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Elektroflugzeuge Ein „Tesla der Lüfte“ könnte die Branche grüner machen

Der Amerikaner Jeff Engler will elektrische Flugzeuge bauen. Vor allem auf Kurzstrecken sieht der Start-up-Gründer Potenzial.
21.02.2020 - 14:54 Uhr Kommentieren
Firmengründer Jeff Wright von Wright Electric hat potenzielle Kunden wie Easyjet im Visier. Quelle: Easyjet
Konzept des E-Fliegers

Firmengründer Jeff Wright von Wright Electric hat potenzielle Kunden wie Easyjet im Visier.

(Foto: Easyjet)

London Nein, mit Elon Musk könne man ihn nicht vergleichen, schüttelt Jeff Engler den Kopf, schließlich zähle Musk zu den weltbesten Unternehmern. Aber wie der Tesla-Gründer versucht der Amerikaner auch, eine Branche zu revolutionieren: Das von ihm gegründete Unternehmen arbeitet an elektrischen Flugzeugen für den kommerziellen Flugverkehr. Im Jahr 2030 soll die „Wright 1“ den Betrieb aufnehmen. Und in zwanzig Jahren, hofft Engler, „werden auf allen Kurzstrecken Flugzeuge mit Elektro- oder Hybridantrieb eingesetzt“.

Engler ist nicht der einzige mit derartigen Plänen. Weltweit arbeiten Großkonzerne wie Airbus, Boeing oder Rolls-Royce sowie Start-ups an Konzepten zur Elektrifizierung der Luftfahrt. Auch Airlines nehmen an solchen Projekten teil, nicht zuletzt bei Englers Unternehmen Wright Electric: Es wird von der Fluggesellschaft Easyjet unterstützt. Zwar nicht finanziell, wie Easyjet-Entwicklungschef Gary Smith klarstellt, sondern vor allem mit Informationen „aus Kundensicht“, wie ein kommerziell einsetzbares Flugzeug aussehen sollte.

Das große Interesse am Umweltschutz in der Airline-Branche kommt nicht von ungefähr: Nachdem ihr der Vorwurf gemacht wird, ein Klimakiller zu sein, sieht sich die Branche gezwungen, neue Wege einzuschlagen. „Wenn die Airline-Industrie nicht das Vertrauen der Bevölkerung verlieren und weiterhin als attraktiv wahrgenommen werden will, muss sie grüner werden“, warnten die Analysten der UBS bereits vergangenen Sommer.

In einer von der Investmentbank durchgeführten Umfrage hätten sich vor allem jüngere Teilnehmer besorgt über die Auswirkungen der Luftfahrt auf das Klima gezeigt, „und das wird die größte Nutzergruppe in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren sein“. 2000 Menschen in den USA und Deutschland hatte UBS zu dem Thema befragt. Und fast die Hälfte derjenigen Umfrageteilnehmer, die in den vorangegangenen zwölf Monaten geflogen waren, hat darüber nachgedacht, der Umwelt zuliebe weniger zu fliegen oder den Flug auszugleichen.

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    Das Argument mancher Airline-Manager, dass der Luftverkehr lediglich zwischen zwei und drei Prozent der Emissionen ausmacht und die Emissionen durch den Einsatz moderner Maschinen immer geringer werden, zieht nicht mehr – zumal jedes Jahr mehr Flugzeuge in der Luft sind und damit Einsparungen konterkarieren. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) geht davon aus, dass der weltweite Luftverkehr bis 2040 um jährlich rund 3,7 Prozent wachsen wird.

    Speicherkapazität ist größtes Problem

    Nachdem 2016 rund vier Milliarden Passagiere weltweit unterwegs waren, dürften es 2040 über 9,4 Milliarden sein. Die Zahl der Flüge werde von 36 Millionen auf 53 Millionen zunehmen. Und so steigt der Druck auf die Branche, drastischere Schritte zu unternehmen, zumal Flugzeuge mit Elektroantrieb nicht nur weniger Emissionen verursachen: Die Kosten für den Treibstoff würden auch geringer ausfallen – und die Lärmbelastung abnehmen.

    Auf der Pariser Luftfahrtmesse im vergangenen Sommer gehörte deswegen „Alice“ zu den Stars der Show: Der Prototyp der israelischen Firma Eviation. Das zierliche Flugzeug, das mit einer 900-Kilowatt-Stunde-Lithium-Ionen-Batterie ausgestattet ist, soll neun Passagiere transportieren und eine Reichweite von etwas mehr als 1000 Kilometer haben. In zwei Jahren werde die Maschine den Betrieb aufnehmen, verspricht Firmenchef Omer Bar-Yohay, der seinen Flieger als „riesige Batterie mit ein bisschen Flugzeug darübergemalt“ beschreibt.

    Dass andere seiner „Wright 1“ Konkurrenz machen und womöglich sogar schneller sind, stört Engler nicht, wie er bei einem Besuch in London dem Handelsblatt erzählt: Gäbe es nur einen Anbieter, wäre es für diesen schwieriger, Kunden zu überzeugen, meint er. „Es wäre besser, wenn es zwei oder drei Anbieter gibt und wir ein wettbewerbsfähiges Produkt auf dem Markt haben“.

    Zudem zielt er mit seiner „Wright 1“ auf ein anderes Marktsegment ab. Zwar hatte auch er nach der Gründung vor vier Jahren zunächst mit der Entwicklung kleinerer Maschinen mit Elektroantrieb begonnen. Gerade wurden erste Entwicklungsphasen mit einem 9-Sitzer-Flugzeug abgeschlossen. Aber die „Wright 1“ soll eines Tages 186 Personen transportieren.

    Es gehe ihm schließlich nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch um wirtschaftlichen Erfolg, sagt Engler. Bei 45 Prozent aller Flüge weltweit wird eine Strecke von unter 500 Meilen zurückgelegt, 2016 befanden sich an Bord einer Maschine im Schnitt 111 Passagiere.

    Deswegen könnte die Wright 1 gut in das Portfolio von Easyjet passen – die Airline fliegt vornehmlich Kurzstrecken innerhalb Europas. Easyjet plant den Einsatz des Elektroflugzeugs, das nach derzeitigem Stand mit mindestens einem Dutzend 1,5-MW-Elektromotoren unter den Flügeln und einen Wechselrichter mit drei Kilovolt ausgestattet sein soll, auf Routen wie etwa Amsterdam-London.

    Dass Experten vor allem die Speicherkapazitäten als Problem für den elektronischen Flugverkehr sehen, bringt Engler nicht von seinen Plänen ab. In den vergangenen zehn Jahren habe die Entwicklung in der Batterietechnologie immense Fortschritte gemacht, das werde so weiter gehen.

    2021 sollen die ersten Tests am Boden durchgeführt werden, 2023 soll sich die Maschine in der Luft bewähren. Bisher kann Engler nur Videos seiner Vision zeigen. „Wir wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt“, sagt Engler, „aber ich glaube an die Zukunft der emissionsarmen Luftfahrt“.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum Airbus und Boeing in der Klimafalle stecken.

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