Einzelhandel Wie Edeka und Rewe um Kunden kämpfen

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Starts-ups können nicht immer liefern

Bei Rewe, der Nummer zwei im Markt, gibt es keine Planungen, eine ähnliche Plattform an den Start zu bringen. Doch auch der Kölner Lebensmittelhändler ist umtriebig, um Vielfalt im Regal anzubieten – allerdings auf eine andere Art: Mit seinem regionalen Konzept will Rewe keine Start-ups, sondern kleinere Erzeuger ansprechen, die zumeist landwirtschaftlich geprägt sind.

In jeder der bundesweit sechs Vertriebsregionen suchen sogenannte Regionalbeauftragte nach lohnenswerten Produkten. Und zwar direkt vor Ort. „Wir gehen zum Beispiel auf Wochenmärkte und sprechen die Erzeuger dort an“, sagt Bettina Müller, Rewe-Regionalbeauftragte für die Vertriebsregion West. Die Exklusivität der Ware spiele nur eine untergeordnete Rolle. „Entscheidend ist für uns der gute Geschmack“, sagt Müller. So werden im regionalen Regal auch alltägliche Produkte wie Eier und Kartoffeln vertrieben.

Das Ende der Plastiktüte
Aldi macht Schluss
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Noch verkauft kaum ein Händler die Plastiktüte so billig wie Aldi. Für gerade mal zehn Cent bekommt der Kunde dort die billigste Tragetasche. Doch damit soll bald Schluss sein. Ab Oktober verbannen Aldi Süd und Aldi Nord schrittweise die Einwegtüte aus den Märkten. Bis Ende 2018 soll die Umstellung durch sein.

Nur noch Mehrweg
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Dabei gehen die beiden Discounter noch radikaler vor, als viele andere Händler. So sollen auch keine Papiertüten als Ersatz angeboten werden. Die Discounter steigen komplett auf Mehrwegtaschen um. Wegen des höheren Energie- und Wasserverbrauchs bei der Herstellung sei die Papiertüte nach jetzigem Stand keine Alternative, sagt Aldi-Süd-Manager Philipp Skorning.

Freiwillige Vereinbarung
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Weitgehend Standard im Handel ist es mittlerweile, dass Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden. Einer entsprechenden freiwilligen Vereinbarung zwischen dem Bundesumweltministerium und dem Handelsverband HDE haben sich mittlerweile mehr als 350 Unternehmen angeschlossen. Damit konnte der durchschnittliche Verbrauch bereits von 70 auf 45 Tüten pro Kopf gesenkt werden. Doch einige Händler gehen heute schon weiter.

Rewe
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Als erster Lebensmittelhändler hatte Rewe im Herbst 2016 die Abschaffung der Plastiktüte verkündet. Der Händler bietet als Alternative neben Papiertüten Jute- und Baumwollbeutel an. Außerdem gibt es eine Recycling-Mehrwegtasche die aus zwei PET-Flaschen hergestellt wurde.

Lidl
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Seit Frühjahr dieses Jahres hat Lidl als erster Discounter die Plastiktüte komplett verbannt. Bisher hatte das Unternehmen mehr als 100 Millionen Kunststofftaschen jedes Jahr ausgegeben. Durch den Verzicht würden jährlich rund 3500 Tonnen Plastik eingespart.

Penny
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Auch Penny hat sich dieser Bewegung angeschlossen. Mehr als 60 Millionen Tüten hat der Discounter bisher jedes Jahr ausgegeben. Ein spezielles Einstiegsangebot sollte den Kunden den Umstieg versüßen: So mussten Kunden, die eine Penny-Mehrwegtasche aus Recyclingmaterial zum Einkauf mitbrachten, zehn Cent weniger zahlen.

Real
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Nachgezogen hat auch die Supermarktkette Real. Seit Februar 2017 gibt es dort an den Kassen nur noch Taschen aus Papier oder Baumwolle und eine Permanenttragetasche aus 85 Prozent Recyclingmaterial. 49 Millionen Plastiktüten sollen so pro Jahr eingespart werden.

