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Einbußen in der Pandemie Coronakrise zwingt Audiospezialisten Sennheiser zu Jobabbau

Der Audiospezialist leidet unter Absagen von Events und Ladenschließungen. Nach einem Rekordumsatz muss Sennheiser bis 2022 nun 650 Stellen streichen.
01.07.2020 Update: 01.07.2020 - 16:44 Uhr Kommentieren
„Die gesamte Veranstaltungs- und Musikindustrie ist durch die Corona-Pandemie weltweit praktisch zum Stillstand gekommen“, sagen die Chefs des Audiospezialisten. Quelle: picture alliance/dpa
Andreas und Daniel Sennheiser

„Die gesamte Veranstaltungs- und Musikindustrie ist durch die Corona-Pandemie weltweit praktisch zum Stillstand gekommen“, sagen die Chefs des Audiospezialisten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Düsseldorf Das Theater des Sennheiser-Innovations-Campus war kürzlich nachts signalrot angestrahlt. Die Farbe steht für Alarm und rote Zahlen. Der Audiospezialist aus der Wedemark bei Hannover beteiligte sich an der bundesweiten Aktion „Night of Light“. Die Unternehmerbrüder Andreas und Daniel Sennheiser wollten ein Zeichen setzen für die unverschuldete Krise der Eventbranche, die ein nie da gewesenes Ausmaß erreicht hat.

„Die gesamte Veranstaltungs- und Musikindustrie ist durch die Corona-Pandemie weltweit praktisch zum Stillstand gekommen“, sagt Co-CEO Daniel Sennheiser, 46. Der Eurovision Song Contest, die Olympischen Spiele in Tokio, Welttourneen internationaler Stars wie Ed Sheeran, die seit Jahren auf Audiotechnik von Sennheiser schwören – alles ist bis auf Weiteres abgesagt.

„Die Krise hat viele unserer Kunden – speziell die Verleiher – sehr hart getroffen. Viele sind in ihrer Existenz bedroht“, sagt Daniel Sennheiser. Allein in Deutschland setzt die Veranstaltungswirtschaft knapp 130 Milliarden Euro im Jahr um, dazu zählen auch viele Messen und Tagungen, die Audiotechnik benötigen. „Unser Wirtschaftszweig liegt völlig am Boden und sieht kein Licht am Ende des Tunnels“, sagt Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV).

„Auch wir spüren die Auswirkungen deutlich“, sagt Andreas Sennheiser. Der Absatz von Profi-Mikrofonen ist in der Coronazeit eingebrochen – mit Ausnahme von Studiomikrofonen.

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    Daneben ist der weltweite Kopfhörermarkt in den vergangenen Monaten um 30 bis 40 Prozent eingebrochen, auch der Absatz bei Sennheiser. Nach dem Lockdown sei der Verkauf im Einzelhandel vieler Länder noch immer nur eingeschränkt möglich.

    Krise zum 75. Firmenjubiläum

    Sennheiser führte Kurzarbeit ein und sparte. Doch wegen der gravierenden Absatzeinbrüche infolge der Pandemie lässt sich nun ein deutlicher Stellenabbau nicht mehr vermeiden. Bis zu 650 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2022 weltweit abgebaut werden, davon rund 300 in Deutschland. Dort ist die Hälfte der 2800 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir sind ein Familienunternehmen, und jeder einzelne unserer Mitarbeiter ist Teil des Teams. Deshalb fällt uns dieser Schritt sehr schwer“, sagt Andreas Sennheiser. Betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden.

    Das 75. Jubiläumsjahr des Familienunternehmens hatten sich die Brüder anders vorgestellt. „Eigentlich wollten wir mit unseren Kunden und Partnern groß feiern“, erzählen sie. 1945 gründete ihr Großvater Fritz Sennheiser ein Start-up in einem Bauernhaus bei Hannover.

    Dorthin hatte sich der Professor mit seinem Akustik-Institut im Krieg geflüchtet. Das erste eigene Mikrofon entstand 1947 und war gleich ein Erfolg. 1955 hatte die Firma bereits 250 Mitarbeiter. Sennheiser war Teil des deutschen Wirtschaftswunders.

    Heute ist das Familienunternehmen ein global führender Hersteller von Kopfhörern, Mikrofonen und drahtloser Übertragungstechnik. 85 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Sennheiser im Ausland. Wachstumstreiber ist Asien.

    Daniel und Andreas Sennheiser stehen seit 2013 in dritter Generation gemeinschaftlich an der Spitze. Daniel studierte Produktdesign, Andreas BWL mit Schwerpunkt Elektrotechnik und promovierte in Logistik. Die Brüder ergänzen sich dank ihres unterschiedlichen fachlichen Backgrounds, meint Alexander Kind, Chef der gleichnamigen Hörgerätekette. „Kundenfokus, schnelle, effiziente Prozesse und innovative Produkte bestimmen ihr Denken und Handeln.“

    Wettbewerbsdruck wächst

    Die unverschuldete Krise ist für das Unternehmen besonders bitter. Denn Sennheiser hatte gerade erst eine schmerzhafte Sanierung absolviert. Nach Umsatzrückgang und Verlusten flexibilisierten die Brüder die Organisation, strafften das Sortiment und bauten dabei rund 180 Stellen ab. 2018 gelang der Turnaround. 2019 fuhr Sennheiser einen Rekordumsatz von 756,7 Millionen Euro ein, ein Plus von 6,5 Prozent. Der operative Gewinn lag jedoch mit 18,5 Millionen Euro etwas unter dem des Vorjahres. Nach Zinsen und Steuern war das Ergebnis mit 3,1 Millionen Euro sogar negativ.

    Während das Profi-Geschäft 2019 gut lief, blieben vor allem Kopfhörer hinter den Erwartungen zurück und verloren Marktanteile. Inzwischen tummeln sich auch Konzerne wie Apple, Samsung, Google und Huawei auf dem Markt. „Der Wettbewerbsdruck hat sich stark erhöht, die Margen sind unter Druck“, sagt Daniel Sennheiser. Verbraucher wollten neueste Technologie, aber wären nicht bereit, dafür mehr zu bezahlen.

    Das Familienunternehmen versucht nun, die Coronakrise, so gut es geht, zu überstehen. Sennheiser hat mit Wohnzimmerkonzerten und Webinaren neue Formate für Musikfans geschaffen. Unter dem Hashtag #DontStopTheMusic oder #DontStopTheEducation ist Sennheiser in sozialen Medien aktiv. Einige dieser Ideen wollen die Brüder auch nach der Coronazeit beibehalten. „Wir hoffen aber natürlich, dass es möglichst bald wieder Live-Konzerte geben wird“, sagt Andreas Sennheiser.

    Mehr: Alarmstufe Rot: Veranstaltungsbranche sendet Notsignale.

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