eCommerce Wie Online-Handel nicht mehr nerven soll

Staus, Lärm, Abgase: In der Vorweihnachtszeit verstopfen besonders viele Paketzusteller die Innenstädte. Hamburg erklärt sich jetzt zur Modellregion für Alternativen. Einen Standort für Amazon gibt es trotzdem nicht.
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Die Otto-Tochter Hermes testet derzeit in zwei Hamburger Stadtteilen Zustell-Roboter. Quelle: dpa
Pilotprojekt oder Werbe-Gag?

Die Otto-Tochter Hermes testet derzeit in zwei Hamburger Stadtteilen Zustell-Roboter.

(Foto: dpa)

HamburgEinkaufen im Internet könnte gerade in der Adventzeit so praktisch sein: Ein paar Clicks – und das Paket kommt zu Hause an. Käme bloß der Bote nicht immer gerade dann, wenn niemand da ist. Zu diesem Bequemlichkeitsproblem kommen ganz handfeste Nachteile für die großen deutschen Städte: Die eh schon verstopften Straßen werden noch stauanfälliger, Anwohner müssen mit Lärm und Abgas von immer mehr Zustellfahrzeugen leben.

Da hört sich ein jetzt vorgestellter Plan Hamburgs großartig an: Die Stadt solle eine „Modellregion“ für die Zustellung von Paketen auf der sogenannten letzten Meile – also vom Zustelllager zum Endkunden – werden, verkündete Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). „Saubere Luft und Mobilität zusammenzubringen gelingt nur über Innovationen“, sagte der frühere Manager in den schmucklosen Räumen der Wirtschaftsbehörde. Als größter Logistikstandort Deutschlands müsse sich die Hafenstadt insbesondere bemühen, den Luftreinhalteplan einzuhalten.

13 kuriose Fakten über den Onlinehändler
Fakt 1: Name
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Zalando sollte ursprünglich „Infansho GmbH“ heißen. Das ist ein Anagram aus dem englischen Begriff Fashion, das sich auch als „I Fan Shoe“ lesen lässt. Aus Sicht des Marketings sollte der Onlineshop aber zunächst mit dem Namen „Salon“ an den Start gehen. Die Befürchtung: Der Name ähnelt sich zu sehr mit der Bezeichnung der Schuhmarke Salamander. Über den Umweg „Zalon“ war dann schnell der Name Zalando gefunden.

Die Fakten stammen aus einem Beitrag des Digital-Commerce-Magazins E-Tailment.

Fakt 2: Mickie-Krause-Song
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In dem Ballermann-Hit „Nur noch Schuhe an“ widmet Schlagersänger Mickie Krause dem Onlinehändler im Jahr 2012 gleich zwei Strophen. Sie sind an den bekannten Werbespruch „Schrei vor Glück“ des Onlinehändlers angelegt: „Braucht sie einmal Ruhe, bestellt sie sich Schuhe, und Herzi Punkt vier, steht dann vor der Tür: Wie auf Kommando, der Typ von Zalando, kaum lass ich ihn rein, schon fängt er an zu schreien.“

Fakt 3: Flip Flops
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Heute erscheint es angesichts der umfangreichen Maschinerie hinter Zalando kaum vorstellbar: Im Oktober 2008 startete der Schuhshop mit einem kleinen Do-it-yourself-Shop zu Flipflops. Anfangs gab es nur 100 Produkte, damit die Gründer das Produktsegment besser kennenlernten. Sie hatten zuvor zahlreiche Flipflop-Shops abgegrast und skalierten ihr Geschäft auf fliptops.de auf bis zu 20 Bestellungen am Tag. Obwohl noch im selben Monat Zalandos erste selbst programmierte Webseite ins Leben gerufen wurde, führte die damalige Adresse noch Jahre später zu Zalando. Schon damals gab es das Schuhwerk versandkostenfrei.

