Elektronikhandel Heißer Sommer sorgt für schwache Geschäfte bei Media Markt und Saturn

Bei den Elektronikketten wurde aufgrund der Hitze weniger eingekauft als erwartet. Für Ceconomy-Chef Haas ist das ein weiterer Rückschlag.
Update: 19.09.2018 - 09:34 Uhr Kommentieren
Media Markt und Saturn: Heißer Sommer sorgt für schwache Geschäfte Quelle: Reuters
Media Markt

Der Elektronikhändler hat im Sommer weniger Kundenzulauf gehabt als erwartet.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDer heiße Sommer hat bei Ceconomy für Rückgänge im operativen Geschäft gesorgt: Der Mutterkonzern der Elektronikhändler Media Markt und Saturn senkte in der Nacht zu Mittwoch seine Ertragsprognose und erwartet weniger Gewinn als noch im vergangenen Geschäftsjahr. Aber auch der Fahrplan zum Erreichen der Mittelfrist-Ziele wackelt.

„Wir hatten im Juli und August enttäuschende Umsätze sowohl bei Media Markt als auch bei Saturn“, sagte Ceconomy-Chef Pieter Haas, „Wir sind deshalb zum Schluss gekommen, dass wir unsere Guidance anpassen müssen.“ Die Ceconomy-Aktien schickte er mit diesen Aussagen in den Sinkflug: Sie stürzten zeitweise um rund neun Prozent ab.

„Wir sind nicht da, wo wir sein wollen“, gestand Finanzchef Mark Frese ein: „Wir werden jetzt jeden Stein umdrehen.“ Ceconomy erwarte nun für das Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September) ein Ebitda zwischen 680 und 710 Millionen Euro nach 714 Millionen Euro im Vorjahr. Der operative Gewinn (Ebit) werde zwischen 460 und 490 Millionen Euro liegen. Im Vorjahr standen hier noch 494 Millionen Euro in der Bilanz.

Zuvor hatte Konzernchef Haas eine Steigerung der beiden Kennzahlen im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich prognostiziert. Laufe der September gut, könne Ceconomy am oberen Ende der neuen Spanne landen, stellte er in Aussicht. Der Marktkonsens der Analysten liege bei rund 500 Millionen Euro beim operativen Ertrag (Ebit), sagte Haas: „Das können wir noch immer erreichen.“

Die Senkung der Prognose liege vor allem an der enttäuschenden Entwicklung des Deutschland-Geschäfts im vierten Quartal. Das ungewöhnlich heiße Wetter im Juli und August habe zu einem „erheblichem Umsatz- und Ergebnisdruck“ geführt. Haas hatte bereits im August beklagt, bei der Hitze dächten die Verbraucher nicht ans Einkaufen.

Die Prognose-Senkung dürfte aber den Druck auf ihn erhöhen. Großaktionär Haniel kritisierte zuletzt die Kursentwicklung der Ceconomy-Aktie. „Die Wertentwicklung ist eine Enttäuschung, das sieht jeder, der auf den Kurszettel schaut“, hatte Haniel-Chef Stephan Gemkow erklärte.

Erneuter Rückschlag für Pieter Haas

Der Ceconomy-Chef versucht, das operative Geschäft und damit den Aktienkurs in Schwung zu bringen. Er setzt auf eine bessere Verschränkung des Online-Geschäfts mit den Filialen, auch das Service-Geschäft will er ankurbeln. Zudem will er die Kosten drücken. Doch das reichte nicht aus, um seine Gewinnziele zu erreichen.

Bereits der Start ins Geschäftsjahr mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft hatte Ceconomy Rückschläge gebracht – vor allem ein erbitterter Preiskampf hatte damals den Gewinn verhagelt. Haas hatte versucht, dies aufzuholen. Nun machte Ceconomy das schwächelnde Deutschland-Geschäft einen Strich durch die Rechnung.

„Wir haben unsere strategischen Initiativen in Deutschland nicht schnell genug umgesetzt“, räumte Haas zudem ein. „Das bedeutet, dass wir den Fokus noch stärker auf Media Markt und Saturn legen werden“, betonte er: „Das ändert aber nicht unsere strategische Ausrichtung und unsere Mittelfrist-Ziele.“

Deren Erreichen könnte laut Frese aber länger dauern als bei der Verkündung der Ziele im Dezember 2016 angenommen: „Wir haben die Herausforderungen unterschätzt.“ Ceconomy müssen prüfen, „ob wir mehr Zeit brauchen, um das zu erreichen“, sagte er mit Blick auf den Zeitplan, der drei bis fünf Jahre zum Erreichen der Ziele vorsieht.

Zudem baut der Konzernchef das Filialnetz in der Türkei aus. Dort habe der Konzern die Umsätze in diesem Jahr zweistellig gesteigert und Marktanteile gewonnen. Doch angesichts der jüngsten politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen blickt Haas mit einer „gewissen Sorge“ auf die jüngste Wachstumshoffnung seines Unternehmens. 69 Läden betreibe Ceconomy in dem Land, bis zu 20 weitere seien geplant. Ob die wie geplant in den nächsten zwei, drei Jahren eröffnet werden, sei derzeit aber fraglich.

Auch der Online-Modehändler Zalando hatte erst am Dienstag erneut seine Prognose gekürzt und die auch auf die ungewöhnlich hohen Temperaturen und den langen Sommer zurückgeführt. Das Unternehmen rechnet damit, im Gesamtjahr nur noch ein Umsatzplus am unteren Ende der angestrebten 20 bis 25 Prozent erzielen zu können. Nach der letzten Prognosesenkung Anfang August war Zalando noch davon ausgegangen, in der unteren Hälfte der Spanne landen zu können.

Auch beim bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) ist das Unternehmen noch pessimistischer als vor einigen Wochen: Hier traut sich Zalando nur noch 150 bis 190 Millionen Euro zu, nachdem der Konzern zuletzt noch das untere Ende der bisher gesteckten Prognose von 220 bis 270 Millionen Euro angepeilt hatte.

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