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E-Commerce Schweizer Online-Shop Galaxus will den deutschen Online-Handel aufmischen

Die Migros-Tochter Galaxus will sich in Deutschland neben Amazon und Otto etablieren. Gelingt das, startet von Hamburg aus die Europa-Expansion.
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Kann der Schweizer Online-Händler in Deutschland Fuß fassen, sollen von Hamburg aus weitere europäische Märkte angegangen werden. Quelle: picture alliance/KEYSTONE
Galaxus

Kann der Schweizer Online-Händler in Deutschland Fuß fassen, sollen von Hamburg aus weitere europäische Märkte angegangen werden.

(Foto: picture alliance/KEYSTONE)

Zürich, Hamburg Frank Hasselmann plant den leisen Angriff auf den deutschen Online-Handel aus einem neuen Bürogebäude in Hamburg, dessen Architekt offensichtlich originell sein wollte. Umgeben von Altbauten setzt sich das mit weißen Blechplatten besetzte Hochhaus deutlich ab.

Was Hasselmanns Online-Shop Galaxus von dem alteingesessenen Anbietern Amazon und Otto absetzen soll, ist ebenso klar: Die Einkaufsumgebung. Für Kunden sieht Galaxus nicht wie ein typischer Online-Shop aus, sondern vielmehr wie ein Online-Magazin mit Testberichten. Wichtiger allerdings noch ist: Hinter Galaxus steht der größte Online-Shop der Schweiz und der Handelsriese Migros.

Seit einem Jahr arbeitet Hasselmann für das Schweizer Unternehmen an der Deutschlandstrategie, seit November ist der deutsche Shop online – ohne viel Werbung, von vielen potenziellen Kunden unbemerkt. Dennoch sei das 30-köpfige Team dem eigenen Plan voraus, sagt der 40-Jährige: „Wir liegen deutlich über dem, was wir uns erhofft haben.“ Schon seit Januar sei der Monatsumsatz siebenstellig.

Sein Ziel ist jedoch wesentlich größer: Galaxus soll unter die Top-Fünf der deutschen Online-Shops kommen – also in die Gruppe von Amazon, Otto, Zalando, Notebooksbilliger und Mediamarkt. Nur so sieht Hasselmann eine realistische Chance, profitabel zu arbeiten. Eine Zeitplan für dieses Ziel will er jedoch nicht nennen. „Klar ist, dass das sehr ambitioniert ist und eine extrem schwierige Aufgabe“, sagt er.

Experten halten es dank der Macht auf dem Heimatmarkt allerdings für machbar. Mit 800 Millionen Euro Umsatz wäre Galaxus bereits unter den ersten Fünf, rechnet Gerrit Heinemann, Experte für eCommerce an der Hochschule Niederrhein, vor. Das wäre in etwa soviel, wie der Online-Shop auf seinem deutlich kleineren Heimatmarkt Schweiz erreicht. „Insofern ist das durchaus machbar“, meint der Professor.

In der Schweiz sind Galaxus und das Schwesterunternehmen Digitec längst feste Größen. Heute ist Digitec Galaxus der größte Onlinehändler der Alpenlandes. Die Gruppe beschäftigt insgesamt 1350 Mitarbeiter und machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 992 Millionen Franken.

Es ist eine typische Wachstumsgeschichte: Die Idee, einen Versender für Computerzubehör zu gründen, kam Gründer Florian Teuteberg gemeinsam mit zwei Freunden. „Wir wollten damals für Computerspiele einen Rechner mit Wasserkühlung, aber so etwas gab es damals in der Schweiz nirgends zu kaufen“, erinnert er sich. „Das haben wir geändert.“ . Gemeinsam mit zwei Computerspiele-Fans gründete Teuteberg nach der Jahrtausendwende zunächst den Onlinehändler Digitec für Elektronik. Im Jahr 2012 kam das Online-Warenhaus Galaxus dazu, das von der Büroleuchte bis zum Erotikspielzeug so ziemlich alles im Sortiment hat. Das Versprechen: „Fast alles für fast jeden.“

Ähnlich soll es in Deutschland laufen: Bislang hat Manager Hasselmann vor allem Elektronik auf der Plattform – so wie Notebooksbilliger, Cyberport und Alternate. Jetzt sollen Baumarktsortimente und Spielzeug dazukommen, ganz zum Schluss auf dem Weg zum Vollsortimenter auch Mode. Dann soll Galaxus auch in Deutschland ein Marktplatz werden, den auch Dritthändler nutzen – ein Unterfangen, mit dem sich derzeit auch Otto abmüht.

