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Essenslieferant Delivery Hero verdoppelt den Umsatz – und macht trotzdem weiter Verlust

Das Geschäft der Lieferdienste boomt in der Pandemie. Davon profitiert auch Delivery Hero. Gewinne schreibt der Essenslieferant aber weiterhin nicht.
10.02.2021 Update: 10.02.2021 - 11:00 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen profitiert von der Coronakrise. Quelle: dpa
Essenslieferdienst Delivery Hero

Das Unternehmen profitiert von der Coronakrise.

(Foto: dpa)

Hamburg Der Corona-Boom hat dem Essenslieferdienst Delivery Hero im vergangenen Jahr zu einem Rekordumsatz verholfen. Die Erlöse verdoppelten sich nahezu auf 2,8 Milliarden Euro, wie das Berliner Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Damit sinkt das Wachstumstempo im Vergleich zum Vorjahr. Während das Europageschäft stark bereinigt erstmals einen kleinen Jahresgewinn ausweist, verzeichnete der Konzern im neunten Jahr seines Bestehens unter dem Strich weiterhin deutliche Anlaufverluste.

Mit den Zahlen bestätigte Delivery Hero seine eigenen Prognosen. Konkret legte der Umsatz währungsbereinigt um 93 Prozent zu. Damit dürfte Delivery Hero mit Abstand der wachstumsstärkste Dax-Konzern sein. Im Vorjahr schafften die Berliner allerdings sogar ein Plus von 120 Prozent, auch wegen Zukäufen.

Die Coronakrise hielt die Berliner nicht davon ab, ihr Wachstumsziel damit zu erreichen. Die Gründe sind unterschiedlich: Einerseits sind in vielen Ländern Restaurants geschlossen, sodass Delivery Hero weniger Lieferungen vermitteln kann. Andererseits steigt die Nachfrage. Beide Effekte balanciert Delivery Hero über den Gesamtkonzern aus.

„Mit Blick auf das Jahr 2021 bin ich zuversichtlich, dass wir unsere Erfolgsgeschichte fortsetzen“, erklärte Firmenchef Niklas Östberg in einer Mitteilung. Eine Telefonkonferenz hielt er diesmal nicht ab. Denn noch gibt es nur wenig Details: Einen Ausblick will das Unternehmen, das seit vergangenem Sommer im Dax notiert ist, erst nach dem Abschluss der Übernahme des südkoreanischen Konkurrenten Woowa geben – spätestens Ende April.

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    Woowa, einer der größten Zukäufe von Delivery Hero, wird nun zumindest auf dem Papier teurer. Wegen des deutlich gestiegenen Aktienkurses könne eine Abschreibung von bis zu 1,4 Milliarden Euro im Rahmen des Zukaufs fällig werden, teilte Delivery Hero kürzlich mit. Mit dem Abschluss der Transaktion wird im März gerechnet.

    Dann will Delivery Hero auch die genauen Verluste für 2020 veröffentlichen. Bisher ist lediglich bekannt, dass die bereinigte Ebitda-Marge inklusive weiterer Investitionen bei minus 20 Prozent lag. Von Januar bis Juni hatte sich der bereinigte Betriebsverlust trotz stark gestiegenem Umsatz fast verdoppelt.

    Neues Geschäftsfeld Supermarkt-Artikel

    Delivery Hero steckt viel Geld in die Expansion des Geschäfts, vor allem in den Ausbau seiner sogenannten Dmarts. Das sind eigene Lagerhäuser, von denen aus die Supermarkt-Waren innerhalb kürzester Zeit an Kunden geliefert werden. Ende Dezember betrieb das in mehr als 40 Ländern aktive Unternehmen 491 Dmarts. Ähnliche Geschäftsmodelle wachsen derzeit auch in Deutschland, etwa die Lieferdienste Gorillas und Flink. Delivery Hero fokussiert sich hingegen auf Schwellenmärkte. Über die neue Strategie baut sich der Konzern so ein Einzelhandelsgeschäft auf.

    In einzelnen Regionen schreibt die Firma inzwischen schwarze Zahlen. Für den Nahen Osten und Nordafrika wird ein bereinigtes Betriebsergebnis von 99 Millionen Euro erwartet, Europa soll 2020 operativ die Gewinnschwelle geknackt haben. Allerdings handelt es sich um stark bereinigte Zahlen vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Einen Stichtag, bis zu dem der Gesamtkonzern Gewinne schreiben soll, nennt Firmenchef Niklas Östberg noch nicht. Bislang kann er das Wachstum auch über Kapitalerhöhungen verlässlich finanzieren.

    Zur Strategie gehört neben Zukäufen allerdings auch, dass der Konzern Länder mit zu starker Konkurrenz verlässt. Das Deutschland-Geschäft („Lieferando“) hat Delivery Hero bereits an den Konkurrenten Just Eat Takeaway.com verkauft, der wie die Berliner die Konsolidierung in der Branche massiv vorantreibt. Inzwischen gibt es in Deutschland neue Konkurrenz: Der skandinavische Lieferdienst Wolt tritt in immer mehr Städten an.
    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Lieferando-Konkurrent Wolt nimmt 440 Millionen Euro ein

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