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Einzelhandel Singles’ Day in China – Startschuss für eine Milliarde Pakete

Der Singles’ Day löst jedes Jahr einen Kaufrausch in China aus. 2018 bricht der Onlinehändler Alibaba einen milliardenhohen Rekord.
Update: 12.11.2018 - 08:18 Uhr Kommentieren
Alibaba-Geschäftsführer Daniel Zhang erklärte den 11. November zum Tag für Singles, die ihr schweres Los mit Rabatten und Sonderaktionen mildern können. Quelle: AP
„Anti-Valentinstag“

Alibaba-Geschäftsführer Daniel Zhang erklärte den 11. November zum Tag für Singles, die ihr schweres Los mit Rabatten und Sonderaktionen mildern können.

(Foto: AP)

Shanghai Die Mitarbeiter tragen rote T-Shirts und stehen in Reih und Glied. Einige haben sich ein Stirnband um den Kopf gebunden. Sie sind einsatzbereit und versprechen einen reibungslosen Singles’ Day.

Jedes Jahr verlangt der Singles’ Day in China eine logistische Meisterleitung. Ähnlich wie am sogenannten Black Friday in den USA locken Händler mit Schnäppchen Millionen von Konsumenten. Doch während die Verbraucher in den USA die Shopping-Malls in den frühen Morgenstunden stürmen, tippen die Chinesen furios in ihre Smartphones und geben Bestellungen auf den E-Commerce-Plattformen Taobao und JD.com auf.

Trotz Millionen von Zahlungsabwicklungen stürzt der Server der Tochtergesellschaft Ant Financial in nur wenigen Fällen ab. Dieses Jahr warten Chinas E-Commerce-Giganten zudem mit einer Neuheit auf: Sie setzen bei der Auslieferung auf Künstliche Intelligenz. Auf diese Weise können die Boten effizienter arbeiten, während Roboter die Paketempfänger anrufen, um festzustellen, ob die Person zu Hause ist.

Allein in den ersten 85 Sekunden überstieg der Wert der auf Taobao verkauften Ware eine Milliarde Dollar. In weniger als zehn Minuten stieg die Summe auf 4,7 Milliarden Dollar und lag damit über Amazons Rekord von 4,2 Milliarden Dollar für seinen 36-stündigen Prime Day im Juli.

Am hat der chinesische Amazon-Rivale und Taobao-Mutterkonzern Alibaba einen neuen Umsatzrekord erwirtschaftet: binnen 24 Stunden setzte das Unternehmen nach eigenen Angaben 30,7 Milliarden Dollar um. Das waren 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Allein in der ersten Stunde setzte Alibaba rund zehn Milliarden Dollar um.

Viele Jahre vorher hatten chinesische Studenten den 11.11. dank der vier Einsen, die für das Dasein als Junggeselle (Single) stehen, zum „Anti-Valentinstag“ erklärt. Alibaba-Geschäftsführer Daniel Zhang, der im September 2019 Firmengründer Jack Ma auch als Vorstandsvorsitzenden beerben wird, griff die Tradition 2009 auf und erklärte den 11. November zum Tag für Singles, die ihr schweres Los mit Rabatten und Sonderaktionen mildern können. Anfangs machten nur 37 Onlinehändler mit. Zum zehnten Jubiläum sind es rund 180.000 Marken.

Der diesjährige Singles’ Day hat außerdem eine politische Komponente. Analysten sehen in ihm einen Barometer für das Vertrauen chinesischer Kunden in ihre eigene Kaufkraft in Zeiten des Handelskriegs zwischen China und den USA. Und tatsächlich stellt der für die Globalisierungsstrategie zuständige Präsident der Alibaba Gruppe, Michael Evans, fest, dass die Verbraucher derzeit zögerlicher sind, teurere Anschaffungen wie Waschmaschinen oder TV-Geräte zu tätigen.

Die Nachfrage für Kosmetik- und Babyprodukte liefe jedoch nach wie vor gut. Er warnt aber davor, den Zahlen eines einzigen Tages zu viel Gewicht zu verleihen. „Uns geht es eher darum, wie viel Zeit der Kunde auf unseren Plattformen und in unseren Läden verbringt“, sagt er.