Die Gründer glauben an den internationalen Erfolg: Dass Digitec Galaxus in der Schweiz zum Marktführer werden konnte, sei die Frucht der jahrelangen Anstrengungen, sagt Teuteberg – und liege nicht an den Besonderheiten des Schweizer Markts, auf dem etwa das Schwergewicht Amazon nicht mit einer eigenen Website präsent ist. Ausländische Onlinehändler tun sich in der Eidgenossenschaft auch deshalb schwer, weil sich ihre Kunden häufig mit dem Zoll herumplagen müssen.

Trotzdem ist Teuteberg überzeugt: „Wir hätten es auch so geschafft, zur Nummer eins in der Schweiz zu werden. Wir sind anders als Amazon und die anderen. Unser Konzept ist einzigartig.“. Digitec Galaxus sei mehr als nur ein Online-Warenhaus. „Unsere Mitarbeiter und unsere Kunden bilden eine Gemeinschaft, die mit Rat- und Tat bei der Auswahl des richtigen Produktes hilft“. Zudem testete man die Ware auch selbst – mit den Produkttestern der hauseigenen Redaktionen in Zürich und Hamburg. Deren Ergebnisse seien völlig unabhängig, verspricht Teuteberg, „auch wenn das bei manchen Herstellern und unseren Lieferanten manchmal für Irritationen sorgt.“

Wachstumsmöglichkeiten in der Schweiz seien begrenzt

Noch ist das Deutschland-Geschäft lediglich ein Testlauf, der eines Tages abrupt enden könnte. Der frühere Linde-Manager Hasselmann soll Erfahrungswerte sammeln, wie teuer die Neukundengewinnung ist und wie treu die deutschen Kunden sind. Die Erfahrungen der kommenden Monate werden entscheidend für die weitere Entwicklung von Galaxus sein. „Wenn wir in der umkämpften Elektronik erfolgreich sind, setzen wir uns auch in den übrigen Kategorien durch. Und wenn wir den schwierigen Markt Deutschland knacken, gelingt uns das überall in Europa“, sagt Hasselmann.

Klappt es in Deutschland, sollen von Hamburg aus weitere europäische Märkte angegangen werden. Klappt es nicht, zerplatzt der Traum davon, zwischen der Schweiz und dem Ausland Synergien zu heben und so eine europäische Alternative zu Amazon zu werden. Nicht jeder in der Heimat gibt Galaxus dafür gute Chancen. Das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ prophezeite Galaxus schon zum Marktstart in Deutschland das Scheitern. Die Konkurrenz von Amazon und Mediamarkt sei schlichtweg zu stark, das Galaxus-Modell der Community funktioniere außerhalb der Elektronik-Sortimente nicht als Differenzierungsmerkmal.

Das wäre für Galaxus ein herber Rückschlag. Denn es gilt das eiserne Gesetz des E-Commerce: Die Masse macht’s. Mit steigendem Umsatz sinken zum einen die relativen Fixkosten, zum anderen gibt es höhere Rabatte beim Einkauf. Digitec Galaxus sei nicht zur Expansion verdammt, sagt Teuteberg, räumt aber zugleich ein: „Die Wachstumsmöglichkeiten in der Schweiz sind begrenzt. Mit der Expansion in Deutschland wollen wir mehr Geschäft auf die Plattform bringen.“

Und noch einen Vorteil bringt der deutsche Ableger: Seitdem der Online-Shop seine Ware auch in Deutschland einkaufen kann, kann Galaxus sich je nach Produkt den günstigeren Einkaufsmarkt suchen. Doch das allein reicht nicht. Das Deutschland-Geschäft müsse sich eines Tages allein rechnen, beteuert Hasselmann.

Das wäre auch für Migros ein wichtiger Schritt. Die 1925 gegründete Genossenschaft ist der größte Arbeitgeber der Schweiz – ein oranges Imperium aus Supermärkten, Gartencentern und Tankstellen. Sogar eine eigene Bank gehört zur Migros-Gruppe.

Doch Angreifer aus dem Ausland wie Aldi und Lidl und Onlinehändler wie Amazon nehmen den „orangen Riesen“ in die Zange. Entsprechend groß sind die Hoffnungen, die auf dem Online-Ableger Digitec Galaxus ruhen.

Mehr: Wie sich Onlinehändler gegen die Amazonisierung des Konsums wehren.

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