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Einhorn-Produkte Warum das Fabelwesen durch Supermärkte galoppiert

In der griechischen Mythologie galten Einhörner noch als gefährlich. Nun ist das Fabelwesen der Inbegriff von positiver Magie – gepaart mit Glitzer und Regenbogen. Das nutzen Unternehmen bis zur Schmerzgrenze aus.
16.06.2017 - 12:31 Uhr Kommentieren
„Das ist der Wahnsinn. Die Produkte laufen richtig gut“, sagt zum Beispiel Christian Gossens, Inhaber einer Edeka-Filiale in Hückelhoven. Quelle: dpa
Überall Einhörner

„Das ist der Wahnsinn. Die Produkte laufen richtig gut“, sagt zum Beispiel Christian Gossens, Inhaber einer Edeka-Filiale in Hückelhoven.

(Foto: dpa)

Hückelhoven/Raubach Einhorn-Bratwurst in pink, Pferdehufgel mit Einhorn-Glitzer, Einhorn-Klopapier mit Zuckerwatte-Duft und sogar Einhorn-Kondome: Die Huftiere mit dem Horn auf der Stirn landen derzeit in unzähligen Einkaufskörben. „Das ist der Wahnsinn. Die Produkte laufen richtig gut“, sagt zum Beispiel Christian Gossens, Inhaber einer Edeka-Filiale im nordrhein-westfälischen Hückelhoven.

Mehr als 30 Einhorn-Produkte hat Gossens im Regal. „Meine Kunden scherzen schon, das „E“ in meinem „Edeka“ stehe eigentlich für „Einhorn“.“ Gossens schüttelt ungläubig den Kopf über den Hype, der bei ihm kurz vor Karneval losging und noch immer nicht abebbt. „Aktionsprodukte gab es sonst vielleicht mal bei einer Fußball-EM oder -WM. Aber sowas wie jetzt habe ich noch nie erlebt.“

Einige der Einhorn-Produkte – etwa das Klopapier – kommen von der Firma Metsä Tissue im rheinland-pfälzischen Raubach. Die Firma betreibt eigene Markt- und Designforschung und ist vor einigen Monaten auf den Hype aufgesprungen. „In den meisten Fällen handelt es sich um Aktionsware: Mit Verpackungskonzept, Prägung, Bedruckung oder extra Duftstoffen“, sagt Geschäftsführer Christoph Zeiler.

Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar erklärt, dass der Trend so gut funktioniert, weil die Kunden positive Assoziationen mit Einhörnern verbinden: Kinderträume, nicht erwachsen werden, Hoffnung, guter Ausgang. „Die Idee ist aus der Interaktion mit Kunden entstanden. So etwas lässt sich online leicht und schnell realisieren, so dass man auf aufwendige Befragungen verzichten kann.“

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    Tatsächlich war es ein Marketing-Coup des Schokoladenherstellers Ritter Sport, der das Einhorn in die Supermärkte galoppieren ließ. Kunden hatten die Sorte in sozialen Medien angeregt, das Unternehmen brachte eine Limited Edition heraus – Fassnacht: „der älteste Marketingtrick der Welt“ –, dann legten begeisterte Fans die Homepage des Unternehmens lahm. „Unsere Server sind zusammengebrochen, in den ersten Sekunden nach dem Freischalten hatten wir mehr als 150.000 Bestellversuche“, sagt Sprecher Thomas Seeger.

    Seeger weiß um die positiven Effekte auf die Marke Ritter Sport aufgrund des kostenlosen Marketings durch die Kunden, die Selfies mit den Tafeln posteten und Videos teilten. „Solche Aktionen laden die Marke neu auf, halten sie modern.“ Der klassische Esser von Ritter Sport, das im baden-württembergischen Waldenbuch sitzt, sei im Schnitt nicht so jung und männlich. Nun habe man auch die junge und weiblichere Zielgruppe ansprechen können.

    Die süßeste Versuchung
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    Zum Naschen: Einer Studie des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie zufolge wurden 2013 insgesamt 9,71 Kilogramm Schokolade pro Kopf verbraucht. Schokolade liegt in der Bundesrepublik damit vor allen anderen Süßigkeiten.