Fakt 4: Startkapital von Rocket Internet
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Von Rocket Internet erhielten die Gründer Robert Gentz und David Schneider ein Investment über 50.000 Euro sowie noch einmal 50.000 Euro an Dienstleistungen, wofür zwei Drittel der Anteile von Zalando fällig wurden. Den Gründern blieb gerade mal ein Drittel an ihrem Unternehmen. Laut dem Buch „Die Paten des Internets“ von Joel Kaczmarek waren Gentz und Schneider anfangs nahezu auf sich allein gestellt. Sie starteten als Mietnomaden, indem sie bei unterschiedlichen Gründungen der Berliner Internetszene unterkamen. Erst später gelangen die Gründer zu ihrem eigenen Büro in der Berliner Torstraße. Um die Miete von 2000 Euro bezahlen zu können, sollen sie einige Zimmer wiederum an Start-ups untervermietet haben.

Fakt 5: 4,8 Sterne
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In der Gesamtbewertung soll es für den Händlershop von Zalando beim Onlineriesen Amazon laut E-Tailment 4,8 Sterne gegeben haben.

Fakt 6: Erste Bilanzsumme
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Anfang 2010 veröffentlichte der Onlinehändler im Bundesanzeiger eine erste Bilanzsumme für 2008, die damals bei 326.617,02 Euro lag. Ende 2008 brachte es Zalando auf etwa 20 Mitarbeiter, wovon die meisten als Praktikanten angestellt gewesen sein sollen.

Fakt 7: Parodien
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„Schrei' vor Glück“ ist wohl einer der bekanntesten deutschen Werbeslogans. Die Spots bescherten Zalando nicht nur eine Markenbekanntheit von 95 Prozent, sondern auch den renommierten Deutschen Marketingpreis. Etliche Parodien im Web haben der TV-Werbung zum Kult-Status verholfen. Zum Beispiel: „Schrei' wie verrückt! Und schick's besser zurück!" oder „Schrei' nach Bier! Kauf es dir.“

Noch allerdings klingen die Worte größer als die Inhalte. Über die bestehende regionale „Initiative Logistik“ sollen sich Unternehmen, Behörden und Wissenschaftler vernetzen. „Es geht um die Kombination erfolgreicher Großer mit Start-ups“, sagte Ex-Otto-Vorstand Peer Witten als Vertreter der Initiative. Die Otto-Tochter Hermes spielt denn auch eine größere Rolle: Sie testet derzeit in zwei Hamburger Stadtteilen Zustell-Roboter. Die Prototypen rollen allerdings bislang nur von einem Mitarbeiter begleitet über die Bürgersteige. Immerhin: Das bislang bis Jahresende vorgesehene Projekt soll nun noch um einige Wochen verlängert werden. Die Reaktion der Anwohner sei positiv, berichtete ein Hermes-Manager, technisch gebe es aber noch Probleme – etwa bei der mobilen Datenverbindung. Ansonsten testet Hermes in Hamburg kleinere Paket-Depots, von denen aus per Elektro-Rad geliefert wird. Als Teil des Projekts sei es außerdem gelungen, DPD davon zu überzeugen, eines seiner Elektro-Lieferfahrzeuge auch in Hamburg einzusetzen – statt nur in zwei bayerischen Städten.

Das Projekt „Modellregion“ schrumpft so zusammen auf ein Nebeneinander von kleineren Pilotprojekten. Die Initiative soll sie verknüpfen und will in einiger Zeit eine wissenschaftliche Untersuchung vorlegen, was funktioniert und was nicht. Offene Arbeitsgruppen besprechen dabei Ziele wie emissionsarme Fahrzeuge, alternative Zustellpunkte und innovative Zustellarten. Auch Themen wie Drohnen oder gar die Zustellung über Hamburgs innerstädtische Kanäle, die Fleete, könnten Themen sein.

Konkretere Ziele sind jedoch bislang nicht geplant. Ein Verbot etwa von Zustellfahrzeugen mit Verbrennungsmotor in der Innenstadt sei mit dem betont wirtschaftsfreundlichen Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) „undenkbar“, hieß es aus dem Umfeld der Initiative. Der Politiker hatte sich wiederholt gegen größere Verkehrseinschränkungen ausgesprochen und will stattdessen auf Anreize für mehr Elektro- und Fahrradmobilität setzen. Die Rolle der Behörden sei es, Genehmigungen schneller zu erteilen, sagte Senator Horch. Die Genehmigung der Zustellroboter habe etwa nur drei Monate in Anspruch genommen, lobten die Beteiligten.

Otto-Stadt bremst Amazon aus
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