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Elumeo Heftiger Streit tobt hinter den Kulissen des „Juwelo“-Betreibers

Thailändische Partner werfen Elumeo-Gründer Boyé vor, die dortige Schmuckfabrik ausgenommen zu haben. Er will die Vorwürfe auf der Hauptversammlung widerlegen.
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Betreiber Elumeo warnt in seinem jüngsten Geschäftsbericht vor einem bestandsgefährdenden Liquiditätsrisiko. Quelle: elumeo
Schmuck von Juwelo

Betreiber Elumeo warnt in seinem jüngsten Geschäftsbericht vor einem bestandsgefährdenden Liquiditätsrisiko.

(Foto: elumeo)

Hamburg Diamanten halten bekanntlich ewig. Elumeo-Gründer Wolfgang Boyé allerdings ist angetreten, um diese Weisheit aufzuheben. Die Edelsteine, so war sein Plan, sollten zu einem schnelllebigen Modeartikel werden. Billig in einer eigenen Fabrik in Thailand zusammengelötet und in Europa über den Shoppingsender „Juwelo“ verkauft, würde Elumeo Diamanten zum lukrativen Modeschmuck machen.

So lautete das Versprechen, mit dem der frühere Werber erst die thailändische Industriellenfamilie Jamratkittiwan köderte, 2015 dann auch die Anleger, die zum Börsengang 25 Euro je Aktie zahlten.

Der Traum von den Mode-Diamanten ist zerplatzt. Bei der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch in Berlin droht ein heftiger Streit. Die Aktie tauchte in den vergangenen Wochen zeitweise unter die Marke von einem Euro. Kein Wunder: Elumeo warnt in seinem jüngsten Geschäftsbericht vor einem bestandsgefährdenden Liquiditätsrisiko – also vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit.

Das liegt nicht nur am Umsatzeinbruch um ein Viertel auf 55 Millionen Euro und den 25 Millionen Euro Konzernverlust 2018, sondern auch an juristischen Auseinandersetzungen mit den thailändischen Geldgebern und ehemaligen Managern der im Herbst geschlossenen Fabrik. Die Thailänder werfen Boyé und seinem Manager vor, die Produktionstochter ausgenommen zu haben und Rechnungen über 35 Millionen Euro nicht beglichen zu haben.

Elumeo habe die „Konzerngesellschaft und die Konzernmitarbeiter vorsätzlich über die Klinge springen lassen“, heißt es in einer Klage. Den örtlichen Managern droht demnach sogar eine Gefängnisstrafe, weil sie eine persönliche Haftung für Gehälter und Kredite übernommen haben sollen. Auch die thailändische Politik sei auf den Verlust von über 600 Arbeitsplätzen aufmerksam geworden.

7,7 Millionen Euro hat Elumeo für die Fabrikschließung bereits zurückgestellt. Die Kläger wollen beim Landgericht Berlin 10,2 Millionen Euro erkämpfen – angeblich, um die Bürgschaften von lokalen Managern und Investoren zu decken.

Das Elumeo-Management hält die Klage, die eine Münchener Treuhandgesellschaft für die zur Liquidation vorgesehene Produktionstochter PWK führt, für aussichtslos. „Der Verwaltungsrat der Elumeo SE hat die Vorwürfe umfassend analysiert und externe rechtliche Berater hinzugezogen. Die Rechtsberater und der Verwaltungsrat sind der Auffassung, dass die in der Öffentlichkeit benannten Ansprüche substanzlos sind“, teilte Boyé auf Anfrage mit. Die Darstellungen seien schlichtweg „wahrheitswidrig“.

Detailliert wolle er auf die Vorwürfe allerdings erst auf der anstehenden Hauptversammlung eingehen. Den Geschäftsbericht 2018 konnte er erst mit wochenlanger Verspätung veröffentlichen. Darin räumt die Zentrale ein, das Management in Thailand nicht mehr im Griff zu haben.

Fabrik als Belastung

Boyé sieht die einst als strategischen Kern gefeierte Fabrik schon länger als Belastung für Elumeo. Die Stärke der thailändischen Währung Baht ließ die Produktionskosten steigen. Zudem konnten Elumeos Verkaufskanäle nicht so viel Schmuck absetzen wie erhofft, sodass Kapazitäten unausgelastet blieben – vor allem, nachdem der erfolglose britische Verkaufssender abgeschaltet werden musste.

Inzwischen arbeiten die Berliner mit mehreren Auftragsfertigern in unterschiedlichen Ländern zusammen. Das soll billiger sein und mehr Produktvielfalt bringen.

In einer ähnlichen Krise steckt der dänische Modeschmuckproduzent Pandora, der ebenfalls in Thailand produziert und ein Vorbild für Elumeos Strategie war. 1900 von 14.000 Jobs gingen in der thailändischen Pandora-Produktion in den vergangenen Monaten verloren, auch die Aktie hat stark eingebüßt.

Die Klage, die dem Handelsblatt vorliegt, wirft dem Management um Boyé vor, die Tochter „gezielt und gewollt“ in die Probleme getrieben zu haben. Zwischen Januar und September 2018 habe die Zentrale sich zwar Schmuck liefern lassen, aber nicht bezahlt. Daher habe die Fabrik ihre Rechnungen etwa für Strom und Gehälter nicht mehr zahlen können.

Nach thailändischem Recht müssten die dortigen Direktoren persönlich für nicht gezahlte Löhne haften und daher womöglich längere Haftstrafen antreten, behaupten die Kläger. Großaktionär Teerasak Jamratkittiwan hatte 2014 zunächst 7,5 Millionen Euro in die Fabrik investiert. Später habe Elumeo die Fabrik gekauft, dafür hätten die Direktoren gebürgt.

Der Elumeo-Verwaltungsrat sieht die Vorwürfe der Kläger – „Betrug und (Konzern-)Untreue“ zulasten der thailändischen PWK, zudem „sittenwidrige Schädigung“ – laut Geschäftsbericht als „substanzlos“ an. Die Anspruchsgrundlagen seien rechtlich nicht haltbar. Die „spezifischen Besicherungsverhältnisse“ der Kreditgeber in Thailand ließen allerdings geringe finanzielle Belastungen aus der Fabrikschließung erwarten.

Boyé setzte den Schritt gegen den Widerstand aus Thailand durch. Er soll Ende September in einer kurzfristig einberufenen Vorstandssitzung diejenigen Manager gefeuert haben, die den thailändischen Miteigentümern nahestanden.

Diese leiden nun unter ihrem mangelnden Einfluss: Mit dem gut 26-prozentigen Anteil an den Aktien, die sie über eine Stiftung halten, können sie wenig dagegen ausrichten , dass die Produktion in ihrer Heimat gekappt wurde. Sie hoffen, bei der Hauptversammlung freie Aktionäre überzeugen zu können, mit ihnen für eine Sonderprüfung zu stimmen – als Voraussetzung für mögliche Schadensersatzansprüche.

Gründer Wolfgang Boyé dagegen will die Aktionäre davon überzeugen, dass die Kläger ihrerseits nur ihren eigenen Vorteil im Blick haben.

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