Doch auch die Rekordumsätze vom Singles’ Day werden Alibabas gesamte Umsatzprognose wohl nicht steigern können. Mit Veröffentlichung der Bilanz zum dritten Quartal hat der Onlinehändler seine Ziele kappen müssen. Statt 48,5 Milliarden Euro werden es wohl jetzt nur noch 47,5 Milliarden Euro sein, sechs Prozent weniger als eigentlich vorhergesagt.

Dabei waren die Umsätze zum Vorjahr um 54 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro und der Profit sogar um 56 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro gestiegen. Als Begründung verwies Alibaba auf allgemeine wirtschaftliche Unsicherheiten wie den immer weiter eskalierenden Handelskrieg zwischen den USA und China.

Evans zeigt sich jedoch optimistisch, dass sein Unternehmen auch in den nächsten Jahren ein rasantes Wachstum hinlegen wird. Nach der Erschließung des internationalen Marktes in Südostasien weitet Alibaba seine Präsenz vor allem in Indien, Russland und der Türkei aus. „Dort kauft eine wachsende Mittelschicht ähnliche Produkte wie die Konsumenten in China“, erklärt Evans die Strategie seines Unternehmens.

Außerdem rechnet der Alibaba-Präsident mit einem weiter wachsenden Binnenmarkt. „Alibaba hat derzeit 600 Millionen aktive Nutzer, davon gehören 300 Millionen schon jetzt zur Mittelschicht. Wir glauben, dass weitere 300 Millionen in den nächsten fünf Jahren zu dieser Gruppe dazukommen werden“, erklärt er und fügt hinzu, dass Kunden nun auch über den mobilen Bezahldienst Alipay für ihre Einkäufe einen Kredit aufnehmen oder in Raten zahlen könnten.

Peking will den Konsum daheim ankurbeln, um die Abhängigkeit vom Exportgeschäft zu verringern. Ungefähr die Hälfte der chinesischen Bevölkerung lebt noch auf dem Land. Ihre Konsumausgaben wachsen stetig, doch nur die Hälfte von ihnen macht derzeit Gebrauch vom Onlineshopping.

Um der Nachfrage einer Mittelschicht mit immer höheren Ansprüchen nachzukommen, setzen Alibaba und Konkurrent JD.com zunehmend auf Luxusmarken. Laut der Beratungsfirma Bain & Company waren chinesische Kunden zuletzt für 32 Prozent aller Luxuseinkäufe verantwortlich.

Alibaba-Konkurrent JD.com rief vor einem Jahr seinen Premiumservice „Toplife“ ins Leben, bei dem Ware in temperatur- und feuchtigkeitsregulierten Räumen gelagert wird und Boten in Anzug und mit weißen Handschuhen sie ausliefern.

Obwohl JD.com seinen Kaufrausch-Tag normalerweise am 18. Juni feiert, macht das Unternehmen auch am Singles’ Day mit Rabatten und Sonderaktionen mit. Gleich in der ersten Stunde wurden auf der Plattform 7,8 Tonnen Wollhandkrabben verkauft.

Tatsächlich kämpft JD.com jedoch mit Problemen: Zwar erwirtschaftete das Unternehmen 2017 einen Umsatz von 55,7 Milliarden Euro, aber im zweiten Quartal 2018 wies es wegen höherer Ausgaben und zurückgehender Verkäufe sogar einen Verlust von umgerechnet 290 Millionen Euro aus, deutlich mehr als erwartet.

Ende September wurde ihr 45-jähriger Gründer und Geschäftsführer Liu Qiangdong zudem wegen des Verdachts des sexuellen Fehlverhaltens von der Polizei in den USA festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Zwar wurde Liu am nächsten Tag wieder auf freien Fuß gesetzt, ist jedoch seither nicht mehr auf Veranstaltungen wie der Wuzhen-Internetkonferenz oder der China International Import Expo, die früher zum Pflichtprogramm gehört hätten, öffentlich aufgetreten.

Wenn Unternehmenssprecher zur Situation befragt werden, winken sie entweder ab oder ändern das Thema. Hinter vorgehaltener Hand heißt es jedoch, dass die Verunsicherung groß sei und die Entscheidungen auf allerhöchster Geschäftsführungsebene besprochen werden. Bei JD.com hält Liu fast 80 Prozent der Stimmrechte, und er muss anwesend sein, damit der Verwaltungsrat Entscheidungen treffen kann.

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