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E-Commerce nach dem Brexit „Händler dürfen britische Kunden aussperren“

Der Händlerbund vertritt E-Commerce-Firmen aus ganz Europa. Hauptgeschäftsführer Florian Seikel warnt im Interview vor Rechtsänderungen nach dem Brexit.
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Der 44-Jährige ist seit vier Jahren Hauptgeschäftsführer und Direktor Public Affairs beim Händlerbund. Quelle: Händlerbund e.V.
Florian Seikel

Der 44-Jährige ist seit vier Jahren Hauptgeschäftsführer und Direktor Public Affairs beim Händlerbund.

(Foto: Händlerbund e.V.)

DüsseldorfDer 2008 in Leipzig gegründete Händlerbund versteht sich als E-Commerce-Netzwerk, das seine aus ganz Europa stammenden Mitgliedern fachlich und juristisch unterstützt. Die Organisation, die sich selbst als „Europas größten Onlinehandelsverband“ bezeichnet, ist außerdem mit Lobbyisten in Brüssel vertreten. Den Verband vertritt Florian Seikel, 44, seit vier Jahren als Hauptgeschäftsführer und Direktor Public Affairs.

Herr Seikel, kommt es zum harten Brexit, werden für Onlinesendungen aus Großbritannien Zollabgaben und Einfuhrumsatzsteuern fällig. Werden sich deutsche Internetkunden vom Vereinigten Königreich abwenden?
Da Großbritannien bei einem harten Brexit auch aus der Zollunion verschwindet, müssen Waren, die von der Insel nach Europa versendet werden, auch verzollt werden. Möglich, dass Kunden dadurch abgeschreckt werden. Letztlich entscheidet jedoch das kundenfreundlichste Angebot darüber, ob der deutsche Kunde sich dafür entscheidet.

Worauf müssen sich deutsche Kunden in jedem Fall einstellen, wenn es zum ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU-Zollunion kommt?
Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass der Erhalt ihrer Bestellungen in Zukunft länger dauert, da diese an der Grenze verzollt werden müssen. Teilweise fallen Zollgebühren für den Käufer an.

Wie sollen sich beide Seiten darauf vorbereiten?
Wenn Händler bereits einen Kundenstamm im jeweils anderen Land haben, sollten sie entsprechende Vorkehrungen treffen, damit das Geschäft auch nach dem Brexit flüssig weiter laufen kann. Deutsche Händler dürfen britische Kunden auf Grundlage der neuen EU-Geoblocking-Verordnung auch bewusst aus ihrem Shop aussperren – und anders herum.

Welches Verbraucherrecht wird künftig gelten? Das des Versender- oder das des Empfängerlands?
Bezüglich der Allgemeinen Geschäftsbedingungen können Händler hier eine sogenannte Rechtswahl treffen. Das bedeutet: Der deutsche Händler kann beispielsweise festlegen, dass auf die Verträge deutsches Recht angewendet wird – es sei denn, es gibt nationale, günstigere Vorschriften.

Wie schwer wird es andersherum für deutsche Onlineshops, nach Großbritannien zu liefern?
Den deutschen Händlern wird es ähnlich ergehen wie den britischen: Wollen sie künftig nach Großbritannien Handel betreiben, können sie sich nicht mehr auf die altbekannten EU-Vorschriften verlassen.

Und das bedeutet?
Nach dem Brexit müssen sich deutsche Händler in Sachen Einfuhr an die britischen Gesetze halten.

Retouren dürften zum Problem werden. Sind künftig auch bei Rücksendungen Zoll- und Umsatzsteuerzahlungen fällig?
Auch in puncto Retouren müssen Händler schauen, wie die nationalen Vorschriften sind und sich gegebenenfalls darauf einstellen. Da das Widerrufsrecht aber mittlerweile durch die EU in vielen Ländern auch auf nationaler Ebene harmonisiert wurde, sollte das wenig problematisch sein.

Viele deutsche Online-Start-ups firmieren unter der beliebten britischen Gesellschaftsform Limited. Müssen sie nun umfirmieren?
Wenn die EU aufgrund des Brexits entscheidet, dass ein deutscher Verwaltungssitz für Limited-Firmen unzulässig ist, kann dies zu Problemen bei der Handelsregistereintragung in Deutschland führen. Online-Händler, die ihr Geschäft hauptsächlich in Deutschland betreiben, könnten eine Umwandlung der Gesellschaft in eine deutsche GmbH oder UG beantragen...

...also die für Einsteiger gedachte neue GmbH-Sondervariante „Unternehmergesellschaft“.
Genau. Betroffene Online-Händler sollten sich diesbezüglich rechtlich beraten lassen. Es sei aber noch einmal darauf hingewiesen, dass all dies nur dann gilt, falls das Vereinigte Königreich zu einem Drittland wird und von der Europäischen Union im Handels- und Fernabsatzrecht auch so behandelt wird. Noch sind die entsprechenden Abkommen und Gesetze schließlich nicht beschlossen.

Herr Seikel, vielen Dank für das Interview.

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