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Einzelhandel Galeria Karstadt Kaufhof bangt um zweiten Staatskredit

Der Konzern wartet auf beantragte Hilfen, auch um Investitionen in E-Commerce und Filialen nicht zu gefährden. Viele in der Politik sehen eher Investor René Benko in der Pflicht.
11.06.2021 - 13:18 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen will die Warenhäuser zu einem modernen Marktplatz machen, sowohl stationär mit Partnern auf den Flächen als auch online. Quelle: dpa
Kaufhof-Filiale in der Frankfurter Innenstadt

Das Unternehmen will die Warenhäuser zu einem modernen Marktplatz machen, sowohl stationär mit Partnern auf den Flächen als auch online.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Nach dem langen Lockdown sind mittlerweile alle Warenhäuser von Karstadt und Kaufhof wieder geöffnet. Doch das Geschäft läuft äußerst zäh an: In vielen Filialen warten die Mitarbeiter noch auf die Rückkehr der Kunden.

Auch in der Zentrale von Galeria Karstadt Kaufhof beherrscht ein gespanntes Abwarten die Atmosphäre. Das Management wartet täglich auf die Nachricht, ob der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes den beantragten Kredit genehmigt – oder eben nicht. Ursprünglich hatte das Unternehmen dabei einen Finanzbedarf von 200 Millionen Euro angemeldet. Mittlerweile sei der aber wesentlich gesunken, was auch darauf zurückzuführen sei, dass sich das Geschäft besser als befürchtet entwickelt habe, hieß es im Umfeld von Firmeneigner René Benko.

Prognosen sind schwierig, die Verhandlungen zäh. Ursprünglich hatte die Unternehmensleitung bereits Ende Mai mit einem Bescheid gerechnet. Das Unternehmen will sich dazu im Moment nicht äußern. Klar ist nur: Das Geld wird dringend benötigt. Nach Informationen des Handelsblatts verbrennt Galeria Karstadt Kaufhof nicht nur Tag für Tag viel Geld. Das Unternehmen muss auch investieren, hat neue Konzepte für die Filialen entwickelt und plant einen neuen Web-Auftritt.

Weil Galeria schon einmal 460 Millionen Euro aus dem WSF bekommen hat und damit einer der größten Nutznießer des Fonds ist, tut sich die Politik aber schwer. Diskutiert wird, dass das Unternehmen zehn Prozent der Kreditsumme als Sicherheit hinterlegen soll. Schon der erste Kredit war an strenge Bedingungen geknüpft, wie etwa ein teilweiser Mietverzicht des Eigentümers Signa. Das Vertrauen wird dadurch belastet, dass Galeria erst Ende vergangenen Jahres aus der Insolvenz gekommen ist.

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    Intern wird bei Galeria zwar Optimismus verbreitet. Selbst wenn der Kredit nicht genehmigt würde, bedeutete das nicht das Ende des Unternehmens, sagen mehrere Insider. Doch der Spielraum wird enger. Umsatzverluste von 20 bis 30 Millionen Euro pro Woche während des Lockdowns zehrten die Mittel aus dem ersten Kredit auf und gingen langsam an die Substanz.

    Signa-Chef René Benko äußert sich optimistisch

    Auch Inhaber René Benko versucht, Zuversicht zu verbreiten. „Wir sind in Summe durch die schwere Zeit gut durchgekommen“, sagte er vor wenigen Tagen in einem kurzen Interview mit RTL am Rande des Wirtschaftsforums „Neu denken“ auf Mallorca. „Wir sehen, wie jeder andere im Handel Licht am Ende des Tunnels.“

    Doch selbst wenn das Handelsunternehmen das Tunnelende erreicht, droht ihm die Kraft für mutige Schritte in die Zukunft auszugehen. „Es ist kein Geheimnis, dass wir schon vor der Pandemie Geld verbrannt haben, jetzt ist es noch deutlich mehr“, heißt es im Unternehmen.

    Zwar liege der Umsatz im Onlinehandel rund 40 Prozent über Plan. Und zurzeit sei das Unternehmen dabei, einen komplett neuen Webshop aufzubauen. Aber die Mehreinnahmen im E-Commerce reichten bei Weitem nicht, um den entgangenen Umsatz aus den Filialen auszugleichen.

    Das Dilemma: Das Unternehmen hat sich in den Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi und den Arbeitnehmervertretern verpflichtet, mindestens 700 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren zu investieren – in die Filialen und in den Onlineauftritt. Ursprünglich hatte Verdi sogar 1,2 Milliarden Euro gefordert. Diese Zusagen dürfte das Unternehmen ohne einen Staatskredit kaum einhalten können.

    Der Signa-Eigentümer verbreitet Zuversicht. Quelle: dpa
    René Benko

    Der Signa-Eigentümer verbreitet Zuversicht.

    (Foto: dpa)

    Dass es noch keine Genehmigung für einen weiteren Staatskredit gibt, hängt auch an der Eigentümerstruktur. Obwohl Inhaber René Benko schon einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in das Überleben des Unternehmens gesteckt hat, sind viele in der Politik der Ansicht, dass vor dem Staat sich noch der Investor stärker engagieren müsse.

