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Einzelhandel Rewe steht bei Lekkerland-Übernahme vor hohen Kartellrechtshürden

Der Kauf würde die Marktkette im Tankstellen-Geschäft voranbringen. Die Freigabe des Deals durch die Wettbewerbshüter ist dabei kein Selbstläufer.
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Die großen Einzelhändler haben insbesondere Tankstellen als lukratives neues Geschäftsfeld entdeckt Quelle: Rupert Warren
Filiale von „Rewe to go“ an einer Aral-Tankstelle

Die großen Einzelhändler haben insbesondere Tankstellen als lukratives neues Geschäftsfeld entdeckt

(Foto: Rupert Warren)

DüsseldorfDie geplante Übernahme von Lekkerland durch Rewe dürfte noch vor großen wettbewerbsrechtlichen Hürden stehen. „Die Übernahme von Lekkerland betrifft zwar nicht den Einzelhandel, sondern den Großhandel, aber sie würde die Nachfragemacht von Rewe gegenüber den Herstellern stärken“, sagt Jens Steger, Kartellrechtler der internationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons.

„Da die Konsumgüterhersteller ohnehin schon mit der starken Position der Händler zu kämpfen haben, dürfte das Kartellamt bei dieser Übernahme große Bauchschmerzen haben“, gibt er zu bedenken.

Der Handelskonzern Rewe hatte vergangene Woche angekündigt, dass er die Lekkerland Gruppe komplett übernehmen will. Bisher gehört Lekkerland zu 25 Prozent Japan Tobacco, den Rest halten fünf Eigentümerfamilien. Rewe hatte jedoch betont, dass die Übernahme noch unter dem „Vorbehalt der Freigaben durch die Wettbewerbsbehörden“ stehe.

Und dies dürfte kein Selbstläufer werden, wie Kartellexperte Steger betont. „Das Bundeskartellamt sieht Fusionen im Lebensmittelhandel sehr kritisch, das hat schon der Verkauf von Kaiser’s Tengelmann gezeigt“, erinnert er. In der Tat hatte das Bundeskartellamt vor vier Jahren untersagt, dass Marktführer Edeka den kleineren Konkurrenten Kaiser’s Tengelmann übernimmt und in seiner Begründung keinen Zweifel daran gelassen, dass die gleichen Bedenken auch für eine Übernahme durch Rewe gegolten hätten.

Ein wichtiger Einwand der Kartellhüter war damals, dass die Konsolidierung „die ohnehin schon große Verhandlungsmacht“ der vier großen Handelsgruppen Edeka, Rewe, Aldi und Schwarz (Lidl, Kaufland) gegenüber den Herstellern von Konsumgütern weiter verstärken würde. „Den Herstellern von Markenartikeln würde nach einer Fusion ein bedeutsamer unabhängiger Abnehmer nicht mehr zur Verfügung stehen“, teilte die Behörde damals mit.

Das gilt in ähnlicher Form auch für Lekkerland. Die Gruppe mit einem Jahresumsatz von 12,4 Milliarden Euro würde das Einkaufsvolumen und damit die Nachfragemacht von Rewe weiter deutlich erhöhen. Lekkerland beliefert hauptsächlich Tankstellenshops, Kioske, kleinere Lebensmitteleinzelhändler oder Bäckereien.

Die großen Einzelhändler haben insbesondere Tankstellen als lukratives neues Geschäftsfeld entdeckt – und damit Lekkerland in der Vergangenheit schon das Leben schwergemacht. So betreibt Rewe bereits knapp 500 „Rewe to go“-Shops an Aral-Tankstellen. Aral hatte zuvor den Großteil der Waren für seine Shops von Lekkerland bezogen.

Rewe setzt auf das Lekkerland-Know-how

Auch Edeka hatte Lekkerland vor Kurzem erst einen wichtigen Kunden abspenstig gemacht. So beliefert Edeka seit Februar die 600 deutschen Star-Tankstellen des polnischen Betreibers Orlen. Außerdem bezieht ein Großteil der 800 Jet-Tankstellen seine Lebensmittel von Edeka.

„Das ist ein attraktiver wachsender Markt“, bestätigt Michael Gerling, Geschäftsführer des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI. Der aber auch seine Tücken hat. Denn die kleinteilige Logistik für Tankstellen und Kioske ist mit der Belieferung von Supermärkten nicht vergleichbar. Auch die Gestaltung der Sortimente unterliegt anderen Gesetzmäßigkeiten.

Das musste auch Rewe bei seiner Kooperation mit Aral feststellen. Nachdem sich Probleme in der Umsetzung zeigten, wurde die weitere Expansion der „Rewe to go“-Shops vorübergehend ausgesetzt. Zurzeit wird das Konzept überarbeitet.

Da käme das Know-how von Lekkerland genau richtig. Rewe-Chef Lionel Souque lobte bereits die „spezialisierte Logistik“ und die „umfassende Großhandels- und Convenience-Expertise von Lekkerland“.

Ein Vorteil für Rewe könnte sein, dass angesichts des hohen Umsatzvolumens und der Präsenz in mehreren europäischen Ländern formal die EU-Kommission für die Prüfung zuständig ist, die erfahrungsgemäß die Konzentration im Handel etwas weniger kritisch sieht. Doch verlassen kann sich der Händler darauf nicht.

Kartellrechtsexperten wie Jens Steger würde es nicht wundern, wenn das Bundeskartellamt einen Antrag auf Übertragung des Verfahrens stellt, weil der Schwerpunkt der Tätigkeit in Deutschland liegt.

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