Edeka-Projekt in Stuttgart Abholbox im Bahnhof – Trend oder PR-Gag?

Im Stuttgarter Hauptbahnhof steht die erste Supermarkt-Abholbox Deutschlands. Mit dem Automaten will Edeka ein Zeichen für den Online-Einkauf von Lebensmitteln setzen. Experten sehen die Idee aber skeptisch.
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Ein Start-up aus Südbayern hat die Supermarkt-Abholstation für Edeka gebaut. Branchenexperten freuen sich über solche Erprobungen zum Online-Einkauf von Lebensmitteln. Jetzt komme es auf den Verbraucher an, ob dieser die Stationen auch annehme. Quelle: dpa
Lebensmittel-Abholbox in Stuttgart

Ein Start-up aus Südbayern hat die Supermarkt-Abholstation für Edeka gebaut. Branchenexperten freuen sich über solche Erprobungen zum Online-Einkauf von Lebensmitteln. Jetzt komme es auf den Verbraucher an, ob dieser die Stationen auch annehme.

(Foto: dpa)

StuttgartDie erste Bestellung ist eine Überraschung. Gerade noch hatte ein Bahn-Manager einen Werbeclip in der Halle des Stuttgarter Hauptbahnhofs abspielen lassen, in dem ein imaginärer Kunde Zutaten für Käsespätzle bestellt. Gewissermaßen als Fortsetzung der Werbung im wahren Leben schreitet der Manager dann zur Tat: Er hält einen Handy-Code vor einen Scanner und ein Fach der neuen Lebensmittel-Abholstation „Bahnbox“ öffnet sich. Drin jedoch liegen nicht Spätzle, Käse, Sahne und Zwiebeln, sondern Lasagne und Nudeln. Der Manager guckt verwirrt. Später klärt sich auf: In einem anderen, weiter rechts gelegenen Fach sind die Käsespätzle-Zutaten.

Die Werbeveranstaltung im Stuttgarter Hauptbahnhof ist ein weiterer kleiner Schritt im digitalen Wandel des Handels. Die Lebensmittelbranche ist noch wenig betroffen von den neuen Konsumentengewohnheiten: Während die Online-Konkurrenz stationären Buchläden oder Klamottengeschäften zusetzt, liegt der Versandhandel mit Nahrung nur bei etwa einem Prozent am Lebensmittel-Gesamtumsatz. Die Tendenz ist zwar steigend, aber eben auf sehr niedrigem Niveau.

Mit der Stuttgarter Bahnhofsbox will nun Edeka Südwest ein digitales Ausrufezeichen setzen. In der Stadt bringt nun ein Edeka-Markt die im Internet bestellten Waren zu der acht Meter breiten und zweieinhalb Meter hohen Aufbewahrungswand mit 52 Fächern. 7000 Produkte können bestellt werden – ob Fleisch, Milch, Salat oder Eis. Bestellt ein Kunde bis sechs Uhr morgens, so kann er die Ware zwischen 10 und 14 Uhr abholen. Zudem gibt es ein Zeitfenster zwischen 15 und 22 Uhr. Der Service sei praktisch und zeitsparend, wirbt die Bahn.

Es ist die erste Supermarkt-Abholbox an einem Bahnhof in Deutschland, im Mai soll eine ähnliche Station am Berliner Ostbahnhof aufgestellt werden. Die Preise für die Produkte sind ähnlich wie im Supermarkt, pro Bestellung ist aber eine Service-Pauschale von 2,95 Euro fällig.

Einkaufen ohne Kassen und Warteschlangen
Die neue Amazon-Idee
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Nie mehr Schlange stehen, sondern mit dem vollen Einkaufswagen einfach aus dem Laden laufen: Das verspricht eine neue Idee des Onlineriesen Amazon – ein Supermarkt in Seattle mit dem Namen „Amazon Go“.

Sensoren erkenne die gewählten Produkte
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In Seattle im US-Bundesstaat Washington präsentierte der Konzern am Montag den Prototyp eines Supermarkts, in dem Kunden alles mitnehmen können, ohne eine Kasse zu passieren. Die in dem rund 170 Quadratmeter großen Laden eingebaute Technologie „erkennt automatisch, wenn Produkte aus den Regalen genommen werden“, erklärte das Unternehmen. Sensoren ermöglichen es dem Kunden also, die gewünschten Produkte auszusuchen und dann mit einer App über ihre Amazon-Konten abzurechnen

Der Kassenzettel wird nachgereicht
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Nur beim Betreten des Ladens muss das Smartphone am Eingang gescannt werden. Beim Verlassen des Geschäfts werde der Einkauf dann über einen virtuellen Warenkorb abgebucht. „Wenn du mit dem Einkaufen fertig bist, kannst du das Geschäft einfach verlassen“, erklärte das Unternehmen. Anschließend werde das Amazon-Konto des Kunden mit dem entsprechenden Betrag belastet und ein Kassenzettel verschickt. Angeboten werden Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch, Fertiggerichte und Kochboxen mit Zutaten für bestimmte Gerichte.

Hier darf nicht jeder rein
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Allerdings darf nicht jeder in den neuen Supermarkt. Vorerst können nur Angestellte des Konzerns, der in Seattle seinen Hauptsitz hat, Amazon Go nutzen.

Ab 2017 für alle Kunden geöffnet
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Anfang 2017 soll der Laden, der auch frische Menüs anbietet, dann für alle anderen Kunden geöffnet werden. Ob weitere Filialen geplant sind, war zunächst unklar.

Amazon erobert die analoge Welt
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Amazon bietet in den USA und London bereits den Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh an. Dabei handelt es sich um eine für 15 Dollar pro Monat erhältliche Zusatzoption für Abonnenten des jährlich 99 Dollar kostenden Prime-Service. Zudem betreibt Amazon in Seattle seit dem vergangenen Jahr bereits einen Buchladen; weitere Standorte in anderen Städten sind angekündigt. Laut „Wall Street Journal“ will der Konzern außerdem in den nächsten Wochen testweise zwei Drive-in-Läden eröffnen, ebenfalls in Seattle.

Druck für die traditionellen Kaufhausketten
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Sollte sich der Onlinekonzern dazu entscheiden, im großen Stil ins Supermarktgeschäft einzusteigen, würde dies erheblichen Druck auf traditionelle Lebensmittelhändler und Kaufhausketten wie Wal-Mart ausüben. Bislang kaufen die meisten Verbraucher die Dinge des täglichen Bedarfs bei solchen Anbietern ein.

Branchenexperten äußern sich zurückhaltend zu den Erfolgsaussichten des Pilotvorhabens. „Das ist eine interessante Idee“, sagt der Handelsexperte Sascha Berens vom Kölner Handelsinstitut EHI. Es sei gut, dass der Handel solche Erprobungen macht. „Aber ob die Verbraucher dies annehmen, muss die Zeit zeigen.“

Die Abholmentalität in Deutschland sei schwach. „In Frankreich haben wir sehr große, teils weit entfernte Supermärkte, in die Verbraucher oft nur einmal pro Woche zum Großeinkauf fahren – da bestellen viele lieber im Internet und holen sich das bereitliegende Warenpaket später an Abholstationen ab“, sagt Berens. Hierzulande gebe es mehr Supermärkte, die deutlich kleiner seien. Daher müssten Konsumenten nicht fürchten, in riesigen Märkten ewig suchen zu müssen.

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