Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Einzelhandel Trotz Lockdown geöffnet: Baby One ist bereit für den Corona-Babyboom

Beim Marktführer für Babyausstattung hat die zweite Generation übernommen. Die neuen Chefs von Baby One müssen im Online-Geschäft aufholen.
20.01.2021 - 13:04 Uhr Kommentieren
Die Geschwister haben die Führung des Familienunternehmens Baby One übernommen. Deutschlands größte Babymarktkette darf im Lockdown öffnen. Quelle: BabyOne
Anna Weber und Jan Weischer

Die Geschwister haben die Führung des Familienunternehmens Baby One übernommen. Deutschlands größte Babymarktkette darf im Lockdown öffnen.

(Foto: BabyOne )

Düsseldorf Während Baumärkte und Möbelhäuser im zweiten Lockdown dicht sind, dürfen Babyfachmärkte weiter ihre Tore öffnen. Sie werden von der Politik als systemrelevant eingestuft. „Auf Kinderwagen und Beistellbettchen können Babys eben nicht drei Monate warten. Und junge Eltern wollen Beratung, wenn das erste Kind unterwegs ist“, sagt Anna Weber, geschäftsführende Gesellschafterin von Baby One.

Sie hat zum Jahreswechsel mit ihrem Bruder Jan Weischer die Führung von Deutschlands größter Babymarktkette übernommen. „Autositz und Buggy kann man zwar online bestellen, aber eben nicht ausprobieren, ob sie ins eigene Auto passen.“

Die Öffnungsgenehmigung für Baby- und Kleinkindausstatter ist nicht unerheblich auf die Initiative von Baby One zurückzuführen. Das Familienunternehmen aus Münster überzeugte zunächst die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Dort und in Berlin durfte der Babyfachhandel Mitte April wieder öffnen. Dies brachte für Baby One die Wende. „Anders als der sonstige Einzelhandel konnten wir sofort an unsere normalen Umsätze anknüpfen“, sagt Weischer.

Mit dem ersten Lockdown hat sich viel Geschäft ins Internet verlagert. „Wir konnten unseren Onlineumsatz 2020 auf zehn Prozent verdoppeln“, sagt die 38-jährige Weber. „Aber sicherlich haben wir im Lockdown auch einige Kunden an große Online-Mitbewerber verloren.“ 2019 war der Nettoumsatz von Baby One um sieben Prozent auf 235 Millionen Euro gestiegen. Durch vier Wochen Schließung ging das Geschäft 2020 zurück.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In diesem Jahr will Baby One wieder wachsen – auf rund 250 Millionen Euro. Die Geschwister wollen die deutsche Marktführerschaft unter den Babyausstattern verteidigen. Die Branche setzte 2018 hierzulande laut IFH Köln 2,56 Milliarden Euro um, ein jährliches Wachstum von im Schnitt zwei Prozent. Ob durch den Corona-Lockdown mehr Babys auf die Welt kommen – das sei erst im Frühjahr abzuschätzen. „Wir sind jedenfalls für einen Corona-Babyboom bereit“, sagt Jan Weischer.

    Die zweite Generation bei Baby One übernahm mitten in der Coronakrise die Führung. Die Übergabe wurde drei Jahre lang vorbereitet. Zum Januar wechselten die Gründer Wilhelm und Gabriele Weischer in den Beirat. „Sie halten sich raus, sind aber immer ansprechbar“, sagt der 37-jährige Jan Weischer. „Wir wissen, wie schwer das unseren Eltern fällt. Schließlich ist das Unternehmen ihr Baby.“

    Wilhelm Weischer hatte nach seinem BWL-Studium den elterlichen Spielwarenladen in Werne nahe Dortmund übernommen. Doch die Geschäfte liefen schlecht, anders als bei seinem Freund Karl-Wilhelm Röhricht, der 1988 einen Babyfachmarkt in Freudenberg eröffnete. Weischer wurde der erste Franchisenehmer von Babyland, das rasch wuchs. Denn großflächige Babymärkte mit günstigen Preisen waren neu.

    Der Babyfachmarkt hat mehr als 100 Filialen im deutschsprachigen Raum. Die meisten werden von Franchisenehmern betrieben. Quelle: BabyOne
    Filiale von Baby One

    Der Babyfachmarkt hat mehr als 100 Filialen im deutschsprachigen Raum. Die meisten werden von Franchisenehmern betrieben.

    (Foto: BabyOne )

    Als der Geschäftsfreund erkrankte, kaufte ihm Weischer die Firma mit damals 18 Märkten ab. Baby One, wie die Kette nun hieß, expandierte rasant. Heute gibt es 102 Fachmärkte mit rund 1200 Beschäftigten, davon fünf Filialen in der Schweiz und sechs in Österreich. 34 Märkte betreibt die Zentrale.

    „In den eigenen Märkten können wir gut Dinge ausprobieren. Grundsätzlich aber setzen wir auf Unternehmer vor Ort, unsere Franchisenehmer“, sagt Jan Weischer. Diese zahlen vom Nettoumsatz drei Prozent Franchisegebühr und zwei Prozent Zuschuss für Werbekosten.