    Gute Geschäfte mit Immobilien

    Besonders irritiert haben in dem Zusammenhang die guten Zahlen, die Benkos Signa-Holding gerade erst gemeldet hat. So hat Signa 2020 trotz der Coronakrise einen Nachsteuergewinn von mehr als 800 Millionen Euro gemacht. Das Immobilienvermögen stieg weiter an und liegt jetzt bei 20,6 Milliarden Euro. Da könne doch noch mal was für Galeria abgezweigt werden, so die Vorstellung.

    Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn das Imperium von Benko aus Immobilien- und Handelsbeteiligungen ist in zahlreiche Einzelgesellschaften verschachtelt – und das entpuppt sich jetzt möglicherweise als Falle. „In den verschiedenen Gesellschaften sind völlig unterschiedliche Investoren mit eigenen Interessen“, erklärt ein Investor. Die Eigentümerkreise seien ganz andere. Da könne Benko gar nicht ohne Weiteres Geld verschieben – selbst, wenn er wollte.

    Und seine Pläne für Galeria Karstadt Kaufhof sind durchaus ehrgeizig. „An meiner Vision der lebendigen Innenstädte hat sich nichts geändert“, betonte er. „Wir wollen aktiv bei der Transformation und der Digitalisierung der deutschen Innenstädte mitwirken.“ Und er wolle keine weiteren Häuser schließen, versicherte er.

    Klar ist mittlerweile, dass es nicht das eine Warenhausmodell gibt, das für alle Standorte passt. Die internen Galeria-Pläne clustern den Bestand von 130 Warenhäusern in drei Gruppen. Für jede dieser Gruppen soll ein Haus als Modell entwickelt werden: Der Kaufhof Kleve für die Kleinstädte, der Kaufhof in Kassel für die Mittelzentren und der Kaufhof an der Frankfurter Hauptwache für die Großstädte.

    Der Traum vom modernen Marktplatz

    Angesichts der knappen Mittel wird es in den Häusern aber keinen Komplettumbau geben, nur die wesentlichen Flächen sollen wohl umgestaltet werden. Besonders weit sind die Pläne in Kassel gediehen. Kern des neuen Konzepts ist es dort, auch Dienstleistungen für die Stadt und die Deutsche Post anzubieten, Gespräche dazu werden geführt. Geplant sein soll auch ein Verleih von Elektroautos und Ladestationen für E-Autos und E-Bikes.

    Benkos Traum ist es, die Warenhäuser zu einem modernen Marktplatz zu machen, sowohl stationär mit Partnern auf den Flächen als auch online. Doch gerade im Netz ist Galeria schon weit ins Hintertreffen geraten. Während andere Traditionshändler wie etwa Rewe, Douglas oder Otto schon recht weit dabei sind, Partner auf ihren Marktplatz zu integrieren, ist davon bei Galeria nicht viel zu sehen.

    Eine große Chance, dort aufzuholen, hat Galeria verpasst. Unternehmenskreisen zufolge hatten die Gremien diskutiert, die Onlineplattform von Real zu übernehmen, die im vergangenen Jahr zum Preis von 60 Millionen Euro zum Verkauf angeboten wurde. Doch sie entschieden sich dagegen – und Kaufland griff zu.

    Galeria war im vergangenen Jahr hauptsächlich damit beschäftigt, sich im Schutzschirmverfahren wieder weitgehend zukunftsfest aufzustellen. Nach harten Verhandlungen verzichteten die Gläubiger auf mehr als zwei Milliarden Euro, rund 40 Häuser wurden geschlossen, bei den restlichen Mietnachlässe vereinbart.

    Kurzarbeitergeld für Mitarbeiter aufgestockt

    Mitte September 2020 konnte Galeria-Chef Miguel Müllenbach in einem Brief an die Mitarbeiter stolz verkünden, dass der Insolvenzplan angenommen wurde und sich das Unternehmen ab Oktober wieder schuldenfrei und mit einem erweiterten Managementteam an den Neustart machen könne. Es gab eine konkrete Planung für die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Doch dann kam der Lockdown.

    Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten kann sich Benko aber gar nicht erlauben, das Unternehmen erneut in die Insolvenz rutschen zu lassen. „Das Risiko ist zu groß, dass seine Reputation in Deutschland Schaden nimmt“, gibt ein Insider zu bedenken. Schließlich wolle er keine verbrannte Erde hinterlassen, weil er weiter auch auf große Immobilienprojekte in den Städten setzt, wie beispielsweise den Elbtower in Hamburg.

    Ein gutes Image dürfte Benko auf jeden Fall bei den Mitarbeitern in den Karstadt- und Kaufhof-Häusern haben. Denn trotz der angespannten Situation stockte Galeria im Lockdown das Kurzarbeitergeld von 67 auf 87 Prozent auf – alles andere als eine Selbstverständlichkeit im Handel.

    Mehr: Wer am stärksten von Geldern aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds profitiert hat

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