beispielsweise nicht in den Wettlauf um die schnellste Lieferzeit einsteigen, den Amazon immer weiter verschärft. „Wenn jemand Tempotücher in vier Minuten haben will, sind wir nicht der richtige Ansprechpartner“, sagt Wenig. Wichtiger ist für Ebay die Verlässlichkeit bei der Lieferung. So hat das Unternehmen etwa eine eigene App entwickelt, über die sich Kunden jederzeit vom Smartphone aus über den Lieferstatus informieren können.

Wie entscheidend es für Ebay ist, durch attraktivere Services wieder mehr Umsatz zu generieren, zeigen die jüngsten Zahlen. So ist im zweiten Quartal das Handelsvolumen (GMV) im Vorjahresvergleich erneut zurückgegangen – nun zum dritten Mal in Folge.

Schon 2018 lag Ebay mit einem GMV von 90 Milliarden US-Dollar weit hinter Amazon, das auf 277 Milliarden US-Dollar kommt. Immerhin ist die Zahl der aktiven Kunden bei Ebay im zweiten Quartal erneut um vier Prozent gestiegen.

Pioniermarkt Deutschland

Um diese Kunden dazu zu bringen, mehr Geld auszugeben, macht Ebay auch die Zahlungsabwicklung einfacher. Zahlungen sollen künftig zentral über Ebay laufen, was den Kunden nicht nur mehr Zahlungsmöglichkeiten bietet, sondern die Transaktion auch sicherer macht. Pioniermarkt ist erneut Deutschland, wo dieser Service ab diesem Jahr eingeführt wird – erstmals außerhalb der USA.

Das hat nicht nur etwas mit der Bedeutung des Landes zu tun, sondern auch mit den Kunden. „Deutschland ist europaweit das Land, in dem die Kunden die meisten unterschiedlichen Zahlungsarten erwarten“, sagt Deutschlandchef Sermon. Ein Härtetest. Wenn das System hier funktioniert, dürfte es überall funktionieren.

Mehr: 20 Jahre nach dem Start in Deutschland ist Ebay in der Defensive: Die Internet-Ikone muss sich neu erfinden, um gegen Amazon nicht endgültig zu verlieren.

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