Und der Gin auf Apfelbrandbasis von Frank Kießling. Rewe kam im Frühjahr 2016 auf den 48-Jährigen zu. „Das hat uns schon ein bisschen stolz gemacht“, sagt Kießling, der die Brennerei gemeinsam mit seinem Vater betreibt. Er war damals ohnehin auf der Suche nach einem Vertriebspartner – Rewe kam ihm da gerade recht, auch wenn er die Regional-Initiative zuvor nicht kannte. Seit fast einem Jahr vertreibt er sein Destillat nun in einzelnen Rewe-Märkten im Raum Köln. In der Firmenbilanz sieht er noch keine großen Veränderungen. Aber es sorgt für Aufmerksamkeit: Die ersten Kunden hätten ihn schon auf seinen Gin angesprochen.

Anders als bei Edeka, werden die Produkte bei Rewe umfangreich kontrolliert, bevor sie im Markt vertrieben werden. So wurde auch Kießlings Gin auf Qualität und der Betrieb auf Hygiene überprüft. Zwischen dem ersten Gespräch und dem Vertrieb durch Rewe ging fast ein halbes Jahr ins Land. Edeka hingegen setzt auf ein möglichst niedrigschwelliges Angebot: Allein der Edeka-Kaufmann überprüft die Ware, bevor er sie ins Regal stellt.

Was beide Händler bei so vielen Unterschieden eint: Sie machen Zugeständnisse. „Es gibt keinen Druck und keine Mengenvorschriften“, sagt Gin-Hersteller Kießling. „Wenn ich nichts mehr habe, dann habe ich nichts mehr.“ Markenhersteller dürften sich das nicht erlauben, für die kleinen Produzenten aber gibt es keine Strafe, wenn sie nicht mehr liefern können. Rewe trägt das Risiko – und das regionale Regal bleibt dann leer. Bei Edeka ist das genauso, auch Kaufmann Goerzen musste diese Erfahrung schon einmal machen: Eines seiner Start-ups konnte just in der Woche nicht liefern, als er dessen Produkte in seinem Handzettel beworben hatte. „Für die Kunden ist das natürlich ärgerlich“, sagt der Edekaner.

Nicht alles was innovativ erscheint, setzt sich am Ende auch bei Händler und Kunde durch. „Von 20 Einsendungen“, schätzt Goerzen, „bin ich vielleicht von zweien überzeugt.“ Und manchmal fänden selbst die keinen dauerhaften Absatz. „Spätestens das Mindesthaltbarkeitsdatum trennt uns dann von dem Produkt.“

Auch bei Rewe sind die Bemühungen nicht immer erfolgreich: So setzte der Kölner Lebensmittelhändler große Hoffnungen in regionale Apfelchips. „Wir haben darum einen riesigen Hype gemacht“, sagt Rewe-Regionalbeauftragte Müller. Am Ende aber wollte es kaum ein Kunde kaufen – die Chips wurden wieder aus dem Regal genommen.

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3 Kommentare zu "Einzelhandel: Wie Edeka und Rewe um Kunden kämpfen"

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  • Man könnte auch sagen : EDEKA überlässt den lästigen Teil der Markterprobung
    den " Kleinen Innovativen".

  • auf Dauer wird eh das AMZON-Projekt der direktenund sofortigen Belieferung (per K.I. Drohne oder Mini-Wägelchen) siegen.

    Einfach nur bestellen und 10 min. Später gehe ich auf den Bolkon, wo die immer freundliche Lieferdrohne mir die Lebensmittel bringt. Hinzu kommt, AMAZON hat Kundenbewertungen für ALLE Artikel. Da weiß ich wenigstens, wie es den anderen Kunden gefallen / geschmeckt hat.

    Bei Lidl und ALDI weiß kaum einer der Biokunden, dass sein Essen brutal mit Schwermetallen gespritzt wurde.

  • Jeden Tag sehen wir uns an wie sie uns lieben mit ihrer Lebensmittelindustrie.

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