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Elektroschrott Wenn der Paketdienst zum Entsorger wird

Der zu schwache Föhn, der ausgediente DVD-Player oder das alte Handy: Im Alltag gibt es ständig Elektro-Geräte, die entsorgt werden sollen. Ab Montag wird der Handel verstärkt in die Verantwortung genommen.
Abe dem 25. Juli müssen auch Onlinehändler ausgediente Elektrogeräte zurücknehmen. Quelle: dpa
Elektroschrott

Abe dem 25. Juli müssen auch Onlinehändler ausgediente Elektrogeräte zurücknehmen.

(Foto: dpa)

Hannover/Berlin Es ist alt, hat einen Stecker oder Batterien und soll weg. Okay. Nur wohin? Für ausgediente kleinere Elektrogeräte gibt es eine Alternative zum Wertstoffhof: Der Internethandel lässt an Paketstationen Geräte einsammeln. Fragen und Antworten zum Thema:

Was ist neu?
Ausgediente kleine Elektrogeräte müssen ab Montag, dem 25. Juli, auch von Online-Händlern zurückgenommen werden – kostenlos und ohne Kassenbon. Dann greift auch für sie ein Gesetz, das für mehr Recycling sorgen und die Umwelt entlasten soll. Für den stationären Einzelhandel gilt das Gesetz auch - aber viele Geschäfte nahmen Elektrogeräte sowieso schon freiwillig zurück. Zum Beispiel, um neue Kunden zu gewinnen.

Wie läuft die neue Rückgabemöglichkeit in der Praxis ab?
Dienstleister helfen den Händlern, die Rücknahme zu organisieren. Etwa European Recycling Plattform (ERP): Altgeräte bis 31,5 Kilogramm und Kantenlängen von höchstens 120 mal 60 mal 60 Zentimetern können bei mehr als 50 000 Filialen eines Paketdienstes kostenlos abgegeben werden. Dafür stellt der Online-Händler im Internet einen Link zur Verfügung, über den die Verbraucher den nötigen Paketaufkleber ausdrucken. Für alles Größere und Schwerere gebe es „individuelle Abhol- und Entsorgungslösungen“. Auch der Anbieter WEEE Return bietet Abgabe- und Versandstellen an. Für die Kunden ist es letztlich wohl nicht so wichtig, mit wem sein Händler zusammenarbeitet.

Wie kann man Elektroschrott sonst noch loswerden?
Üblich sind die kommunalen Sammelstellen, oft Wertstoffhof genannt. Der Einzelhandel muss Altgeräte auch zurücknehmen - kleinere einfach so, größere dann, wenn ein neues Gerät gekauft wird. Einen Kassenbon muss man dazu nicht mitbringen. Aber auch Entsorgungsfachbetriebe sind in dem Kreislauf dabei, sie bieten teils sogar Prämien für die Rückgabe an und holen größere Mengen Elektroschrott auch direkt aus Unternehmen ab.

Das sind die beliebtesten Elektronikhändler
Platz 11: Medimax
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Der OC&C Proposition Index zeigt, wie zufrieden Kunden mit Händlern sind. Die Unternehmensberatung OC&C befragte 30.000 Menschen zu den Leistungen von 600 Einzelhändlern. Dabei wird auf Grund von Einzelwertungen zu Preis, Qualität, Auswahl, Einkaufserlebnis, Service und Kundenvertrauen ein Index von 0 bis 100 Punkten erstellt.

Medimax ist eine Tochter der Handelsgruppe Electronic Partner mit 120 Standorten in Deutschland. Die Marke tritt in Form von eigenen Filialen und Franchise-Märkten auf. Auf dem Proposition Index erreicht Medimax einen Wert von 65,5 Punkten.

Quelle: OC&C Proposition Index

(Foto: PR)
Platz 10: Electronic Partner
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Eine weitere Marke des Händlerverbunds Electronic Partner folgt auf Platz 10. Unter dem Namen EP: Electronic Partner betreiben in Deutschland selbstständige Fachhändler ihre Läden. Die Marke erreicht auf dem Index einen Wert von 67,1 Punkten. Ein Wert von 75 Indexpunkten und höher ist laut OC & C als sehr gutes Ergebnis zu werten, Werte unterhalb von 70 würden auf Schwächen in einzelnen Bereichen hinweisen.

