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Eisenbahnverkehr Die Bahn plagen „Wachstumsschmerzen“

Die Bahn rechnet in diesem Jahre mit 150 Millionen Fahrgästen im Fernverkehr. Doch der Gewinn sinkt. Frisches Geld soll der Verkauf der Tochter Arriva einbringen.
Update: 28.03.2019 - 14:58 Uhr Kommentieren

Deutsche Bahn rechnet trotz Passagier-Rekord mit Gewinnrückgang

BerlinDie Deutsche Bahn rechnet nach einem schwierigen Jahr 2018 mit Rekordverspätungen und wachsender Kritik an Zuverlässigkeit und Qualität mit einem weiter sinkendem Gewinn. Nach Angaben des Staatskonzerns wird der Betriebsgewinn (Ebit) auf gut 1,9 Milliarden nach 2,1 Milliarden Euro im Vorjahr zurückgehen.

Der Umsatz soll dagegen auf über 45 Milliarden Euro zulegen. Bahnchef Richard Lutz versprach auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin, „wir müssen besser werden“. Ein Viertel aller Fernzüge mit Verspätung, das sei „nicht zufriedenstellend“.

Die seit Jahren steigenden Fahrgastzahlen sind aber auch das Problem der Bahn. Im Netz gebe es einige Nadelöhre, sagte Lutz weiter, wo „viel Verkehr auf knappe Infrastruktur trifft“. Die Linie Köln - Dortmund zählt etwa dazu. Diese hoch belasteten Strecken machten zwar nur fünf Prozent des Netzes aus, führten aber zu Staus im gesamten Bahnnetz. Das habe Folgen für die Pünktlichkeit. Die Bahn arbeite daran, vor allem die Engpässe zu beseitigen. „Aber viele der vorgesehenen Maßnahmen brauchen Zeit. Den einen Hebel, den man umlegt, und schon ist die Bahn besser, den gibt es leider nicht.“ Der Erfolg der Schiene habe Nebenwirkungen, „nennen wir es Wachstumsschmerzen“, sagte der Bahnchef.

Im vergangenen Jahr erreichte der Konzern nach einem scharfen Sparkurs mit einem generellen Ausgabenstopp das mehrfach gekürzte Gewinnziel knapp. Der Umsatz stieg dagegen unter anderem wegen eines neuen Passagierrekords im Fernverkehr um drei Prozent auf gut 44 Milliarden Euro.

Geholfen hat der Bahn dabei auch ein neuer Passagierrekord mit rund 148 Millionen Fahrgästen in IC und ICE. Die Bahn rechnet damit, dass die Fahrgastzahlen weiter steigen. „2019 werden wir im Fernverkehr erstmals über 150 Millionen Reisende begrüßen dürfen“, sagte Bahnchef Lutz. „Damit sind wir auf gutem Weg hin zum Ziel von mehr als 200 Millionen Fernreisenden im Jahr 2030.“

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Die schwarz-rote Regierungskoalition hatte allerdings eine Verdoppelung der Reisendenzahlen vorgegeben, das wären nach Bahnrechnungen mindestens 260 Millionen Fahrgäste. Dafür sei allerdings ein massiver Ausbau der Kapazitäten erforderlich, machte der Bahnchef deutlich.

Über die Mittel dazu verhandelt die Bahn gerade mit dem Bund. Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla zeigte sich zufrieden. Pro Jahr eine Milliarde mehr für die Instandsetzung des Netzes und 570 Millionen Euro über vier Jahre für die Digitalisierung der Bahn seien „gewaltige Verkehrsinvestitionen“. „Aber ich verhandle weiter“, versprach der frühere CDU-Kanzleramtsminister.

In Kreisen der Bahn und in der Eisenbahnbranche ist unumstritten, dass die bisher avisierten staatlichen Mittel für den Eisenbahnsektor trotz Erhöhung nicht einmal ausreichen werden, um den gewaltigen Sanierungsstau von mehr als 50 Milliarden Euro abzubauen.


Die Bahn will ihre Investitionen in diesem Jahr erneut steigern auf elf Milliarden Euro und muss selbst dazu mit rund vier Milliarden Euro beitragen. Das überfordert allerdings die Finanzierungskraft des Konzerns. Finanzchef Alexander Doll machte deutlich, dass die Verschuldung weiter steigen wird auf 20 Milliarden Euro. Auch die zusätzlichen Maßnahmen zur Steigerung der Qualität kosten Geld. Insgesamt braucht die Bahn schon 2019 rund 2,2 Milliarden Euro unter anderem für die Investitionen in höhere Pünktlichkeit.

Der Vorstand plant daher den Verkauf oder den Börsengang der internationalen Tochter für den Nahverkehr Arriva vor. „Wir gehen davon aus, dass wir das Projekt in diesem Jahr noch abschließen könnten“, sagte Doll am Donnerstag. Der Aufsichtsrat hatte am Mittwoch grünes Licht gegeben, die Entscheidung soll im Sommer fallen.

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