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Essenslieferdienst Deliveroo zieht sich aus Deutschland zurück – und überlässt Lieferando den Markt

Der Essenslieferdienst Deliveroo zieht sich aus dem deutschen Markt zurück und möchte sich aufs globale Wachstum konzentrieren. Lieferando profitiert.
Update: 12.08.2019 - 17:24 Uhr Kommentieren
Deliveroo: Essenslieferdienst verlässt den deutschen Markt Quelle: dpa
Deliveroo

Eine Rückkehr nach Deutschland schließt das Unternehmen nicht aus.

(Foto: dpa)

Hamburg Der Wettstreit um die Belieferung der hungrigen Deutschen ist – zumindest vorerst – entschieden: Lieferando hat sich durchgesetzt. Der letzte verbliebene große Wettbewerber Deliveroo sagt seine noch im Frühjahr angekündigte Herbstoffensive ab und tritt den Rückzug an. Schon am Freitag stellt der britische Anbieter sein Geschäft in Deutschland komplett ein. Das kündigte Deliveroo in einer kurzen Mitteilung am Montag an.

Dabei hatte Deliveroo erst im Mai stolze 575 Millionen Dollar bei Amazon eingesammelt, nachdem Uber als potenzieller Käufer abgesprungen war.

Deliveroo wolle das Wachstum in anderen europäischen Ländern und Asien beschleunigen, erklärte das Unternehmen die Entscheidung. „Wir werden unsere internen Diskussionen nicht in die Öffentlichkeit tragen, aber die Entscheidung basiert auf der Grundlage, dass Deliveroo seine Ressourcen und Investments dort einsetzt, wo das Unternehmen das größte Wachstumspotenzial erwartet“, sagte ein Sprecher.

Offenbar rechnet sich die Deliveroo-Spitze in London weniger Chancen aus, in Deutschland ein profitables Business aufzubauen. Klarer Marktführer ist Takeaway mit der deutschen Marke Lieferando. Die Niederländer übernahmen für gut eine Milliarde Euro im April 2019 das Deutschlandgeschäft des Berliner Konkurrenten Delivery Hero, der seitdem nur noch im Ausland tätig ist. Für Takeaway bedeutet das gewaltige Größenvorteile – und das Ende teurer Werbeschlachten.

Die Entscheidung zum Rückzug von Deliveroo trifft Tausende Mitarbeiter und Restaurants. Laut einer Untersuchung, mit der das Unternehmen im Frühjahr in Berlin um politische Unterstützung für sein Modell werben wollte, arbeiteten für Deliveroo in Deutschland 1000 Fahrer. Weitere 4700 Jobs sollen in den Restaurants entstanden sein, die mit Deliveroo Mehrgeschäft machen. 70 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen entstünden für die Restaurants, 22,9 Millionen Euro landeten als Steuern und Abgaben in der Staatskasse, rechnete Deliveroo damals vor.

Dritter Strategieschwenk

Mit dem Rückzug vollzieht Deliveroo schon den dritten Strategieschwenk innerhalb kurzer Zeit: 2018 hatte sich das Unternehmen bereits aus zehn deutschen Städten zurückgezogen und sich auf fünf Metropolen wie Berlin und Hamburg beschränkt. Offenbar sollten damit in der Phase der Investorensuche Verluste begrenzt werden. Zum Einstieg von Amazon kündigte der erst im März 2019 angetretene neue Deutschland-Chef Marcus Ross an, Deliveroo werde im dritten Quartal 2019 bereits wieder neue deutsche Städte aufnehmen. Stattdessen muss Ross das Deutschland-Geschäft abwickeln.

Damit verteilt sich der weltweite Markt zunehmend: Deliveroo ist etwa in UK stark, Takeaway in West- und Mitteleuropa, Delivery Hero versucht sich in den Schwellenländern. Dazu kommen regionale Konkurrenten vor allem von Mobilitätsanbietern: etwa Uber in Nordamerika und Grab in Südostasien.

Takeaway hat zudem gerade angekündigt, für fünf Milliarden Dollar den Konkurrenten Just Eat schlucken zu wollen. Deliveroo und Uber dagegen sollen sich laut Medienberichten für eine Übernahme des spanischen Lieferdienstes Glovo interessieren, der vor allem in Schwellenländern aktiv ist.

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