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Essenslieferant Delivery Hero verdoppelt fast den Umsatz – ist aber dennoch nicht profitabel

Die Berliner verzeichnen deutlichen Zulauf von Gastronomen und Kunden. Doch das Wachstum kostet den Konzern viel Geld, der Verlust steigt deutlich.
28.04.2020 - 11:12 Uhr Kommentieren
Neben den Umsatzzahlen für das erste Quartal 2020 veröffentlichte der Konzern auch den Geschäftsbericht für 2019. Quelle: dpa
Delivery Hero

Neben den Umsatzzahlen für das erste Quartal 2020 veröffentlichte der Konzern auch den Geschäftsbericht für 2019.

(Foto: dpa)

Hamburg Der Berliner Essenslieferant Delivery Hero meldet weiter rasantes Wachstum. Konzernchef Niklas Östberg konnte im ersten Quartal 2020 sogar von der Coronavirus-Krise profitieren. Denn Essenslieferungen ersetzen gerade weltweit Restaurantbesuche. Östberg verzeichnet nicht nur Anfragen von Gastronomen, sondern auch von neuen Kundengruppen – etwa Senioren. Allerdings sind operative Gewinne weiterhin nicht ins Sicht. Der Beweis, dass sich im Mittleren Osten, in Lateinamerika und in Südostasien mit Essenslieferungen Geld verdienen lässt, steht noch aus.

Immerhin: Im ersten Quartal 2020 ist der Umsatz um 92 Prozent auf 515 Millionen Euro gestiegen, hat sich also gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Das liegt nicht nur daran, dass mehr Bestellungen eingehen. Delivery Hero liefert auch immer öfter mit eigenen Fahrern aus, statt nur Bestellungen über die eigene Website an bestehende Lieferdienste weiterzugeben.

Das erhöht einerseits den Umsatzanteil, den Delivery Hero bekommt, treibt andererseits aber die Kosten. Um die eigenen Fahrer besser auszulasten, liefert Delivery Hero daher in mehr Ländern auch Supermarkt-Produkte aus.

Seit einem Jahr ist Delivery Hero ein ungewöhnlicher Konzern: Die Zentrale ist in einem DDR-Bau in Berlin-Mitte, die Aktie notiert im Mittelwerteindex MDax. Doch der gebürtige Schwede Östberg hat das Deutschland-Geschäft an den niederländischen Konkurrenten Takeaway verkauft. Im Heimatmarkt ist Delivery Hero daher nicht mehr aktiv. Der Umsatz kommt seitdem hauptsächlich aus dem Nahen Osten und Südostasien.

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    Vor allem in Nahost und angrenzenden Ländern könnte die Coronakrise das Geschäft antreiben, hofft Östberg. In der Türkei etwa nimmt sein Konzern abweichend vom eigentlichen Geschäftsmodell neuerdings Bestellungen über Telefon an, um auch Senioren zu erreichen. In fast allen Ländern kommen zudem neue Restaurants hinzu, die ausliefern lassen wollen, nachdem sie ihre Gasträume wegen des Virus vorübergehend nicht mehr öffnen dürfen.

    Geschäftsbericht 2019 zeigt steigenden Verlust

    Östberg hofft, die Gastronomen davon überzeugen zu können, langfristig dabei zu bleiben. Dem steht eine noch unbekannte Zahl entgegen: Wie viele Gastronomen wegen des Geschäftseinbruchs endgültig schließen werden, ist noch nicht absehbar – gerade in Ländern ohne große staatliche Schutzschirme. „Es wird einen steigenden Ausfall von Restaurants in Nahost geben“, sagte Östberg in einer Telefonkonferenz zu den Zahlen.

    Die genauen Mehrkosten, die Corona für sein Geschäft verursacht, wollte er nicht beziffern. Hilfen für betroffene Fahrer in Höhe von drei Millionen Euro dürften der kleinste Posten sein. Allein im Nahen Osten erwartet der Konzern 2020 eine Belastung von 50 Millionen Euro durch die Pandemie. Auch das Geschäft in Lateinamerika ist betroffen, während die Auswirkungen in Asien bislang verhältnismäßig gering sind.

    Neben den Umsatzzahlen für das erste Quartal 2020 veröffentlichte Delivery Hero auch den Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr 2019. Darin zeigen sich die Kosten für das rasante Umsatzwachstum: Während sich der Umsatz fast verdoppelt, verdreifachen sich die Lieferkosten. Der Aufbau des eigenen Liefernetzes kostet viel Geld. Das passt bislang nicht zur eigentlichen These des Geschäftsmodells, dass mit steigendem Umsatz die Profitabilität zunimmt, weil die Kosten nicht proportional mitwachsen.

    Dieser Effekt zeigt sich nur bei den Marketing- und IT-Kosten, die tatsächlich weniger ansteigen als der Umsatz. Der operative Verlust ist 2019 gegenüber dem Vorjahr sehr deutlich gewachsen – von gut 242 Millionen Euro auf 648 Millionen Euro.

    Ein Ende des Effekts ist noch nicht absehbar. 2020 soll Delivery Hero laut Prognose allenfalls eine leicht verringerte operative Marge (Ebitda) ausweisen – bei dem etwas schwächer prognostizierten Umsatzwachstum von 70 Prozent wächst also der absolute Verlust weiter. Das Ziel, rasch profitabel zu werden, hat Östberg bereits 2018 aufgegeben. Leisten kann sich das Delivery Hero vorerst auch wegen des Verkaufs des Deutschland-Geschäfts. 930 Millionen Euro Gewinn verbuchte der Konzern durch den Verkauf.

    Ein Teil des Verkaufspreises floss in Form von Aktien des Käufers Takeaway, die die Berliner teilweise bereits wieder verkauft haben. Zum Jahreswechsel hatte Delivery Hero damit rund 700 Millionen Euro Cash in der Kasse. Der operative Cash-flow dagegen war mit 365 Millionen Euro negativ – Delivery Hero verbrennt im eigentlichen Geschäft also ordentlich Geld.

    Zum Handelsbeginn rutschte die Aktie von Delivery Hero ins Minus, obwohl der MDax leicht positiv notierte. Allerdings ist das Papier seit Ende 2019 deutlich im Aufwind und liegt deutlich über dem Ausgabepreis vom Sommer 2017. Einen solchen Börsenerfolg kann nicht jede deutsche eCommerce-Aktie vermelden.

    Mehr: Online-Handel ist auch in der Coronakrise kein Selbstläufer

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