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Einfuhrhürden Beim Erdnussbutter-Engpass scheint das Rätsel gelöst

Der typische US-amerikanische Aufstrich ist seit Monaten vergriffen. Ein Importeur klärt nun über die Hintergründe auf. US-Marken bleiben wohl Mangelware.
02.11.2019 - 11:58 Uhr Kommentieren
Die Erdnussbutter der Marke „Mcennedy American Way“ wird nicht in den USA, sondern in Argentinien hergestellt.
Erdnussbutter bei Lidl

Die Erdnussbutter der Marke „Mcennedy American Way“ wird nicht in den USA, sondern in Argentinien hergestellt.

Düsseldorf Seit Monaten ist kaum noch Erdnussbutter aus den USA in deutschen Supermarktregalen zu finden. Peanut-Butter-Fans rätselten: Liegt es an den 25-prozentigen Strafzöllen der EU, die seit Juni 2018 auf US-Erdnussbutter erhoben werden? Ist ein Rückruf die Ursache – etwa wegen Schimmelpilzen oder Salmonellen? Oder liegt es an „fehlenden Zertifikaten“, wovon im Handel gemunkelt wurde? Fakt ist: Die Importe von US-Erdnussbutter nach Deutschland sind seit dem Sommer fast zum Erliegen gekommen, wie die Zollstatistik zeigt.

Auf die Berichtserstattung des Handelsblatts im September hat sich nun ein deutscher Importeur gemeldet und sein Leid geklagt. Starbridge US Food Import aus Grub am Forst bezieht seit 1998 Lebensmittel aus den Staaten, darunter jährlich vier Tonnen Erdnussbutter – etwa der beliebten Marken Jip und Skippy. Für Prokurist Gerd Krauß ist glasklar, was Auslöser für den plötzlichen Erdnussbutter-Notstand ist: ein zusätzliches Einfuhrdokument aus Brüssel mit durchschlagender Wirkung.

Seit dem 26. Juli verlangt die EU für Erdnussbutter, Erdnüsse und Pistazien aus den USA das sogenannte Gemeinsame Dokument Einfuhr (GDE). Das muss belegen, dass die Ware keine gefährlichen Schimmelpilzgifte, sogenannte Aflatoxine, enthält. Das geht aus der Durchführungsverordnung EU 2019/1249 der EU-Kommission vom 22. Juli 2019 hervor.

Entsprechend haben die Behörden ihre Kontrollen bei der Einfuhr verschärft. Zehn Prozent aller Importe – so die Vorgabe aus Brüssel – müssen ins Labor. Ob eine Lieferung Erdnussbutter von Veterinären labortechnisch untersucht werden muss, entscheidet ein Computer nach dem Zufallsprinzip für alle Einfuhren in die EU.

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    Aflatoxin ist ein starkes Gift aus Schimmelpilzen, das Krebs auslösen kann. Es entsteht bei unsachgemäßer feuchter Lagerung etwa von Nüssen. Erst im Januar war Erdnussbutter der Bio-Marke Terra Sana in der Schweiz und Belgien deswegen zurückgerufen worden. Das Problem tritt immer mal wieder auf.

    Die neue Regelung für US-Erdnussbutter hat einige Importeure kalt erwischt. Für Starbridge landete am 5. August ein Container mit 18 Tonnen Lebensmitteln aus den USA am Hamburger Hafen an. Mittendrin befanden sich irgendwo ein paar Paletten mit 780 Gläsern Peanut Butter. Doch das neue Einfuhrdokument fehlte, weil es zur Einschiffung noch gar nicht galt.

    Der Import von US-Erdnussbutter lohnt sich kaum noch

    „Fast der ganze Container musste mühsam ausgeladen werden, um die Erdnussbutter zu finden und zum Veterinär zurück nach Hamburg zu bringen“, erzählt Krauß. „Der Test im Labor dauerte eine Woche und kostete uns 276 Euro“, sagt der Zollexperte, der lange Jahre bei Danzas und DHL arbeitete. „Mit den Umlade- und Lagergebühren kamen wir auf Zusatzkosten von etwa 1400 Euro für die 780 Gläser“, ärgert er sich.

    Auch für Importeur Krauß hat der Schutz der Verbraucher oberste Priorität. „Wir hatten einwandfreie Testergebnisse aus einem US-Labor für unsere importierten Erdnussbutter-Chargen. Aber die Tests werden in der EU nicht anerkannt, obwohl die US-Grenzwerte deutlich niedriger liegen“, ärgert sich Krauß. „Das ist Schikane.“

    „Testmethoden für Lebensmittel sind nicht zwingend standardisiert und überall auf der Welt anerkannt“, erklärt Torsten Laub, Sprecher des international tätigen Prüflabors SGS Institut Fresenius. „Das gilt auch in vielen Fällen für Einfuhren in die EU.“

    So sind Erdnussbutter-Importe aus den USA in die EU immer komplizierter und unberechenbarer geworden. Krauß rechnet vor: Auf Erdnussbutter aus den USA kommen Strafzölle von 25 Prozent, normaler Einfuhrzoll von 12,8 Prozent und Einfuhrumsatzsteuer von sieben Prozent. Nun drohen in jedem zehnten Fall auch noch Laborgebühren und mögliche Umlade- und Lagerkosten.

    „Erdnussbutter aus den USA wird dadurch so teuer, dass sich das Geschäft kaum noch lohnt“, klagt Krauß. In den Staaten kostet ein Glas Erdnussbutter rund 1,50 Dollar. „Welcher Kunde hier will schon sechs Euro für ein Glas zahlen?“, fragt er sich.

    Viele deutsche Supermarktketten sind bereits auf andere Lieferländer umgeschwenkt. Lidl hat derzeit Peanut Butter „American Way“ für 1,69 Euro das Glas in einer Sonderaktion. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt den Hinweis zum Ursprungsland: „hergestellt in Argentinien“. Edeka bezieht seine Erdnussbutter künftig aus Indien, Rewe hat seinen amerikanischen Lieferanten gegen einen aus Kanada ausgetauscht.

    Das rechnet sich dreifach: Denn für kanadische Erdnussbutter gelten weder teure Aflatoxin-Tests noch EU-Strafzölle von 25 Prozent und auch keine Einfuhrzölle von 12,8 Prozent. Wegen der Ceta-Zollpräferenz zwischen Kanada und der EU ist die Einfuhr sogar komplett zollfrei.

    Zwar wachsen im kühlen Kanada so gut wie keine Erdnüsse. So werden die meisten importiert. Paradoxerweise stammen diese zu 85 Prozent aus den USA, meldete das Peanut Bureau of Canada einmal. Kraft Heinz Canada etwa produziert Erdnussbutter in Ontario. Smucker’s, US-Hersteller von Jip Peanut Butter, hat ebenfalls ein Werk in der Region. „Made in Canada“ darf draufstehen, sobald 51 Prozent der Wertschöpfung vor Ort passieren.

    Auch Importeur Krauß aus Coburg liebäugelt bereits mit Erdnussbutter aus Kanada statt aus den USA: „Schließlich können wir uns ein Verlustgeschäft auf Dauer nicht leisten – das sind ja keine Peanuts.“

    Mehr: Jägermeister, Riesling, Kekse: Seit 18. Oktober erheben die USA auf bestimmte deutsche Nahrungsmittel einen Strafzoll von 25 Prozent. Die Branche fürchtet spürbare Einbußen.

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