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Elektromobilität Vollladung in nur 30 Minuten: Alpitronic hat mit ultraschnellen Säulen sogar Tesla überholt

Innerhalb von drei Jahren ist der Südtiroler Mittelständler vom kleinen Ingenieurbüro zum führenden Anbieter in Deutschland geworden. Doch der Erfolg ist auch ein Problem für Alpitronic.
23.07.2021 - 03:35 Uhr 3 Kommentare
Der Energiekonzern aus Baden-Württemberg ist ein wichtiger Kunde und Wachstumstreiber des Südtiroler Unternehmens. Quelle: EnBW
Alpitronic-Schnellladesäule in Diensten von EnBW

Der Energiekonzern aus Baden-Württemberg ist ein wichtiger Kunde und Wachstumstreiber des Südtiroler Unternehmens.

(Foto: EnBW)

Düsseldorf Wer mit dem Elektroauto hierzulande an einer Schnellladesäule geladen hat, der tat das mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem Fabrikat von Alpitronic – ohne es zu wissen. Der Name des Unternehmens dürfte nur Eingeweihten etwas sagen, schließlich prangt er nicht auf der Säule. Vielmehr ist diese mit dem Logo der Kunden bedruckt: Firmen wie EnBW, Shell, Eon, Fastned, BP-Aral, Aldi, Lidl, Ewe-Go, Allego und Drewag gehören zu den größten Abnehmern des Südtiroler Mittelständlers.

Noch vor drei Jahren war Alpitronic nicht viel mehr als ein kleiner, spezialisierter Zulieferer mit 32 Mitarbeitern, der vor allem Leistungselektronik für Automobilhersteller entwickelte. Heute beschäftigt das Unternehmen 150 Mitarbeiter und wird 2021 nach eigenen Angaben knapp über 100 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften.

Geschäftsführer Philipp Senoner und seine Mitgründerin Sigrid Zanon sowie die Mitgründer Alessandro Ciceri und Andreas Oberrauch haben sich auf High Power Charger (HPC) spezialisiert, also ultraschnelle Ladesäulen mit einer Ladeleistung von 150 bis 300 Kilowatt (kW). Diese laden ein E-Auto im Idealfall innerhalb von 30 Minuten voll und werden von Politik und Wirtschaft als wichtiges Hilfsmittel angesehen, um die Elektromobilität voranzubringen und den Fahrern die Reichweitenangst zu nehmen.

Die Preise für eine 150-kW-Säule beginnen bei 42.000 Euro – sie kosten damit mindestens das 40-Fache einer Elf-kW-Wallbox für zu Hause. Vor allem Tankstellen und Energieunternehmen setzen auf die Express-Lader etwa an autobahnnahen Standorten.

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    Auf Marketing hat das Gründerteam bisher ganz verzichtet. „Wir sind sehr schlecht im Kommunizieren der Produkte. Die Kunden kommen zu uns“, sagt Philipp Senoner. Geholfen hätten neben der Mundpropaganda die guten Kontakte in die Autoindustrie. Für BMW etwa entwickelte Alpitronic 2017 eine Lade-Einrichtung für Testzwecke – die Basis für den heutigen Erfolg.

    Obwohl die Südtiroler erst 2018 in den Markt für Schnellladesäulen einstiegen, konnten sie sich gegen die Konkurrenz der internationalen Konzerne zum führenden HPC-Anbieter in Deutschland entwickeln, dem größten europäischen Markt für Ladesäulen. Mit 1.210 aktiven HPC-Säulen hat Alpitronic hierzulande sogar Tesla überholt, die bisher 970 aufgestellt haben.

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    Derzeit dominieren neben Alpitronic nur ausländische Firmen bei HPC-Ladern: die schwedisch-schweizerische ABB, das australisch-amerikanische Unternehmen Tritium und der taiwanesische Hersteller Delta. Die einzigen beiden deutschen Wettbewerber konnten den Südtirolern bisher nicht gefährlich werden. Die Firma Compleo bietet noch keine Leistungen über 100 kW an, und der Porsche-Partner ADSTec spezialisiert sich bislang auf die Nische der teureren akkuintegrierten Hochleistungslader.

