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Edeka-Tengelmann-Fusion Diese Hochzeit macht uns arm

Die Tengelmann-Läden, die Edeka übernehmen will, haben nur einen Mini-Marktanteil in Deutschland. Trotzdem stellt sich das Kartellamt gegen den Deal – aus gutem Grund.
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Edeka ist selber schuld

DüsseldorfDas Bundeskartellamt hat Edeka auf dem Kieker. Die beabsichtigte Übernahme der Tengelmann-Supermärkte ist der Behörde ein Dorn im Auge, das machte sie nicht erst gestern unmissverständlich klar. Wer die Zahlen im deutschen Lebensmittelmarkt anschaut, reibt sich jedoch verdutzt die Augen: Tengelmann besitzt im deutschen Lebensmitteleinzelhandel gerade mal einen Marktanteil von 0,6 Prozent. Ist es da nötig, dass die Kartellwächter derart durchgreifen? Oder betätigt sich das Kartellamt als eine Behörde, die Unternehmen das Überleben schwer macht? Schließlich muss Tengelmann ohne Fusion auf Dauer um seine Existenz fürchten.

Die Antwort liegt in der Vergangenheit. Edeka ist ein gebranntes Kind. Die Handelskette hat aus Sicht der Kartellbehörden bereits früher ihre Marktmacht nach einer Fusion missbraucht. Deswegen schaut die Behörde jetzt mit der Lupe auf das Unternehmen. Was war geschehen?

2009 hatte Edeka den Konkurrenten Plus übernommen. Das Kartellamt untersuchte die Übernahme bereits damals sehr genau, und genehmigte sie schließlich nur unter harten Auflagen. Rund 360 Plus-Filialen in Regionen mit einem besonders hohen Edeka-Marktanteil mussten an andere Wettbewerber verkauft werden. Für einige der betroffenen Filialen fanden sich in der Folge keine Käufer, sie mussten geschlossen werden. Außerdem mussten Edeka und der bisherige Plus-Eigentümer Tengelmann auf eine geplante Einkaufskooperation verzichten.

Das Bundeskartellamt blieb jedoch trotzdem dran und fand seine Befürchtungen bestätigt. In einem Bericht, den die Wettbewerbshüter im Jahr 2013 veröffentlichten, erhoben sie schwere Vorwürfe gegen von Edeka nach der Übernahme geforderte sogenannte „Hochzeitsrabatte“. „Nach unserer vorläufigen Bewertung hat Edeka hier (...) die Grenze überschritten und ihre Nachfragemacht gegenüber den Lieferanten missbräuchlich ausgenutzt.

Die Forderungen wurden zum Teil rückwirkend und ohne Gegenleistung gestellt. Mit wirtschaftlich abhängigen Lieferanten muss ein marktmächtiges Unternehmen fairer umgehen“, tadelte Kartellamtspräsident Andreas Mundt damals das Unternehmen. Im Sommer 2014 kam dann das endgültige Urteil der Wettbewerbshüter: Edeka hat tatsächlich seine Marktmacht missbraucht.

Edeka habe im Nachgang der Plus-Übernahme Sonderkonditionen von rund 500 Lieferanten aus unterschiedlichen Warenbereichen gefordert, heißt es in dem Bericht der Kartellbehörde. Das Unternehmen zog dabei alle Register: Günstigere Bezugskonditionen der Plus-Märkte habe das Unternehmen für die gesamte Edeka-Gruppe reklamiert, ebenso längere Zahlungsziele, die Plus teilweise eingeräumt worden waren. Darüber hinaus sei von den Lieferanten die Zahlung von Geldbeträgen unter verschiedenen Titeln wie „Synergiebonus“, „Partnerschaftsvergütung“ oder „Sortimentserweiterungsbonus“ eingefordert worden.

Nachteile für den Verbraucher

Es begann mit Kolonialwaren...
Tengelmann's Kaffee-Geschaeft / Foto - -
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Im Jahr 1867 gründen der Kaufmann Wilhelm Schmitz und seine Ehefrau Louise, geborene Scholl, in Mülheim an der Ruhr die Schokoladenfabrik Wissoll und bald darauf einen Kolonialwarenhandel - seit fünf Generationen liegt das international agierende Imperium inzwischen in den Händen der Familie.

(Das Foto stammt aus den 20er Jahren und zeigt Angestellte)

(Foto: akg-images)
huGO-BildID: 5752567 Eriwan Haub, 1969
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Der Urenkel Erivan Haub, der 1932 zur Welt kommt, macht eine Lehre als Großhandelskaufmann in den USA, studiert in Hamburg und Mainz Volkswirtschaftslehre, volontiert bei Banken - unter anderem bei der Commerzbank - und in der Immobilienbranche, ehe sich 1963 ein Platz bei Tengelmann in Wiesbaden für ihn findet. Im Jahr 1969 tritt Erivan Haub die Nachfolge seines Onkels, der plötzlich verstorben ist, an und beginnt mit der gezielten Expansion durch die Übernahme mehrerer Handelsketten.

