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Elektronikhandel Warum Loewe auf dem Markt für Fernseher keine Chance mehr hatte

Die traditionsreiche Marke verschwindet derzeit aus den Läden. Dabei ist das Geschäft mit TV-Geräten für Händler wie Media Markt weiter lukrativ.
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Warum Loewe auf dem Markt für Fernseher keine Chance mehr hatte Quelle: dpa
Fernseher von Hisense

Das Unternehmen aus China zählt zu den größten TV-Herstellern weltweit.

(Foto: dpa)

München Die Lichter sind erloschen, die Bänder stehen still. Es ist völlig ungewiss, ob bei Loewe im fränkischen Kronach jemals wieder Fernseher gebaut werden. Das Traditionsunternehmen ist pleite, der Insolvenzverwalter sucht einen Investor.

„Die hatten früher eine große Bedeutung im Markt und haben sich durch hochwertiges Design und Qualität ausgezeichnet“, erinnert sich Michael Malessa, Geschäftsführer des Media Markts im Berliner Einkaufszentrum Alexa. Es ist die größte Filiale der Kette in Deutschland und eine der umsatzstärksten sowie innovativsten bei Europas größtem Elektronikhändler.

Die Flachbildschirme hätten Loewe jedoch seines wichtigsten Vorteils beraubt, meint Malessa: „Den großen Designunterschied gibt es nicht mehr.“ Loewe verschwindet in diesen Tagen aus den Regalen, so wie viele andere alteingesessene deutsche Marken in den vergangenen zwei Jahrzehnten. An Graetz, Saba oder Telefunken erinnert sich kaum noch jemand.

Für die Elektronikhändler sind die Fernseher allerdings nach wie vor enorm wichtig. „Das ist eine sehr umsatzstarke Warengruppe“, sagt Malessa. Nur sind es eben keine Apparate von einheimischen Hersteller mehr, sondern vor allem Marken aus Fernost, die inzwischen in den deutschen Wohnzimmern stehen.

Ungeachtet des Booms der Smartphones gehören für die meisten Konsumenten Fernseher zum Haushalt. Im Schnitt schauen die Leute jeden Tag gut dreieinhalb Stunden TV, nur unwesentlich weniger als noch vor ein paar Jahren.

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Vergangenes Jahr haben die Händler hierzulande etwa 6,8 Millionen Geräte verkauft, etwas weniger als 2017. Für die Branche war das enttäuschend, war es doch das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft, und die Anbieter hatten auf ein Plus gehofft.

Andererseits gingen den Marktforschern der GfK zufolge damit etwa eine Million mehr Apparate über die Tresen der Läden als 2006, dem Jahr der WM in Deutschland. So schlecht läuft das Geschäft also nicht.

Vom Boom zum Beginn des Jahrzehnts ist die Industrie indes weit entfernt. Im mit Abstand besten Jahr 2011 setzten die Läden fast zehn Millionen Stück ab. Entsprechend haben sich auch die Umsätze der Händler entwickelt. 2018 erwirtschafteten sie mit TV-Apparaten gut vier Milliarden Euro, etwa so viel wie in den Jahren zuvor; aber ein Drittel weniger als im Spitzenjahr 2011.

Für ein neues, modernes Gerät geben die Menschen in Deutschland im Schnitt rund 600 Euro aus, das hat sich seit Anfang des Jahrzehnts fast nicht verändert. Aber die Apparate können jedes Jahr mehr. Videos aus dem Internet auf dem Fernseher zu genießen ist für viele Käufer inzwischen geradezu selbstverständlich.

„Immer mehr Konsumenten wollen wissen, ob sie auf einem Gerät auch Netflix schauen können“, weiß Klaus Witte, TV-Experte des Berliner Media Markts.

Anbieter aus Südkorea und China vorne

Mit Abstand größte TV-Marke weltweit ist Samsung aus Südkorea mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent. Es folgen der chinesische Anbieter TCL und LG, ebenfalls aus Südkorea, mit jeweils gut elf Prozent. Zu Beginn des Jahrtausends lagen noch japanische Marken vorne.

Doch die Anbieter aus Südkorea und zuletzt auch aus China haben Sony, Panasonic, Sharp und Toshiba überholt. Unter den fünf führenden Konzernen sind jetzt drei aus China, neben TCL auch Hisense und Skyworth.