(Foto: PR)
Platz 9: billiger.de
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Das Preisvergleichsportal billiger.de war einer der Pioniere im deutschen E-Commerce. Das Portal gehört mit über zwei Millionen Besuchern pro Monat zu den Reichweitenstärksten in Deutschland. Kritiker wenden allerdings ein, dass die Seite tatsächlich nicht alle im Internet verfügbaren Angebote vergleicht, sondern nur von Händlern, die Verträge mit der Plattform abgeschlossen haben. Bei den Kunden erreicht die Plattform billiger.de im Schnitt 69,4 Punkte.

(Foto: dpa/picture-alliance)
Platz 8: Euronics
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Die Einkaufsgemeinschaft Euronics ist der zweitgrößte Käufer von Elektrogeräten in Deutschland. Zu den Mitgliedern der Genossenschaft zählen Euronics oder Euronics XXL. Die Kunden geben dem Anbieter auf dem Index 70,1 Punkte.

(Foto: PR)
Platz 7: Expert
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Als Handelsgesellschaft „Bild + Ton“ 1962 gegründet, ist die Expert AG heute eine Fachhandelskooperation für Elektronik und IT. Die Unternehmensgruppe, zu der auch ein Versicherungsdienstleister gehört, tritt als Groß- und Einzelhändler auf. Expert erhält von den Kunden im Schnitt 70,8 Punkte.

(Foto: dpa)
Platz 6: notebooksbilliger.de
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Notebooksbilliger.de ist ein 2004 gegründeter Online-Versandhändler für Softwareprodukte, Notebooks und andere Elektronikgeräte. Ferner verkauft das Unternehmen, das von 2006 bis 2007 ein eigenes Team im Profi-Radsport hatte, auch einen hauseigenen Energydrink unter dem Namen „Raubtierbrause“. Ob dieser Drink einen nennenswerten Effekt auf die Bewertung mit 71 Punkten hatte, ist nicht bekannt.

(Foto: Screenshot)
Platz 5: Cyberport
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Der zum Burda-Konzern gehörende Händler Cyberport betreibt seit 1999 einen Onlineshop für Elektronikgeräte sowie Hard- und Software. Mittlerweile gibt es auch ein eigenes Ladennetzwerk. Seit 2007 hat das Unternehmen seine Kundenzahl auf 606 Millionen im Jahr 2014 annähernd verfünffacht. Die Kunden bewerten den Händler mit 72,6 Punkten.

(Foto: Screenshot)

Warum soll der Elektroschrott nicht einfach im Müll landen?
Um die Umwelt zu schützen und Ressourcen zu schonen. Beispiel Kühlschrank: Da muss ein Gemisch aus Kühlmittel und Öl abgesaugt werden. In alten Geräten steckt oft auch noch das klimaschädliche Gas FCKW. Handys, Computer und Co. enthalten zudem wertvolle Metalle wie Gold, Kupfer und Silber - und Fachbetriebe holen sie aus Bauteilen wieder heraus. Die Firma Robert Doormann aus Hannover etwa berichtet, dass für nur ein Gramm Gold in afrikanischen Minen rund zwei Tonnen Gestein aus großer Tiefe gefördert und aufbereitet werden müssen. Alternativ lasse sich das mit etwa fünf ausgedienten PCs erreichen.

Steckt da auch ein Geschäft dahinter?
Klar, das lohnt sich. Doormann zufolge ist Wiederverwertung „eine ernstzunehmende Alternative und Ergänzung zur bergmännischen Förderung“ der Metalle. Die Industrie setzt heute laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sogar schon High-Tech-Textilien ein, die wertvolle Materialien in Staubkorngröße aus den Abwässern der Fabriken filtern.

Welcher Grundgedanke steht dahinter?
Die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung geht auf die 1990er Jahre zurück. Schon damals brachte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein Konzept auf den Weg, bei dem die Hersteller für Produkte zuständig sind bis zum Lebensende - also bis zur Entsorgung oder Wiederverwertung. Diese Bürde sollten nicht länger Verbraucher oder Staaten tragen müssen. Ausrangierte Rasierer, Bohrmaschinen, Computermäuse und so weiter einfach in den Restmüll zu werfen, ist schon seit 2006 verboten. In die Wertstofftonne gehört Elektroschrott übrigens auch nicht.

Bringt die Neuerung einen großen Schub für das Recycling?
Die Branche zweifelt. „Wir halten das Gesetz für unsinnig, weil wir glauben, dass es einen Zusatznutzen nur in homöopathischen Dosen bringt“, sagt der Chef des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel, Christoph Wenk-Fischer. Denn nach wie vor nähmen ja auch die zumindest in größeren Städten oft nahen Recyclinghöfe Altgeräte an.

  • dpa
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