Einzelhändler Aldi liefert landesweit bis in die Haushalte – aber nur in den USA

Pünktlich zum Feiertag Thanksgiving weitet der Discounter seine Kooperation mit dem Lieferdienst Instacart aus. Doch die Bequemlichkeit hat einen hohen Preis.
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Der Discounter liefert Lebensmittel in den USA bis an die Haustür. In Deutschland gibt es ein solches Angebot nicht. Quelle: Reuters
Aldi in den USA

Der Discounter liefert Lebensmittel in den USA bis an die Haustür. In Deutschland gibt es ein solches Angebot nicht.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie Vorstellung wäre doch verlockend: Statt sich nach Feierabend oder am Samstag ins Gedränge im Aldi zu stürzen, geht der Kunde einfach auf eine Website, sucht sich seine Artikel aus und bekommt sie anschließend noch am gleichen Tag gebracht. Was in Deutschland noch nicht mal geplant ist, ist in den USA bereits Alltag.

Doch nicht Aldi selbst bietet diesen Service an, sondern sein Partner, das Start-up Instacart, das auch mit anderen Einzelhändlern zusammenarbeitet. Im Grunde ist das Prinzip einfach: Die Bestellung wird digital aufgegeben, der Rest läuft ganz analog. Gegen eine Liefergebühr schickt das junge Unternehmen Einkäufer in die lokale Aldi-Filiale und die bringen die Waren zum Kunden.

Bisher war das Ganze ein Pilotprojekt in einzelnen Städten. Doch nun gehen Aldi und Instacart in die Vollen: Das Angebot soll auf 75 große Metropolregionen in 35 US-Bundesstaaten ausgeweitet werden. Wichtige Großstädte wie San Diego, New York City oder Miami kommen dazu. Starten soll das Projekt pünktlich zum Nationalfeiertag Thanksgiving am 7. Oktober.

„Das Feedback auf unser Aldi-Programm in Atlanta, Dallas, Los Angeles und Chicago war überwältigend positiv“, sagt Apoorva Mehta, der Gründer von Instacart. In der Zusammenarbeit mit dem in den USA stark wachsenden Discounter sieht er eine perfekte Möglichkeit, selber seine Kundenbasis rasch auszubauen.

Denn Aldi Süd kleckert nicht bei seiner US-Expansion, der Discounter klotzt. Rund 5,3 Milliarden US-Dollar investiert das Unternehmen in die Modernisierung der rund 1800 schon vorhandenen Märkte und die Eröffnung von neuen Läden. Bis Ende 2022 soll die Zahl auf 2500 Geschäfte steigen. Damit ist die Kette einer der am schnellsten wachsenden Händler in den USA.

Und auch dem Onlinehandel mit Lebensmitteln in den USA bescheinigen Experten ein riesiges Wachstumspotenzial. Nach einer Studie des internationalen Handelsforschungsinstituts IGD soll der Onlinehandel mit Lebensmitteln in den USA bis zum Jahr 2022 um 129 Prozent zulegen. „Lieferplattformen wie Instacart und Shipt spielen eine führende Rolle in diesem Kanal“, sagt IGD-Analyst Stewart Samuel. Sie böten den Händlern die Möglichkeit, in diesem Segment rasch zu expandieren.

Jack O’leary, Handelsexperte des Marktforschungsunternehmens Planet Retail RNG, hält deshalb die Ausweitung der Kooperation zwischen Aldi und Instacart für einen logischen Schritt. „Der Wettkampf der Lebensmittelketten in den USA verschärft sich“, beobachtet er. „Mit der Übernahme von Whole Foods im vergangenen Jahr treibt Amazon traditionelle Händler wie Aldi in die Arme von Instacart“, beobachtet er.

Amerikaner sind bereit für Lieferungen zu zahlen – deutsche Kunden nicht

Die Händler könnten so die Erfahrung der Lieferdienste bei der Zustellung zum Endkunden nutzen und müssten dies nicht teuer selber entwickeln. Es gibt jedoch auch eine Kehrseite: „Aldi gibt einen Teil der Kontrolle ab über die Daten und den direkten Kundenkontakt“, warnt O’leary.

Mit dem Ausbau seines Lieferservices ist Aldi seinem Konkurrenten Lidl erneut einen deutlichen Schritt voraus. So kooperiert Lidl mit dem Instacart-Wettbewerber Shipt. Doch die Entwicklung ist eher im Experimentalstadium. Das liegt auch daran, dass Lidl selber noch sehr viel weniger Filialen in Amerika hat und erst in wenigen Bundesstaaten präsent ist.

Es begann im Oktober 2017 mit einem Pilotprojekt im US-Bundesstaat South Carolina und wurde seitdem ständig ausgeweitet. Zunächst kam North Carolina dazu, in diesem Jahr dann vier weitere Städte in Virginia. Damit erreicht Lidl über diesen Service potenziell mittlerweile 1,2 Millionen Haushalte. Seit Juni wird auch in Georgia ausgeliefert.

Doch auch diese Kooperation wird von den Beteiligten als Erfolgsmodell gesehen. Bill Smith, Gründer und Vorstandschef von Shipt, sagt, die Lidl-Supermärkte gehörten zu den Lieblingsgeschäften seiner Kunden.

Dass diese Services in den USA funktionieren, aber es keinem der Discounter in den Sinn kommt, dies auch in Deutschland anzubieten, hat einen einfachen Grund: Im Gegensatz zu den meisten deutschen Kunden sind die Amerikaner bereit, für die Lieferung zu zahlen. Und das nicht zu knapp. So liegt die Gebühr bei Instacart ab einer Bestellsumme von 35 Dollar bei 5,99 Dollar, bei kleineren Bestellungen sogar bei 9,99 Dollar. Alternativ können die Kunden eine Jahresgebühr von 149 Dollar zahlen und bekommen alle Lieferungen umsonst. Shipt ruft nicht ganz so hohe Preise auf. Dort kostet die Jahresmitgliedschaft 99 Dollar.

Thanksgiving wird sich zeigen, wie viele neue Kunden bereit sind, für die Bequemlichkeit so tief in die Tasche zu greifen. So ganz sicher scheint sich das auch Aldi nicht zu sein: Wer den Code „ALDILOVE“ angibt, bekommt bei den ersten drei Lieferungen einen Rabatt von jeweils zehn Dollar.

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