Die Chinesen kennen sich gut aus in Deutschland. Mit Hisense hatte Loewe schon 2013 eine weitreichende Partnerschaft vereinbart. Heute zählt der Konzern eigenen Angaben zufolge mehr als 75.000 Mitarbeiter – und kann auf die Franken schon lange verzichten.

So ging es auch TCL, die bereits 2002 aus der Insolvenz heraus Schneider übernahmen. Skyworth schließlich erwarb 2015 die TV-Sparte des insolventen Familienunternehmens Metz. Die Markennamen seien in dem Geschäft allerdings nicht so wichtig, so Marktleiter Malessa: „Es gibt schon auch Kunden, die nach einer speziellen Marke fragen. Am Ende zählt dann aber meist die Bildqualität.“

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Bei den Händlern stehen Billiggeräte für 99 Euro genauso im Regal wie Nobelapparate in den Ausmaßen eines Garagentores für mehrere Zehntausend Euro. Dem Branchenverband GfU zufolge ist ein größeres Display für die Konsumenten der wichtigste Grund, sich einen neuen Fernseher zuzulegen.

Jeder zehnte Kaufinteressent bevorzuge ein Modell mit einer Bildschirmdiagonale von mehr als 65 Zoll, also rund 1,65 Meter. Das sind die Ausmaße eines ordentlichen Schreibtisches. An zweiter Stelle steht der Wunsch, ein Modell mit Internetzugang zu bekommen.

Diese Riesengeräte schleppt niemand gerne nach Hause. Zudem sind die Fernseher vielen Kunden zu komplex. Für Händler wie Media Markt ist das eine Chance: „Der Beratungsbedarf ist groß. Und viele Käufer buchen auch den Einrichtungsservice, um das Optimale aus Ihrem TV rauszuholen“, so Berater Witte.

Viele einst strahlende deutsche Marken tauchen heute nur noch als Aktionsware in den Elektronikmärkten auf. Ob es Loewe bald auch so geht? Der Mittelständler beschäftigte zuletzt noch gut 400 Mitarbeiter, ein Klacks gegenüber den gewaltigen Konzernen aus Asien.

Die allermeisten Arbeitnehmer stehen inzwischen auf der Straße, nur eine kleine Mannschaft wickelt noch den Betrieb ab. Derweil sucht die Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers nach einem Käufer.

Das TV-Geschäft aber wird weiter gehen, mit oder ohne Loewe. Auf der Funkausstellung in Berlin präsentieren die Hersteller Anfang September ihre neuesten Modelle. Schwer im Kommen: Geräte mit 8K-Auflösung, also gestochen scharfen Bildern. Die Preise momentan: jenseits von 3000 Euro.

Mehr: Ein Jahrzehnt lang gingen die Pleiten in Deutschland zurück. Damit ist wohl bald Schluss. Eine große Insolvenzwelle droht aber nicht – aus zwei Gründen.

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1 Kommentar zu "Elektronikhandel: Warum Loewe auf dem Markt für Fernseher keine Chance mehr hatte"

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  • Loewe trauere ich sehr nach: für Jahrzehnte waren alle meine Fernseher von diesem Unternehmen.
    Meine Meinung für den Grund des Verschwindens der "kleinen" europäischen Fernsehhersteller unter den großen ostasiatischen ist, daß sie einen gemischt kommerziellen-privaten Nischenmarkt besetzen müssten. um diesen dann mit Partnern zu einem großen, vielleicht Milliarden-Geschäft auszubauen.
    Eine derartige Nische öffnet sich gerade mit der "Linguistischen Künstlichen Intelligenz", die primär textorientiert ist, aber eine zumindest halbautomatische, qualitativ sehr hochwertige Visualisierungs-Komponente für die bearbeiteten und erzeugten Textinhalte braucht - so etwas wie ein PowerPoint für dieses Jahrhundert und für sehr hochwertigen Bildschirmen, auf denen die Ergebnisse dann zu Hause, im Büro bis hin zum Vortragsraum konsumiert und weiterbearbeitet werden können. Daß die Geräte dann auch Fernsehen und Internet "können", versteht sich von selbst.
    Vielleicht wäre es eine gute Idee für den Konkursverwalter, Loewe den großen Software-Unternehmen wie Microsoft oder SAP oder ... im Paket mit einem entsprechenden Innovations- und Produktkonzept anzubieten?

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