    (Foto: dpa - picture-alliance)
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    Vielseitig einsetzbar: Schokolade ist nicht nur ein Genussmittel, sondern findet in der Kosmetikindustrie als Bestandteil von Beauty-Produkten Verwendung. Aktuellen Studien zufolge wirkt der tägliche Verzehr von dunkler Schokolade zudem wie ein natürliches Anti-Stress-Mittel.

    (Foto: dpa - picture-alliance)
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    Kölner Traditionsschokolade: Stollwerk hat eine lange Geschichte in der Schokoladenproduktion. Bekannt ist das Werk für das Kölner Schokoladen-Museum, das der Kölner Ehrenbürger Dr. Hans Imhoff gründete. Ein Highlight im Museum ist der Schokoladenbrunnen.

    (Foto: dpa - picture-alliance)
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    Kooperation: Schon seit 2006 kooperiert das Traditionswerk mit dem Museum mit dem Schweizer Schokoladenhersteller Lindt in Produktion und Marketing. Zur Feier des Tages fuhr auf einem Rheinschiff ein acht Meter großer Goldhase - der Lindt-Klassiker schlechthin - am Kölner Schokoladenmuseum vorbei. Der international tätige Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli aus dem schweizerischen Kilchberg und wurde schon 1845 gegründet.

    (Foto: dpa - picture-alliance)
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    Streit um den Hasen: Der Osterhase ist Lindt im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert und so zog das Unternehmen wegen des Langohrs schon mehrmals vor Gericht. Nach einem zehn Jahre dauernden Rechtsstreit gewann Lindt 2012 vorm Obersten Gerichtshof in Wien gegen den österreichischen Hersteller Hauswirth. Der Goldhase mit roter Schleife darf demnach in der Form nur noch von Lindt & Sprüngli in Österreich verkauft werden. Vorm Europäischen Gerichtshof unterlag Lindt & Sprüngli aber im selben Jahr mit dem Versuch, den Hasen europaweit als Marke schützen zu lassen.

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    Süßes zum Feiertag: Ob Lindt-Hase oder anderes Langohr – die Schokoladenfiguren sind an Ostern wie an anderen Feiertagen nicht wegzudenken. Wie der Schokohase zu Ostern gehört der Schoko-Nikolaus in die Weihnachtszeit.

    (Foto: dpa - picture-alliance)
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    Confiserie-Kunst: Aus der süßen Masse lässt sich aber noch einiges mehr machen als nur Schokohasen. Beim „Salon du Chocolat“ in Paris, der weltweit größten Schokoladenmesse stellen Chocolatiers ihr Können unter Beweis. Hier eine Kreation für den World Chocolate Award. Im herbst diesen Jahres wird die Messe übrigens zum 20. Mal veranstaltet.

    (Foto: dpa - picture-alliance)

    Der Werbepsychologe Joost van Treeck von der Hamburger Hochschule Fresenius pflichtet bei. „Die Marken zeigen mit den Einhörnern auf der Verpackung, dass sie jung, frisch und auch witzig sein können.“ Sie versuchten zu vermitteln: Wir sind nicht die große Marke und Du der kleine Konsument, sondern wir können miteinander reden. „Die Tendenz ist generell, dass Firmen durch Interaktion mit Kunden eine weiche emotionale Seite einer sonst unnahbaren Firma zeigen wollen.“

    Auch beim Gewürzhersteller Ankerkraut funktioniert das Einhorn als Zugpferd. „Plötzlich haben Barbecue-Fachhändler angerufen, und hysterische Mädchen standen in unserem Shop und wollten das haben“, sagt Anne Lemcke von dem Unternehmen aus dem niedersächsischen Jesteburg. Dabei habe sie zu Rohrzucker nur ein bisschen Kirschpulver und Kokosblütenzucker hinzugegeben. „Es war als Gag gedacht. Das ist nicht die beste Gewürzmischung, die wir haben.“

    Die Einhorn-Herde wird größer
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