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Einzelhandel Kultmarke Kapten & Son holt erstmals einen Investor an Bord – und plant neue Produkte

Der Hersteller von Uhren und Rucksäcken kann vor allem bei jungen Verbrauchern punkten. Nun holen sich die Gründer für die Expansion externe Hilfe.
10.03.2021 - 08:00 Uhr Kommentieren
Die Gründer von Kapten & Son erzielen mit 150 Mitarbeitern bereits mehr als 50 Millionen Euro Umsatz. Quelle: Kapten & Son
Fabian Deventer, Johannes Theobald und Artjem Weissbeck (v.l.)

Die Gründer von Kapten & Son erzielen mit 150 Mitarbeitern bereits mehr als 50 Millionen Euro Umsatz.

(Foto: Kapten & Son)

Düsseldorf Der Erfolg war eigentlich gar nicht eingeplant. „Wir wollten nie eine große Firma daraus machen“, erinnert sich Johannes Theobald. „Wir wollten nur eine Uhr designen, die uns gefällt, und die dann an Freunde und Bekannte verkaufen.“ Auch einen ernsthaften Businessplan hatten die Gründer von Kapten & Son nicht.

Doch die ersten hundert Uhren ihrer Marke waren bereits nach sieben Tagen vergriffen. So machten die drei Studienfreunde Johannes Theobald, Artjem Weissbeck und Fabian Deventer weiter – und erzielten im ersten Jahr bereits einen Umsatz von neun Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr hat Kapten & Son mit 150 Mitarbeitern die Umsatzmarke von 50 Millionen Euro übertroffen – gerade mal sechs Jahre nach der Gründung. Das ist ein Wachstum zum Vorjahr von mehr als 60 Prozent. Jetzt holt das Start-up erstmals einen Investor an Bord. Damit wollen sie in weitere europäische Länder expandieren – und neue Produkte der Marke entwickeln.

Zum Start hatte jeder Gründer rund 3000 Euro eingebracht, der weitere Ausbau wurde dann aus dem Cashflow finanziert. Kapten & Son ist seit dem ersten Jahr profitabel. „Doch jetzt haben wir eine Größe erreicht, wo wir für die weitere Expansion Profis an der Seite brauchen“, begründet Theobald die Entscheidung für den Investor.

Der französische Wachstumsfinanzierer Ardian Growth wird Minderheitseigner des Unternehmens. Eine Finanzierungssumme wollen die Beteiligten nicht nennen. Typischerweise investiert Ardian Growth allerdings pro Beteiligung zwischen zehn und 35 Millionen Euro. „Wir sehen in Kapten & Son und insbesondere in seinem Managementteam alle Qualitäten, die wir in schnell wachsenden Digitalunternehmen suchen“, sagt Ardian-Growth-Director Romain Chiudini.

Geschicktes Marketing über Instagram und Facebook

Für den Finanzierer ist es das erste Investment in ein deutsches Unternehmen. Das Mutterunternehmen Ardian ist aber bereits mit einem eigenen Büro in Deutschland vertreten und hat hier mehrere Investments getätigt, darunter in den Spielzeughersteller Schleich und den Onlinehändler Berlin Brands Group. Kapten & Son will mit dem frischen Kapital unter anderem die weitere Expansion in Frankreich finanzieren und erhofft sich von dem neuen Investor auch ein gutes Netzwerk dort.

„Ardian Growth kennt den europäischen E-Commerce-Markt bis ins kleinste Detail in einer sehr datengetriebenen Weise“, sagt Kapten-&-Son-Mitgründer Weissbeck. „Zusammen werden wir die Europäisierung von Kapten & Son vorantreiben“, kündigt er an.

„In so kurzer Zeit eine neue Marke zu dieser Bekanntheit aufzubauen ist wirklich eine große Leistung“, lobt Martin Fassnacht, Experte für Marketing und Handel von der Privathochschule WHU in Düsseldorf. Gerade im Segment Uhren und Accessoires gebe es nicht gerade wenige Marken. „Mit seinem minimalistischen skandinavischen Design passt Kapten & Son sehr gut in die Zeit“, sagt Fassnacht.

Kern des Erfolgs aber ist ein geschicktes Marketing über Social-Media-Kanäle wie Instagram oder Facebook. „Damit konnten wir mit vergleichsweise geringem Budget schnell eine große Bekanntheit aufbauen“, erklärt Mitgründer Theobald. Diese Erkenntnis war vor sieben Jahren auch im Onlinehandel noch nicht allgemein verbreitet.

„Die Gründer haben sehr früh erkannt, wie wichtig Social Media in ihrer Zielgruppe für den Aufbau der Markenbekanntheit ist“, betont auch Marketingfachmann Fassnacht.

Perspektivisch sollen Flagship-Stores eröffnet werden

Wichtig für das schnelle Umsatzwachstum war auch der gezielte Einsatz von Influencern, die gerade bei Kunden zwischen 15 und 30 Jahren sehr beachtet werden. „Micro-Influencer mit bis zu 50.000 Followern haben in der Zielgruppe großen Einfluss auf die Kaufentscheidung“, betont Fassnacht. Das habe das Unternehmen gut genutzt.

Daneben hat Kapten & Son aber auch sieben Flagship-Stores, die vom Lockdown im vergangenen Jahr stark getroffen wurden. Trotzdem will das Unternehmen perspektivisch weitere Läden in neuen Märkten eröffnen.

Das hält auch Experte Fassnacht trotz des Booms im Onlinehandel für den richtigen Weg. „Auch die Generation der 15- bis 30-Jährigen will die Produkte noch in Geschäften sehen und in die Hand nehmen“, sagt er. „Deshalb sind die Flagship-Stores wichtig für die Identifikation mit der Marke.“

Mittlerweile verkauft das Unternehmen nicht mehr nur Uhren, sondern hat eine Palette von rund 500 verschiedenen Produkten, darunter Rucksäcke, Koffer und Sonnenbrillen. Das ist auch notwendig, denn bei einem Produkt wie einer Uhr, das relativ lange hält, müsste das Unternehmen sonst ständig aufwendig Neukunden gewinnen.

„Wir wollen mit neuen Ideen Innovationstreiber in unserem Markt bleiben“, sagt Theobald. Dabei soll der Nachhaltigkeitsaspekt, der bei den jungen Kunden immer wichtiger wird, stärker im Vordergrund stehen. So plant Kapten & Son einen Rucksack, der ohne Verschnitt aus recyceltem PE-Kunststoff gewebt wird. „Das gibt es bisher erst bei Turnschuhen, bei Rucksäcken wären wir damit die Ersten“, so Theobald stolz.

Mehr: In der Coronakrise braucht der Handel Vertrauen statt Verbote.

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