E-Commerce Klarna und Shopify wollen den deutschen Online-Handel aufmischen

Zwei Erfolgsverwöhnte unter sich: Der Softwareanbieter Shopify kooperiert in Deutschland mit dem Zahlungsdienst Klarna. Beide haben große Pläne.
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Beim Bezahlen wählen viele Deutsche noch immer am liebsten den Kauf auf Rechnung. Quelle: Imago
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Beim Bezahlen wählen viele Deutsche noch immer am liebsten den Kauf auf Rechnung.

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Düsseldorf, FrankfurtEs sind zwei Erfolgsgeschichten, die die Tech-Branche so schreibt: Die kanadische Plattform Shopify und der schwedische Zahlungsanbieter Klarna gelten vielen als Musterbeispiele der Branche.

Shopify ist einer der größten Anbieter für E-Commerce-Software weltweit, gegründet von dem Deutschen Tobias Lütke, mit Milliardenbewertung und seit 2015 börsennotiert. Klarna its ein digitaler Zahlungsanbieter mit Banklizenz, der mittlerweile Unternehmen wie Media Markt, die Deutsche Bahn oder dm zu seinen Kunden zählt. Die beiden machen nun auch in Deutschland gemeinsame Sache.

Wie das Handelsblatt vorab erfuhr, führt der Softwareanbieter seine Funktion „Shopify Payments“ nun auch in Deutschland ein. Das ermöglicht Händlern Zahlungen sofort über Kreditkartennetzwerke auf der ganzen Welt zu erhalten und Auszahlungen direkt durchzuführen, ohne dafür selbst Prozesse einrichten zu müssen.

„Unsere Lösungen für Onlineshops sind für jedermann sofort einsetzbar, können individuell bearbeitet werden und machen es möglich, dass Shopbetreiber auf ihren eigenen Websites, im stationären Handel, auf anderen Handelsplattformen wie ebay oder Amazon sowie auf Social Media überall und jederzeit verkaufen können“, wirbt Ferry Hötzel, Country Product Manager für Deutschland bei Shopify . Integriert werden da auch die Klarna Funktionen Sofortüberweisung und der Kauf auf Rechnung. Damit wollen die Partner den deutschen E-Commerce-Markt aufmischen.

Bei deutschen Kunden steht der Online-Einkauf hoch im Kurs. Nach Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) haben sie im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 59 Milliarden Euro im Netz gekauft. Im Vergleich zum Vorjahr war das eine Steigerung um knapp elf Prozent.

Beim Bezahlen wählen viele Deutsche noch immer am liebsten den Kauf auf Rechnung. Laut Online-Payment-Studie des Handelsforschungsinstituts EHI entfielen zuletzt 28 Prozent der Umsätze auf diese Zahlungsart. Dahinter folgten die Lastschrift und der US-Bezahldienst Paypal mit jeweils rund 20 Prozent.

Mit Klarnas Sofortüberweisung wurden demnach annährend drei Prozent der Umsätze bezahlt – das klingt wenig, doch auf Amazon Pay entfiel nur ein Prozent und Paydirekt, ein Angebot der deutschen Kreditwirtschaft, tauchte in der Statistik noch gar nicht auf.

Wachstumsmarkt Deutschland

Klarna und Shopify arbeiten bereits in acht anderen Märkten zusammen, darunter die USA, Großbritannien, die Niederlande und Österreich. Klarna zählt aktuell 100.000 Händler zu seinen Kunden, Shopify stolze 600.000. Der kanadische Softwarekonzern hat bereits im Mai 2017 ein Büro im Berliner Stadtteil Kreuzberg eröffnet und will in den kommenden fünf Jahren kräftig wachsen – inklusive dem kräftigen Aufstocken von Personal, so das Unternehmen gegenüber dem Handelsblatt.

Der deutsche Markt ist wichtig für Shopify, sagt dann auch Hötzel: „Für Shopify ist Deutschland das Tor zu Europa.“ Man sähe großes Wachstum und vor allem eine starke Nachfrage auf dem Markt, da Shopify von Tausenden kleinen und mittleren Unternehmen im ganzen Land genutzt werde, so Hötzel: „Dabei vertrauen uns die Händler sehr – derzeit schon mehr als 8000.“

Damit habe sich der Kundenstamm von 2016 bis 2017 in Deutschland um fast 100 Prozent erhöht, während die Bruttowarenmenge aller deutschen Händler im gleichen Zeitraum ebenfalls um mehr als 84 Prozent gewachsen sei.

Auch Rogier Schoute, Vice President Global Partnerships bei Klarna, hebt die strategische Bedeutung des deutschen Marktes hervor: „Es ist unser größer Einzelmarkt.“ 2017 verzeichnete Klarna ein Umsatzwachstum von fast 50 Prozent und erwarte Ähnliches für das laufende Jahr, so Schoute: „Um die Zahl in Relation zu setzen: Der E-Commerce-Markt in Deutschland ist im selben Zeitraum um zehn Prozent gewachsen.“ Die Zahl der aktiven Nutzer wuchs dabei um 35 Prozent, so der Klarna-Manager.

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Dabei setzen Klarna und Shopify auch auf das Geschäft mit den kleinen und mittleren Unternehmen, die besonders stark in Deutschland seien: „Das Risiko einer Nichtzahlung ist für diese Unternehmen oft eine deutliche Barriere, um spezielle Zahlungsmöglichkeiten wie den Kauf auf Rechnung zu integrieren“, meint Shoute. Mit Klarna könnten Shopify-Händler nun eine beliebte Zahlungsmethode einbinden ohne sich einem Risiko auszusetzen.

Klarna wurde 2005 in Schweden gegründet, ist inzwischen in 14 Ländern aktiv und hat rund 2.000 Mitarbeiter. Der Zahlungsdienstleister hat einen Fokus auf Rechnungs- und Ratenkauf, sowie Ratenkauf sowie Lastschrift und Sofortüberweisung. 2014 übernahm Klarna das deutsche Start-up Sofort GmbH übernommen. Bei diesem Bezahlverfahren werden die Kunden aus dem Online-Shop auf eine externe Website weitergeleitet. Dort geben sie ihre Bankdaten ein und die Zahlung wird direkt von ihrem Konto abgebucht.

Im vergangenen Jahr hat Klarna außerdem Billpay übernommen, seinen direkten deutschen Wettbewerber im Bereich Rechnungs- und Ratenkauf. Im Gegensatz zum aus den Niederlanden stammenden Start-up Adyen agiert Klarna nicht nur hinter den Kulissen als Zahlungsdienstleister für Händler, sondern pflegt zugleich seine Marke im direkten Kontakt mit Verbrauchern.

Im vergangenen Jahr starteten die Schweden dazu eine große Image-Kampagne, verpassten ihren Bezahlmethoden neue rosa Logos und positionierten sich noch einmal deutlich als Angreifer gegenüber dem US-Konkurrenten Paypal. Für die Verbraucher sind die Bezahlmethoden kostenlos, Klarna erhält jedoch Transaktionsgebühren von den Händlern.

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