(Foto: Pressefoto Tengelmann Gruppe)
huGO-BildID: 29158806 mehr Foto-Infos gibt es nicht! USO Golfturnier, rechts Helga Haub, Tengelmann Wiesbaden 19xx
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Helga Otto (rechts) wächst mit ihren Eltern Irma und Rudolf Otto sowie drei Geschwistern im südbadischen Emmendingen und Hinterzarten (Schwarzwald) auf. Nach dem Abitur schreibt sie sich in Hamburg für Wirtschaftswissenschaften ein – damals ein Fach, in dem Frauen noch eine Rarität sind.

(Foto: Privataufnahme)

(Foto: Tengelmann)
huGO-BildID: 29158780 mehr Foto-Infos gibt es nicht! Privataufnahme, 1984, links Erivan Haub, rechts Helga Haub, Tengelmann
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1958 heiratet der Amerika-Fan Erivan Haub die Diplomkauffrau Helga. Als in den fünfziger Jahren der Kalte Krieg zu eskalieren droht, schafft sich die Familie ein zweites Zuhause in Tacoma bei Seattle an der Westküste; hier kommen zwischen 1960 und 1964 alle drei Söhne, Karl-Erivan, Georg und Christian, zur Welt.

(Foto: Provataufnahme aus dem Jahr 1984)

(Foto: Tengelmann)
Tengelmann-Gruppe
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In den folgenden Jahrzehnten baut Erivan Haub den überschaubaren Betrieb zu einem der weltweit größten Handelsunternehmen aus.

(Foto: dpa)
China, Shenyang: German home department store "Obi"
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Im Jahr 2000 wagt der Unternehmer die Expansion nach China und eröffnet den ersten Obi-Baumarkt. Zwei Jahre später träumt er von 100 Filialen im Reich der Mitte, doch 2005 muss Obi seine 18 Märkte wieder verkaufen, weil sie keine schwarzen Zahlen schreiben.

(Foto: Antonio Pisacreta/ROPI)
huGO-BildID: 2469409 NUMBER :96122706 DATE :19 12 96 CAPTIONWRITER :WvB PHOTOGRAPHER :¬ Wolfgang von Brauchitsch 53113 Bonn Tel.: 0228 21 53 08 C
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Der Auslistung von Froschschenkeln und Schildkrötensuppe Anfang der 80er Jahre verdankt das Unternehmen seine Pionierrolle im Umweltschutz und gleichzeitig sein einprägsames Umweltzeichen.

(Foto: )

Edeka ist mit rund 25 Prozent klarer Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel. Der Konzern betreibt in Deutschland 11.600 Märkte und machte 2013 einen Umsatz von 46,2 Milliarden Euro. Der Abstand zum Zweitplatzierten ist groß: Konkurrent Rewe hat einen Marktanteil von knapp 15 Prozent, die Kette hat ebenfalls Interesse an den Tengelmann-Supermärkten. Auch diese Konstellation könnte Probleme bringen. Denn laut den Zahlen des Kartellamtes teilen sich Edeka, Rewe, Aldi sowie die Schwarz Gruppe mit den Lidl-Märkten und Kaufland bereits jetzt rund 85 Prozent des Marktes.

Ihren Einkauf organisieren diese Firmen überwiegend innerhalb Deutschlands, sodass sich die Unternehmen auch im Ausland nicht mit anderen Konkurrenten rumschlagen müssen. „Die großen Handelskonzerne haben bereits jetzt einen gravierenden Vorsprung gegenüber ihren mittelständischen Konkurrenten und genießen strukturelle Vorteile, die sie in den Verhandlungen mit den Herstellern nutzen können“, urteilte Kartellamtspräsident Mundt.

Verschärft werde diese Situation noch durch die Eigenmarken der Händler. Die erfreuen sich bei den Deutschen immer größerer Beliebtheit. Nach einer Ende Januar veröffentlichten Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen ist der Marktanteil der Händlermarken wie „Ja“, „Gut und Günstig“ oder „Rewe Feine Welt“ seit 2009 um zwei Prozentpunkte auf 34 Prozent gestiegen. Auch in diesem Jahr werde die Bedeutung der Eigenmarken weiter zunehmen, prognostiziert die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). „Das ist ein langfristiger Trend“, sagte GfK-Experte Wolfgang Adlwarth.

Bei Edeka waren die Eigenmarken im Geschäftsjahr 2013 mit einem Umsatzplus von 9,8 Prozent einer der wichtigsten Wachstumstreiber. Die Supermarktketten nutzen ihre Marktmacht, um die Preise ihrer Zulieferer zu drücken – aus Verbrauchersicht hört sich das zunächst nicht schlecht an. Doch Kartellamtspräsident Mundt erklärt im Gespräch mit der „Lebensmittelzeitung“ die Gefahren, die aus dieser Macht resultieren: „Einkaufsvorteile können dem Verbraucher nutzen, soweit sie auch an ihn weitergereicht werden. Das ist sicher nicht immer der Fall. Niedrige Margen bei den Herstellern können aber auch Qualitätseinbußen nach sich ziehen, was nicht im Sinne der Verbraucher wäre.“

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