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Einzelhandel Vielen US-Kaufhäusern droht der Kollaps

Die Neiman-Marcus-Gruppe könnte noch diese Woche Gläubigerschutz anmelden, weitere Luxuswarenhäuser könnten folgen. Der Ruf nach Staatshilfen wird laut.
22.04.2020 - 17:07 Uhr Kommentieren
Noch diese Woche könnte die Kette, zu der auch die Edel-Kaufhäuser von Bergdorf Goodman gehören, Gläubigerschutz beantragen. Quelle: Reuters
Neiman Marcus in New York

Noch diese Woche könnte die Kette, zu der auch die Edel-Kaufhäuser von Bergdorf Goodman gehören, Gläubigerschutz beantragen.

(Foto: Reuters)

New York, Düsseldorf Rund um den Flagship-Store von Macy’s in Manhattan herrscht gespenstige Stille. Die Tore sind geschlossen ebenso wie überall im Lande: Egal ob Nordstrom, Saks Fifth Avenue oder Bloomingdales: Den US-Kaufhäusern bleiben in der Coronakrise die Laden-Kunden weg und ihr Online-Geschäft kann das kaum ausgleichen. Die Edelkaufhaus-Kette von Neiman Marcus könnte noch diese Woche einen Insolvenzantrag stellen.

In der Krise boomen Supermärkte, Online-Händler wie Amazon und auch Elektronik-Ketten wie Best Buy. Aber die klassischen Kaufhäuser rutschen immer weiter in die Krise. Schon vor dem Virus hatten die meisten Ketten Probleme, weil ihnen vor allem die jüngere Kundschaft ins Internet abwandert. Jetzt könnten die Folgen der Pandemie auch großen Namen den Todesstoß versetzen.

Neiman Marcus etwa konnte vor einigen Tagen eine Anleihe nicht bedienen. Noch diese Woche könnte die Kette, zu der auch die Edel-Kaufhäuser von Bergdorf Goodman gehören, Gläubigerschutz beantragen. Auch J.C. Penney konnte vergangene Woche seine Gläubiger nicht bezahlen, und die Traditionskette Macy’s arbeitet laut Medienberichten derzeit mit der Investmentbank Lazard daran, ihre Schulden zu restrukturieren.

Viele Ketten seien bereits mit schwachen Bilanzen und wenig Liquidität in die Pandemie gekommen, kommentiert der Einzelhandelsberater und langjährige Neiman-Marcus-Manager Steven Dennis die schwierige Lage. „Außerdem sind März und April vor allem für das Luxussegment die wichtigsten Monate, um zu vollen Preisen zu verkaufen“, mahnt er.

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    Der Einzelhandelsverband NRF (National Retail Federation) hat sich bereits mit einem Schreiben an den Finanzminister und den Fed-Gouverneur gewandt: „Der NRF drängt auf Schritte, den größten Einzelhändlern des Landes die gleichen wirtschaftlichen Hilfen zu geben wie Amerikas kleinen Unternehmen und größten Unternehmen“, schreibt der Verband. Laut NRF gibt der Einzelhandel in den USA 29 Millionen Menschen Arbeit. Doch bisher sieht es nicht so aus, als wolle die Regierung den großen Kaufhausketten unter die Arme greifen.

    Zum Teil ist die missliche Lage der Handelsketten aber auch selbst verschuldet, beziehungsweise von jenen, die sie übernommen haben. Das gilt auch für Neiman Marcus: „Neiman war schon vor der Coronakrise viel zu stark verschuldet“, kritisiert etwa der Berater und ehemalige Chairman von Saks Fifth Avenue Steven Sadove.

    Die in Texas beheimatete Kaufhaus-Gruppe mit ihren 14 000 Mitarbeitern hat bereits mehrere Eigentümerwechsel hinter sich. Seit 2013 ‧gehört Neiman Marcus dem kalifornischen Private-Equity-Fonds Ares und dem kanadischen Pensionsfonds CPP Investment Board. Sie haben das Unternehmen für sechs Milliarden übernommen und ihm danach hohe Schulden aufgebürdet. „Ein klassisches Beispiel für eine Schulden-finanzierte Übernahme, unter der dann das Unternehmen leiden muss“, kritisiert Sadove.

    „Neiman ist immer noch ein Vier-Milliarden-Unternehmen, das einen respektablen Gewinn erwirtschaftet“, sagt er. „Aber sie standen mit ihren Schulden schon vor dem Abgrund, bevor die Coronaviruskrise zugeschlagen hat“, sagt er. Der Insolvenzschutz könnte es ihnen erlauben einen Teil der Schulden zu löschen, erklärt Sadove. Neiman Marcus sitzt auf mehr als vier Milliarden Dollar Schulden.

    Deutsche Tochter nicht direkt betroffen

    Tatsächlich dient der Gläubigerschutz unter Chapter 11 in den USA vor allem dazu, den Unternehmen Zeit zu geben, sich wieder neu aufstellen zu können, ohne die Gläubiger bedienen zu müssen. Aber auch über einen möglichen Verkauf wird spekuliert.

    Zur Neiman Marcus Group gehören außer den Edelkaufhäusern auch der deutsche Online-Luxushändler MyTheresa. MyTheresa ist in der Vergangenheit zugunsten der Eigentümer finanziell abgespalten worden – eine Tatsache die bereits zu Protesten von Kreditgebern geführt hatte, die darin eine versteckte Dividende sahen.

    Bei MyTheresa in Deutschland schaut man mit Spannung auf die Entwicklungen in den USA, fühlt sich aber nicht direkt bedroht. „Wir gehören auf oberster Ebene der – schuldenfreien – Holding Neiman Marcus Inc.“, erklärt MyTheresa-Chef Michael Kliger.

    „Finanziell, juristisch und operativ sind wir komplett eigenständig. Insofern würde auch eine Insolvenz unserer Warenhaus-Schwester, so bitter die wäre, für uns rein gar nichts bedeuten. Es könnte allenfalls passieren, dass sich unser Eigentümerkreis irgendwann verändert, wenn im Zuge der Neuordnung der Holding-Struktur auch darüber nachgedacht wird, Anteile an uns abzugeben“, gibt er sich zuversichtlich.

    Auch bei MyTheresa sei Mitte März die Nachfrage stark eingebrochen, als in Deutschland Schulen und anschließend Geschäfte geschlossen wurden. Danach begannen sofort in Nachbarländern die Ausgangssperren und Notstandsgesetze, viele Grenzen wurden geschlossen, die Börsen brachen ein.

    „Seitdem ging es erfreulicherweise aber wieder aufwärts. Im April wuchsen wir schon wieder im Vergleich zum Vorjahr. Aber die Situation ist natürlich besonders – und sehr fragil“, sagt Kliger. „In China immerhin sehe ich schon wieder ein kraftvolles Wachstum. Das stimmt optimistisch.“

    In den USA dagegen ist noch keine Besserung in Sicht. Dort könnte es schon bald zum Insolvenzschutz und auch zum Eigentümerwechsel kommen. Und vielleicht nicht nur bei Neiman Marcus.

    Mehr: Einzelhandel droht „Insolvenzwelle von nie gekanntem Ausmaß“

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