    Ein deutscher Energiekonzern ist der Treiber des Wachstums

    Ein wichtiger Treiber des Wachstums von Alpitronic ist der Energiekonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW), der hierzulande mit über 300 HPC-Ladepunkten neben dem Ladekonsortium Ionity der größte Betreiber ist. Dabei stammen rund 50 Prozent der EnBW-Säulen von Alpitronic – und es werden immer mehr. In Nordrhein-Westfalen plant der Energiekonzern derzeit einen Ladepark mit 52 Schnellladepunkten.

    Alpitronic hat mit seinem „Hypercharger“ genannten Fabrikat das umgesetzt, was der Computerhersteller Apple bei seinem iMac verwirklichte: ein All-in-one-Gehäuse, das Bildschirm und Elektronik verbindet. Konkret für die Ladesäule bedeutet das: Sie ist zugleich Abgabeeinrichtung mit Display, an der das Auto per Stecker lädt, und Gleichrichter, der den Wechselstrom des Niederspannungsnetzes in einen Gleichstrom umwandelt. Mit diesem können die Batterien der Elektroautos geladen werden. „Das spart Platz, und der ist oft knapp“, sagt Ulf Schulte, Geschäftsführer beim Ladesäulenbetreiber Allego.

    Damit unterscheiden sich die Südtiroler wesentlich von der Konkurrenz, die den Gleichrichter in einem separaten Schaltschrank unterbringt. Dadurch entsteht doppelter Aufwand, denn es werden zwei Fundamente und Grabungsarbeiten nötig, was Alpitronic durch seine kompakte Bauweise umgeht.

    In der Software-Pflege scheint ein weiteres Erfolgsgeheimnis zu liegen. Das Team beharrt darauf, dass es über einen separaten Mobilfunkzugang verfügt – fast wie der US-Autobauer Tesla wollen sie die komplette Kontrolle über ihre Produkte behalten. Sie führen eine Wartungsakte für jede Säule und haben den Anspruch, die „zuverlässigsten Säulen“ am Markt zu bauen, wie Senoner sagt.

    Auf Marketingmaßnahmen hat das Team bislang verzichtet – sie waren nicht notwendig. Quelle: Alpitronic
    Gründerteam Andreas Oberrauch, Alessandro Ciceri, Sigrid Zanon und Philipp Senoner (v.l.)

    Auf Marketingmaßnahmen hat das Team bislang verzichtet – sie waren nicht notwendig.

    (Foto: Alpitronic)

    Kunden wie EnBW, Aral und Allego bestätigen das Eigenlob. „Früher lag der Fokus bei Säulen auf der Technik und dass sie überhaupt laden. Heute müssen Säulen intuitiv und kundenfreundlich bedienbar sein“, sagt Allego-Deutschlandchef Schulte. „Design spielt zunehmend eine Rolle, auch für die Kundenakzeptanz. Bei beidem ist Alpitronic gut.“ Schulte hat Alpitronic neu ins Programm genommen, um sein Zuverlässigkeitsproblem in den Griff zu bekommen. Das Unternehmen geht sogar dazu über, bestehende Standorte umzurüsten.

    Aber ganz allein auf einen Säulenanbieter will er wie viele von Alpitronics Kunden nicht setzen – aus Gründen der Risikostreuung. Tatsächlich sind die Säulenfertiger von der angespannten Chip-Situation am Weltmarkt betroffen. In den nächsten Monaten könne es zu längeren Lieferzeiten kommen, gibt Senoner zu.

