Ebay in Turbulenzen Abgehängt von Amazon

Ebay leidet nicht nur an einer vorübergehenden Schwäche. Die Handelsplattform ist an einem kritischen Wendepunkt: Nur neue Ideen könnten die Zukunft sichern – Amazon macht es vor. Ein Kommentar.
Der virtuelle Flohmarkt stößt an seine Wachstumsgrenzen. Quelle: Reuters
Ebay

Der virtuelle Flohmarkt stößt an seine Wachstumsgrenzen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfJa, spinnt denn die Börse? Es sind doch nur Quartalszahlen, und der Umsatz ist ja immerhin nicht zurückgegangen. Doch der Kurs der Ebay-Aktie brach am Mittwochabend nachbörslich um dramatische zehn Prozent ein.

Nein, die Börse spinnt nicht. Die Aktionäre haben ein gutes Gespür dafür, dass es sich bei den Zahlen der Handelsplattform nicht nur um eine Momentaufnahme handelt. Die Abspaltung des erfolgreichen Zahlungsdienstes Paypal hat es schonungslos offengelegt: Ebay hat ein grundsätzliches Problem mit seinem Geschäftsmodell. Und das hat das Unternehmen mit seinem verhaltenen Ausblick auch selber zugegeben.

Florian Kolf ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Quelle:
Der Autor

Florian Kolf ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Wie viele Internet-Unternehmen musste Ebay erkennen, dass das ursprüngliche Geschäft irgendwann nicht mehr unbegrenzt skalierbar war, also kein dauerhaftes Wachstum bescherte. Die Idee einer Plattform für den Handel mit Gebrauchtwaren, die die Marketingstrategen von Ebay einst so genial in den griffigen Slogan „3,2,1 – meins“ verpackten, war irgendwann ausgereizt. Der Flohmarkt allein taugt eben nicht als Basis für ein Milliardenunternehmen. Doch der Handel mit Neuwaren, der das Flohmarktgeschäft ergänzen soll, bietet kein Alleinstellungsmerkmal. Das können andere auch – und zum Teil sogar besser.

Im Grunde steht das Unternehmen vor einer ähnlichen Herausforderung wie die Kaufhäuser im richtigen Leben. Was kann es den Kunden bieten, was andere nicht auch haben? Ebay fehlt ein klares Profil. Es wirkt wie ein großer Gemischtwarenladen: Im Erdgeschoss gibt es die Wühltische mit den Gebrauchtwaren, im ersten Stock die Haushaltswaren und im dritten Stock die Luxusabteilung. Der Kunde weiß nicht mehr, wofür Ebay wirklich steht.

Wo Ebay-Abtrünnige shoppen
Ebay
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Was sagen Nutzer über die Auktionsplattform Ebay? Viele haben bereits Alternativen zum Verkaufen und Kaufen gefunden.

Zum Artikel „Ebay zerlegt sich derzeit selbst“.

Amazon
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Das Online-Kaufhaus Amazon bietet fast alles: Vom Buch bis zum Rasenmäher. Facebook-Nutzer Gernot R. kommentiert auf der Handelsblatt-Facebook-Seite: „Das Einstellen von Artikel ist einfach umständlich und unübersichtlich, wenn man in mehreren Ländern und Sprachen vertreiben möchte. Zusätzlich sind die Gebühren für Fixpreisverkäufe ein Witz. Amazon ist das fortgeschrittener.“ Er hat aber auch noch einen Rat für die Auktionsplattform: „Ebay sollte wieder zu den Wurzeln von Auktionen zurückkehren und den Warenshop anderen überlassen.“

Kleinanzeigen
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Die gute alte Kleinanzeige gibt es nicht nur in Tageszeitungen: Auch online erfreut sich das Angebot großer Beliebtheit. Sven-Eric R. empfiehlt zum Beispiel das Portal Kalaydo. Maurice M. findet bei Ebay selbst die bessere Alternative: die Kleinzeigen der Plattform.

Facebook
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Roland H. empfiehlt Facebook für das Verkaufen: „Das was ich früher über Ebay verkauft habe geht heute viel schneller, billiger und seriöser über themenbezogene Facebook-Gruppen (z.B. „Gebrauchte Musikinstrumente -> 10.000 Mitglieder = 100% Zielgruppe!“) an neue Eigentümer.“

Marktplätze im Netz
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Der Marktplatz findet sich nicht nur offline in der Stadt, sondern auch im Netz: Nutzer Martin S. empfiehlt in den Kommentaren der Handelsblatt-Homepage zum Beispiel Smartvie. Hinter der Seite steckt ein Dortmunder Start-up, dass es mit der US-Konkurrenz aufnehmen will.

Kleiderkreisel
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Auch die Kleidertauschplattform Kleiderkreisel scheint eine Alternative zu Ebay. Wer früher seine Kleidung zum Trödel trug, kann die Klamotten auf der Plattform zum Verschenken, Tauschen oder Verkaufen anbieten. Ein neues Bezahlsystem mit Gebühren sorgten im November 2014 aber für Ärger bei den Nutzern, vorher erhob die Webseite keine Gebühren.

Ebay will sich als Partner der Händler profilieren. Wie ein Shopping-Center einzelnen Läden einen Rahmen und eine Bühne bietet, will Ebay Onlinehändlern eine Plattform bieten, die ihnen Reichweite und damit Kunden bringt, die ihnen hilft sich im Netz zu inszenieren.

Solide, verlässlich - aber nicht mehr aufregend
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