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Entlassungen Niedergang der E-Zigarette – Juul steckt in der Krise

Mysteriöse Vaping-Tote und der Gegenwind aus der Politik haben Konsequenzen: Der E-Zigaretten-Hersteller Juul entlässt 500 Mitarbeiter.
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Die Dampf-Zigarette steht weltweit in der Kritik. Quelle: dpa
E-Zigarette Juul

Die Dampf-Zigarette steht weltweit in der Kritik.

(Foto: dpa)

New York Die Welt der E-Zigaretten steckt in der Krise: Der größte Hersteller Juul will 500 Mitarbeiter entlassen. Das zeigt, wie schwer die jüngsten Skandale um abhängige Teenager und mysteriöse Lungenkrankheiten auf dem Unternehmen lasten.

Bisher kannte der E-Zigaretten-Hersteller Juul eigentlich nur eine Richtung: nach oben. Das Unternehmen aus San Francisco war eines der wertvollsten Einhörner – also jene Start-ups, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind. Der Tabakkonzern Altria hatte Juul mit 36 Milliarden Dollar bewertet, als er sich im Dezember für 13 Milliarden Dollar eine Beteiligung von 36 Prozent sicherte.

Es war ein denkbar schlechter Zeitpunkt für den Einstieg: Seit Anfang des Jahres häufen sich die Todesfälle von E-Zigaretten-Rauchern. Seltsame Lungenkrankheiten sind der Grund. Auch wenn Juul nicht direkt mit den Todesfällen in Verbindung steht, so hat sich die Stimmung gegen E-Zigaretten gedreht.

Die mysteriöse Todesserie ist nicht das einzige Problem der Anbieter. Kritiker klagen, dass die Anbieter von E-Zigaretten mit ihrem Marketing direkt Teenager ansprechen und nicht nur Raucher, die vom Tabak wegkommen wollen.

Darüber hinaus sollen Nikotinwerte – also der eigentliche Suchtstoff – in den elektronischen Zigaretten teils deutlich höher sein als in klassischen Zigaretten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb gegen verschiedene Hersteller.

Sogar den US-Präsidenten hat die Vaping-Sucht der Jugendlichen auf den Plan gerufen: Donald Trump forderte zuletzt, sämtliche Geschmacksrichtungen wie Frucht und Mint für E-Zigaretten zu verbieten und nur noch den klassischen Tabakgeschmack zuzulassen.

Gerade die süßlichen Geschmacksrichtungen sind die Einsteigervarianten, die auch Nichtrauchern schmecken und sie damit locken. Für Juul machen diese Geschmacksrichtungen allerdings 80 Prozent der Verkäufe aus.

Wegen all dieser Probleme trat Juul-Chef Kevin Burns bereits im September zurück und entschuldigte sich für die Vaping-Epidemie unter Teenagern. Mittlerweile steht K.C. Crosthwaite an der Spitze von Juul, ein Topmanager des Marlboro-Herstellers Altria. Er soll das teure Investment retten. Dabei bringt er seine langjährige Erfahrung in der Tabakindustrie mit, die in der Vergangenheit oft mit Behörden und Gerichten zu tun hatte.

Altria-Manager greift durch

Die geplanten Entlassungen sind Teil einer größer angelegten Reorganisation von Juul. Das Unternehmen brauche ein „nötiges Reset“, betont der neue Chef Crosthwaite. Er will vor allem die Beziehung zu den Aufsichtsbehörden kitten.

Dazu gehört auch, das Marketingbudget zu kürzen und Kampagnen gegen Vaping für Jugendliche zu fahren. Ziel sei es, „eine Lizenz zu erlangen, mit der wir in den USA und weltweit operieren können“, teilte der Juul-Chef mit.

Die Probleme haben nicht nur die Beziehung zwischen dem E-Zigaretten-Hersteller und seinem Großaktionär Altria erschüttert. Sie haben auch die Fusionsgespräche zwischen Altria und Philip Morris International beendet. Die beiden wollten sich eigentlich wieder zusammenschließen, und für Philip Morris International war vor allem Altrias Beteiligung an Juul interessant.

Doch mit den jüngsten Skandalen bei Juul haben die beiden die Fusionsverhandlungen abgebrochen. Philip Morris International konzentriert sich nun wieder auf die eigene E-Zigaretten-Variante Iqos. Die wurde, anders als Juul, von der FDA autorisiert.

Für Altria hat das Juul-Debakel auch finanzielle Folgen. Die Analysten der Ratingagentur Fitch kamen in einer Studie zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit „deutlich gestiegen“ sei, dass Altria sein Juul-Investment abschreiben wird.

Altria legt an diesem Donnerstag – ausgerechnet an Halloween – die Quartalszahlen vor. Die Investoren erwarten klare Aussagen, wie es mit der Juul-Beteiligung weitergeht. Im vergangenen Quartal hatte das Unternehmen bereits seine Erwartungen für das Gesamtjahr nach unten geschraubt – und damit die Anleger verschreckt. Die neue Skepsis gegenüber der E-Zigarette dürfte den Druck auf die Altria-Aktie weiter erhöhen.

Mehr: Der Zigarettenkonzern Philip Morris versucht, seine Kunden zum Umstieg auf den Tabakerhitzer „Iqos“ zu bewegen. Ein Werbeverbot könnte das nun verhindern.

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