    Viele Schnellladesäulen stehen in den Lagern

    Der Erfolg ist gleichzeitig auch ein Problem für Alpitronic: Das Unternehmen kann die hohe Nachfrage kaum bedienen – eine Herausforderung, um das gute Image nicht zu verspielen. Etwas Luft verschaffen Senoner aber die langen Vorlaufzeiten bei den Kunden, die einen Anschluss an das Mittelspannungsnetz brauchen. Dieser wird bei allen HPC-Säulen benötigt. „Relativ viele Hypercharger stehen in den Lagern und warten darauf, aufgestellt zu werden, da die Netzanschlüsse oft längere Zeit in Anspruch nehmen als die Lieferung der Ladesäule“, erzählt Senoner.  

    Immerhin sollen dieses Jahr zwischen 4500 und 5000 Hypercharger das Werk in Bozen verlassen – damit hätte sich die Produktion im Vergleich zu 2020 verdoppelt. Zudem will Alpitronic ein kompaktes 50-kW-Gerät vorstellen und könnte damit in Compleos wichtigstem Absatzfeld mitmischen.

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    Die Geräte mit geringeren Leistungen sind die hierzulande am meisten verbauten. Sie sind dort sinnvoll, wo man sich zwei bis drei Stunden aufhält, etwa in Restaurants oder Einkaufszentren, und wo es aufwendig oder nicht möglich ist, einen großen Netzanschluss zu legen – etwa in engen Tiefgaragen.

    Fragt man die Gründer, ob demnächst noch die 600-kW-Säule kommt, winken sie aber ab. „Es gibt gar kein Fahrzeug, das überhaupt 300 kW lädt“, sagt Senoner. Der Druck, höhere Leistungen zu bauen, ist also begrenzt. Die Zukunft werde zeigen, ob zuerst die Säulen den Geist aufgeben – sie sind für eine Lebensdauer von zehn Jahren ausgelegt –, oder Autos auf den Markt kommen, die so viel Leistung anfordern, dass die aktuelle Technik überholt ist.

    Mehr: „Es ist zu mühselig“: Wie Bürokratie den Ladesäulen-Ausbau verzögert

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    3 Kommentare zu "Elektromobilität: Vollladung in nur 30 Minuten: Alpitronic hat mit ultraschnellen Säulen sogar Tesla überholt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Solarthermie hat sich halt noch nie gerechnet. Bei den sommerlichen Temperaturen braucht man halt nicht viel Heizung und Warmwasser. Dasist ein Konstruktionsfehler. Was helfen würde : Verschattung der Anlage. Das kostet auch keinen wertvollen Strom.

      Einzig,wenn man mit der Wärme kühlt z.B. imSupermarkt, kann die Solarthermie einen sinnvollen Beitrag leisten.

    • @Herr Hans Bajohr
      Bravo guter Kommentar!
      Die Grünen führen mit ihrer e-Auto Ideologie den Umweltschutz ins Verderben!
      Die dann defekte Solarthermie ist wirklich dann ein Problem:
      WER HAFTET FÜR DIE STROMAUSFÄLLE?
      Übrigens sind bei uns im letzten Jahr 2 mal der Strom ausgefallen - was in den letzten 20 Jahren davor nur einmal war.
      Berichten Journalisten darüber? WÄRE EINE ANALYSE WERT.

    • Die Leistung für die Power-Ladesäulen kommt natürlich aus dem Netz, wo sie laut Frau Bearbock gespeichert ist. Den Rest übernehmen die Windmühlen. Kann ja nichts mehr schiefgehen in D.-land. Ich muß mir jetzt ein Notstromaggregat anschaffen um die Pumpen meiner Solarthermie zu betreiben, da bei uns für nächste Woche stundenweise Stromabschaltung angekündigt ist. Wenn die Pumpen nicht laufen habe ich um die Mittagszeit im Nuh 120 ° C im Kollektor, dann kann es zur Dampfbildung kommen und dann habe ich wieder einmal hohe 3-4 stellige Reparaturkosten. Weiter so mit dem Klimaschutz, E-Autos, Ladesäulen entlang der Autobahn bis zum bitteren Ende mit dem ganzen undurchdachten Schwachsinn.

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