Einzelhandel Nestlé-Produkte sind bei Edeka bald ausverkauft

Im Streit um Konditionen treffen zwei Marktführer aufeinander: der Lebensmittelriese Nestlé und der Einkaufsverbund um Edeka.
Update: 16.02.2018 - 14:54 Uhr 1 Kommentar

Ob Maggi oder Nescafé – Edeka boykottiert Nestlé-Produkte

HamburgIm europäischen Einzelhandel eskaliert erneut ein Streit um Konditionen. Diesmal trifft es den weltgrößten Konsumgüterkonzern Nestlé: Der europäische Einkaufsverbund Agecore bestellt 160 Produkte des Herstellers mit Marken wie Maggi, Thomy und Nescafé seit einigen Tagen nicht mehr nach – und will so bessere Konditionen erzwingen.

Wie die „Lebensmittel Zeitung“ meldet, bemängelt das Bündnis von Händlern wie Edeka, Intermarché und Coop Schweiz, dass Nestlé die Konkurrenz preisgünstiger beliefere. Die Händler demonstrieren Entschlossenheit: Edeka hat laut dem Bericht seinen Einzelhändlern bereits eine Liste mit den Produkten übermittelt.

Für alle Kategorien wie Wagner Pizza und Vittel-Wasser gebe es Alternativen im Sortiment. Zudem sollen etwa Thomy-Salatsoßen mit Rabatt verramscht werden – ein Angriff auf den Markenwert.

Das ist das Marken-Imperium von Nestlé
Die Gründung
1 von 16

1866 gründete Henri Nestlé, ein Schweizer Apotheker deutscher Herkunft, die Farine Lactée Henri Nestlé lk.A.. Als Logo wählte er sein eigenes Familienwappen, den Vogel bei der Brutpflege – Nestlé bedeutet im Schwäbischen „kleines Nest“. Unternehmensname und -logo blieben in der gesamten Firmengeschichte, über alle Fusionen und Zukäufe hinweg, unverändert.

Säuglingsnahrung
2 von 16

1867 erfand Nestlé ein Verfahren, um ein lösliches Milchpulver herzustellen, welches als Muttermilchersatz verwendet werden konnte. Der Vertrieb als „Nestle's Kindermehl“ lief an. Dem Geschäft mit Säuglingsnahrung bleibt der Konzern bis heute treu: 2007 übernahm Nestlé für 5,5 Milliarden US-Dollar den US-amerikanischen Kindernahrungshersteller Gerber vom Pharmakonzern Novartis. Damit stieg Nestlé im Bereich Säuglingsnahrung vom Marktführer in den USA auch zur weltweiten Nummer eins auf.

Milchprodukte
3 von 16

Auch das Geschäft mit Milchprodukten begleitet Nestlé bis heute. Die erste Übernahme war 1898 ein Milchpulverwerk in Norwegen, 1905 fusionierte Nestlé mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Company. Zum Jahresende 2006 begann Nestlé ein Joint Venture mit dem französischen Milchkonzern Lactatis, Hersteller von Marken wie Le Président. Nestlé behauptete sich durch diesen Schachzug als Nummer eins der weltweiten Milchindustrie.

Kaffee und andere Getränke
4 von 16

Ein weiterer Durchbruch gelang Nestlé 1938: Das Unternehmen erfand ein Verfahren zur industriellen Herstellung löslichen Kaffees und begann diesen unter der Marke Nescafé zu vertreiben. Der Vertrieb der seit 2010 boomenden Kaffeekapseln und Kapselmaschinen fällt dem innerhalb des Nestlé-Konzerns eigenständig agierenden Unternehmen Nespresso zu. Das Geschäft mit „Getränken in flüssiger und Pulverform“ macht heute den größten Anteil am Unternehmensumsatz Nestlés aus. Das Gemeinschaftsunternehmen Beverage Partners Worldwide (BPW) mit Coca-Cola ist für den Vertrieb von Tee-Getränken mit Fokus auf Europa und Kanada zuständig.

Kritik an Nespresso
5 von 16

Die NGO Solidar Suisse kritisierte Nespresso 2011 dafür, als größter Kaffeehändler der Welt keinen fair gehandelten Kaffee anzubieten und parodierte die populären Werbevideos mit George Clooney. Nespresso wies die Vorwürfe zurück.

Cerealien
6 von 16

Mit dem US-Lebensmittelhersteller General Mills gründete Nestlé in den 1990er-Jahren das 50/50-Joint-Venture Cereal Partners Worldwide (CPW). Das Gemeinschaftsunternehmen bedient den Markt für Frühstücksgetreideprodukte außerhalb der USA.

Fertigprodukte
7 von 16

1947 fusionierte Nestlé mit der Maggi AG. Neben Brühwürfeln und Flüssigwürze werden unter dem Namen Maggi bis heute vor allem Instantsuppen- und Gerichte vertrieben. Andere bekannte Nestlé-Marken der Fertigsparte sind beispielsweise der Nudelproduzent Buitoni und die Öl- und Soßenmarke Thomy.

Nestlé macht rund zwei Milliarden Euro Umsatz mit dem Bündnis. Dennoch bleibt der Konzern offenbar unbeugsam. Edeka und Nestlé kommentierten den Bericht zunächst nicht. Das Bündnis Agecore besteht seit 2015.

Ähnliche Streitfälle brechen immer wieder auf. Im vergangenen Jahr duellierte sich Edeka mit Mars und listete einige Wochen etwa Tierfutter des US-Konzerns aus. 2015 verschwand zeitweise Pizza von Dr. Oetker und Joghurt von Müller aus den Kühlregalen von Real.

Lidl nahm 2014 für zwei Monaten Coca-Cola aus dem Sortiment. Schwächere Spieler knicken schonmal schneller ein: Die angeschlagene Brauerei Warsteiner zog eine angekündigte Preiserhöhung noch vor der Umsetzung wieder zurück. Auch andere Bierbrauer litten schon darunter, dass die Marken für den Handel recht austauschbar sind.

Der Handel kann starken Druck ausüben, weil vier großen Spielern – Edeka, Rewe, Aldi und Lidl – vielen Herstellern gegenüberstehen, die um Platz in den Supermarktregalen rangeln.

Nur wenige Marken sind so wichtig, dass die Supermärkte keinesfalls auf sie verzichten können. Bei Auslistung drohen den Herstellern dagegen harte Umsatzverluste. Das Bundeskartellamt hat auch wegen dieser Mechanismen ein strenges Auge auf den Einzelhandel.

Startseite

Mehr zu: Einzelhandel - Nestlé-Produkte sind bei Edeka bald ausverkauft

1 Kommentar zu "Einzelhandel: Nestlé-Produkte sind bei Edeka bald ausverkauft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Netlé ist generell zu teuer. Keine andere Marke hat eine größere Gewinnspanne und verspricht den Einzelhändlern mehr Gewinn über den empfohlenen Richtpreis. Falls Nestlé anderen Einzelhändlern nun tatsächlich günstigere Konditionen gemacht hat, dann ist das ein großer Fehler. Denn auch wenn die Gewinne mit Waren von Nestlé hoch sind, Ungerechtigkeit lässt sich kein deutscher Händler gefallen, Da verzichtet man dann eher auf den Gewinn.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%