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Einzelhandel So profitiert die Spielwaren-Genossenschaft Vedes von Amazon

Der Internetriese ist der größte Konkurrent der Genossenschaft – und gleichzeitig ein wichtiger Kunde. Es ist eine kuriose Beziehung, die nicht allen Händlern gefällt.
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Viele Konsumenten machen inzwischen einen weiten Bogen um die Fachgeschäfte. Quelle: dpa
Spielwarenmesse in Nürnberg

Viele Konsumenten machen inzwischen einen weiten Bogen um die Fachgeschäfte.

(Foto: dpa)

Nürnberg Die Spielwarenhändler zwischen Nordsee und Alpen haben schwer zu kämpfen. Jahr für Jahr ordern die Kunden mehr Ware im Internet. Vor allem das Online-Kaufhaus Amazon macht den Fachgeschäften das Leben schwer.

Gleichzeitig profitieren die Ladenbesitzer aber vom rasanten Aufstieg des US-Konzerns hierzulande. Und zwar über die Vedes, den größten Verbund von Spielwarenhändlern Deutschlands. Die Nürnberger Genossenschaft hat in den vergangenen Jahren den Großhandel massiv ausgebaut und beliefert unter anderem den größten Konkurrenten Amazon.

„So partizipieren wir am dynamisch wachsenden Online-Markt“, sagte Vedes-Chef Thomas Märtz am Mittwoch zum Auftakt der Spielwarenmesse in Nürnberg. Sein Kalkül ist einfach: Wenn seine Genossen sich schon mit dem Verkauf übers Internet schwertun, dann sollen sie wenigstens etwas vom Erfolg der Anderen haben.

Daher versorgt er nicht nur Amazon mit Spielzeug aus seinem großen Lager, sondern auch andere Online-Anbieter wie Mytoys. Dazu kommen branchenfremde Wettbewerber wie die Supermarktketten Edeka, Rewe, Kaufland oder Netto, Baumärkte wie Baywa und die Buchhandelskette Hugendubel.

Nicht allen Genossen gefalle das, heißt es in der Branche. Es sei so manchem Ladenbesitzer unverständlich, dass Vedes ausgerechnet den wichtigsten Wettbewerber Amazon unterstütze. Märtz aber verteidigt die Strategie: „Das ist wirtschaftlich sinnvoll“, betonte der Manager. Die Zahlen scheinen seinen Kurs zu bestätigen. So kletterte der Großhandelsumsatz der Vedes vergangenes Jahr um gut drei Prozent.

Der Umsatz der Vedes-Händler hingegen stagnierte. Durch das größere Einkaufsvolumen profitierten die Geschäftsinhaber von besseren Konditionen, außerdem werde die Logistik mit den zusätzlichen Kunden günstiger, argumentiert der Vedes-Vorstand. Da die Genossenschaft besser verdiene, stiegen auch die Ausschüttungen an die Inhaber.

Zum Vedes-Verbund gehören rund 900 Läden. Nicht alle treten allerdings unter dem Markennamen der Franken auf. Diesen Fachgeschäften bietet die Genossenschaft weit mehr Dienstleistungen als den Großhandelskunden wie Amazon.

Vor allem versucht die Zentrale in Nürnberg, die Geschäfte vor Ort und den Internethandel zu verzahnen. So übernehmen die Fachleute die Werbung auf Plattformen wie Facebook und Instagram, aber auch den Versand der bei den Händlern online bestellten Waren. „Früher waren wir eine Einkaufsgesellschaft, heute sind wir eine Dienstleistungsplattform“, erläuterte Vorstandschef Märtz.

Ladeninhaber stehe massiv unter Druck

Die Spielzeughändler in Deutschland sind noch ein einer vergleichsweise komfortablen Lage. Der Umsatz der Branche ist vergangenes Jahr um rund zwei Prozent auf 3,2 Milliarden Euro geklettert, haben die Marktforscher der NPD Group errechnet. In England und Frankreich gingen die Erlöse der Geschäfte drastisch zurück.

Trotzdem stehen die Inhaber hierzulande massiv unter Druck. Denn viele Konsumenten machen inzwischen einen weiten Bogen um die Läden. Vor sechs Jahren wurden nur 27 Prozent aller Rutschautos, Modellbahnen und Puppen im Netz gekauft. Inzwischen sind es etwa 40 Prozent.

Noch immer sind viele Fachhändler im Internet aber nur schwach vertreten. Dazu kommt, dass große Hersteller wie Lego selbst immer stärker online ihre Ware anbieten und den Läden damit Konkurrenz machen.

Der Vedes-Zentale fällt es aber nicht immer leicht, die Genossen fit zu machen für das veränderte Umfeld. „Es ist manchmal ein Kraftakt, die Leute mitzunehmen“, so Märtz. Der Vorstand in der Zentrale kann zwar Vorschläge machen, letztlich sind die Anteilseigner aber alle selbst verantwortlich für ihr Geschäft. Der Manager geht davon aus, dass es trotz der politischen und konjunkturellen Unsicherheiten 2019 aufwärts geht bei der Vedes: „Wir hoffen auf Zuwächse.“

Dieses Jahr feiert die Vedes ihren 115. Geburtstag. Angestoßen wird in diesen Tagen in Nürnberg auf der Spielwarenmesse. Bis Sonntag informieren sich auf dem weltweit wichtigsten Branchentreff viele der Vedes-Händler über die Neuheiten. Die Genossen haben viel zu tun. Die knapp 2900 Anbieter präsentieren etwa eine Million Artikel.

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