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Einzelhandel Der Online-Handel kannibalisiert die Einkaufsstraßen

Verbraucher geben ihr Geld immer öfter online aus. Darunter leiden viele stationäre Händler. In drei Branchen ist die Lage besonders ernst.
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Vor allem die stationären Mode- und Elektronikhändler müssen Umsatzrückgänge verkraften. Quelle: Reuters
Einkaufsstraße

Vor allem die stationären Mode- und Elektronikhändler müssen Umsatzrückgänge verkraften.

(Foto: Reuters)

BerlinDer Online-Handel boomt, die Einkaufsstraßen darben: Denn immer mehr Verbraucher sparen sich den Weg in die Innenstädte und geben ihr Geld lieber im Internet aus. Besonders der Modehandel, die Elektronikanbieter und die Einrichtungshäuser in den Einkaufsstraßen und Shopping-Centern leiden unter der Abwanderung der Kunden, wie aus dem am Montag veröffentlichten „Online-Monitor 2019“ des Handelsverbandes Deutschland hervorgeht.

„In den Branchen Fashion, Consumer Electronics und Wohnen kannibalisiert der Online-Handel zunehmend den stationären Handel offline“, heißt es in der Studie. Beispiel Mode: Im vergangenen Jahr gaben die Bundesbürger laut HDE im Internet rund 13,2 Milliarden Euro für Kleider, Jeans, Schuhe und Accessoires aus. Das war eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr. Und der Zuwachs ging eindeutig zu Lasten der stationären Händler. Denn bei ihnen fehlten am Ende im Jahresvergleich rund 1,1 Milliarden Euro in der Kasse - ein Umsatzrückgang von 3,1 Prozent.

Noch schlimmer war die Situation im stationären Elektrohandel - wo die Umsätze sogar um 4,3 Prozent zurückgingen. Nach Umsatz gerechnet werden inzwischen laut HDE fast ein Drittel der Einkäufe von Elektrogeräten (31 Prozent) und mehr als ein Viertel aller Modeeinkäufe (27,7 Prozent) online erledigt - mit steigender Tendenz.

Und der Online-Handel ist dabei, weitere Branchen zu erobern. So mussten die stationären Wohn- und Einrichtungshäuser 2018 Umsatzeinbußen von rund 1,4 Milliarden Euro hinnehmen - ein Rückgang um 4,3 Prozent. Gewinner war auch hier die Online-Konkurrenz, die sich über ein Umsatzplus von 10 Prozent freuen konnte.

Dabei wuchs der Online-Handel laut HDE 2018 mit 9,1 Prozent sogar etwas schwächer als erwartet. Doch für die Händler in den Innenstädten war das kaum ein Trost. Denn trotzdem hatten die Onlineanbieter am Ende mehr als 4,4 Milliarden Euro mehr in der Kasse als im Vorjahr. Insgesamt kauften die Deutschen für über 53 Milliarden Euro im Internet ein - und dabei ist die Umsatzsteuer noch gar nicht berücksichtigt.

Und ein Ende des Online-Booms ist der Studie zufolge nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der E-Commerce erobert neue Branchen wie das Heimwerken, die durchschnittlichen Ausgaben der Online-Shopper steigen, und auch immer mehr Ältere steigen ein: Die Zahl der Online-Shopper in der Generation 60+ erhöhte sich im vergangenen Jahr laut HDE um elf Prozent.

Immerhin mehr als ein Drittel dieser Altersgruppe kaufe inzwischen im Internet ein. Zwar haben mittlerweile auch viele stationäre Händler eigene Online-Shops eröffnet oder verkaufen ihre Waren auf Marktplätzen wie Amazon und Ebay. Doch spielen sie im Internet nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle.

Der Siegeszug des Onlinehandels spiegelt sich auch in der generellen Einstellung der Verbraucher zum E-Commerce. Sagte 2012 noch gut jeder zweite Verbraucher, er kaufe „nicht gern im Internet ein“, so hat sich das Bild inzwischen völlig gewandelt. Nicht einmal mehr jeder Vierte (23 Prozent) bevorzugt aktuell auf jeden Fall klassische Geschäfte. Dagegen hat sich die Zahl der begeisterten Online-Shopper fast verdreifacht. Immerhin 28 Prozent der Befragten bekennen aktuell: „Ich kaufe am liebsten im Internet ein.“

Mehr: Tax-Free-Einkäufe von Besuchern aus dem Ausland entwickeln sich zum Rettungsanker für viele stationäre Geschäfte. Lesen Sie hier, wie Städte davon profitieren.

  • dpa
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