    Die Geschwister sind seit rund vier Jahren bei Baby One tätig. Die promovierte Betriebswirtin Anna Weber jobbte schon als Studentin im Verkauf, ihr Bruder im Lager. Später arbeitete sie bei Vodafone, ihr Bruder, promovierter Jurist, als Anwalt bei KPMG. „Mit der Geburt unserer ersten Kinder wuchs das Bedürfnis, im eigenen Unternehmen mehr selbst gestalten zu können als in einem Konzern.“

    Die Eltern hätten ihnen ein starkes Fundament hinterlassen, betonen beide. Trotzdem stehe Baby One gerade vor einer radikalen Wende: „Wir müssen schneller und leistungsorientierter werden – in unserer Arbeitsweise, den Abläufen und der Kultur“, sagt Weber. „Jeder dritte Babyartikel wird bereits online verkauft – da müssen wir aufholen.“

    2018 wurden 27 Prozent der Umsätze mit Babyausstattung im Internet getätigt, ermittelte das IFH Köln. „Der Onlinehandel hat in der Coronakrise einen weiteren kräftigen Schub bekommen“, beobachtet Berater Hansjürgen Heinick.

    Live-Chat mit Hebammen

    Im ersten Lockdown richtete Baby One einen Live-Chat im Webshop ein. Verkäufer der geschlossenen Babymärkte berieten nun online. Seitdem gibt es auch Live-Sprechstunden über Instagram und Facebook, etwa mit Hebammen. Der Service, den Online-Wettbewerber schon länger bieten, werde gut angenommen.

    Ganz wichtig ist Baby One die Verzahnung von Online- und Offlinegeschäft. Bei einer Bestellung im Webshop darf die Baby-One-Filiale liefern, die die Ware vorrätig hat und am nächsten zum Kunden liegt. „So ist E-Commerce keine Konkurrenz für unsere Märkte. Mit dem Konzept ‚Ship from Store‘ halten wir die Transportwege kurz“, sagt Weber. Retouren gehen an ein zentrales Lager.

    „In der Branche herrscht ein harter Preiswettbewerb“, konstatiert IFH-Experte Heinick. Die klassischen kleinen Babyfachgeschäfte würden immer mehr zurückgedrängt, auch von Drogerie-, Möbel- und Supermärkten. „Zum stärksten Anbieter ist das Internet aufgestiegen. Marktplätze wie Amazon und Real oder Spezialisten wie Babymarkt.de oder Windeln.de wachsen“, so Heinick.

    „Wir müssen mit Amazon und Co. preislich auf Augenhöhe sein. Das ist nicht immer einfach“, sagt Jan Weischer. „Baby One hat zusätzlich 104 beratungsstarke Babyfachmärkte vor Ort, da kann die Konkurrenz nicht mithalten. Zumal wir der einzige Babyausstatter sind, der in den letzten Jahren wirklich Geld verdient hat.“

    Konkurrent Baby Walz gehört seit 2015 zum britischen Investor Alteri. Das Unternehmen setzte laut Bundesanzeiger 2019 rund 136 Millionen Euro um. Der Onlineumsatz stieg, während das Filialgeschäft schrumpfte. Seit 2018 schlossen etwa zehn Filialen.

    Babymarkt.de, das mehrheitlich zu Tengelmann gehört, steigerte seinen Umsatz 2019 um 13,5 Prozent auf 163,9 Millionen Euro. Das Unternehmen war in 14 europäischen Ländern mit Onlineshops vertreten und in Deutschland auch mit sechs Filialmärkten.

    Baby One dagegen hat derzeit keine weiteren Auslandspläne. Auch im Inland steht die Expansion von Filialen nicht mehr im Mittelpunkt wie noch bei der Elterngeneration. In Hamburg und Köln testete Baby One, das sonst auf der grünen Wiese sitzt, kleine Innenstadtfilialen. „Unser Fokus liegt auf Omnichannel und einer optimalen Verknüpfung der Fachmärkte und des Onlineshops“, sagt Weber.

    Die Geschwister haben sich die Aufgaben geteilt: Weber betreut Marketing, E-Commerce, Personal und Einzelhandel, ihr Bruder Finanzen, IT, Einkauf und Recht. „Wir sind grundverschieden und ergänzen uns gut“, meint Weischer. „Meine Schwester ist extrem schnell im Denken und Umsetzen und arbeitet mit großer Leidenschaft.“ Ihr Bruder sei sehr reflektiert und empathisch, meint die Schwester. „Seine Sachlichkeit tut mir gut.“

    Mehr: Vorreiter und Abgehängte – die Kluft im Einzelhandel wächst

    Startseite
    Mehr zu: Einzelhandel - Trotz Lockdown geöffnet: Baby One ist bereit für den Corona-Babyboom
    0 Kommentare zu "Einzelhandel: Trotz Lockdown geöffnet: Baby One ist bereit für den Corona-Babyboom"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%