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Essenslieferdienst Delivery Hero nimmt in Deutschland den Kampf mit Lieferando auf – Aktie fällt deutlich

Der Dax-Konzern kehrt auf den Heimatmarkt zurück und will Lebensmittel in sieben Minuten liefern. Konkurrent Lieferando reagiert erzürnt – Analysten sind skeptisch.
12.05.2021 Update: 12.05.2021 - 16:04 Uhr Kommentieren
Delivery Hero will die Marke nun auch nach Deutschland bringen. Quelle: Bloomberg
Kuriere von Foodpanda in Bangkok

Delivery Hero will die Marke nun auch nach Deutschland bringen.

(Foto: Bloomberg)

Hamburg Die überraschende Ankündigung von Delivery Hero, mit seinem Lieferdienst in großem Stil nach Deutschland zurückzukehren, sorgt für Turbulenzen. Die Aktie gab am Mittwoch deutlich nach und lag am Nachmittag mehr als drei Prozent im Minus bei 111 Euro. Analysten warnen, die Profitabilität des Konzerns rücke weiter in die Ferne.

Obwohl es in der Berliner Konzernzentrale hieß, Emotionen spielten bei der Entscheidung keine Rolle, lieferte sich Vorstandschef Niklas Östberg auf Twitter ein Wortgefecht mit Konkurrent Jitse Groen von Just Eat Takeaway. Denn der Schritt kommt nur zweieinhalb Jahre nach dem Verkauf des Deutschlandgeschäfts an den Niederländer. Seitdem war Delivery Hero der einzige große deutsche Konzern ohne nennenswerten Umsatz in der Heimat.

Der Konzern will sowohl Supermarktartikel aus eigenen Lagern, Waren aus bestehenden Läden Dritter und auch Speisen aus Restaurants liefern. Dabei soll die Lieferzeit teils nur sieben Minuten betragen. Unter der 2016 von Rocket Internet zugekauften asiatischen Marke Foodpanda will der Konzern im Juni schrittweise in Berlin starten und ab dem 10. August bundesweit expandieren.

Der Konzernchef nannte für die Entscheidung zwei Gründe: Einerseits biete der deutsche Markt viel Potenzial. Noch werde viel weniger bestellt als etwa in Asien. Vorhandene Anbieter seien viel zu langsam, Lieferungen dauerten oft 70 bis 90 Minuten. Das zielt offenbar vor allem auf Just Eat Takeaway, das mit seiner Marke Lieferando in Deutschland dominiert.

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    Als zweite Begründung nannte Östberg, der Konzern könne künftig direkt im Heimatland Innovationen testen. Finanzielle Details nannte er hingegen nicht.

    „Ich hoffe, dass unser Markteintritt auch andere Anbieter dazu bringt, ihren Service zu verbessern.“ Quelle: dpa
    Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg

    „Ich hoffe, dass unser Markteintritt auch andere Anbieter dazu bringt, ihren Service zu verbessern.“

    (Foto: dpa)

    Die Ankündigung beschreibt das bislang umfassendste Sofort-Liefermodell am deutschen Markt. Das ist eine Kampfansage an die neuen superschnellen Supermärkte Gorillas und Flink, die mit einer Lieferzeit von zehn Minuten werben.

    Es ist aber vor allem ein Affront gegenüber Just Eat Takeaway. An den Rivalen hatte Östberg das Deutschlandgeschäft 2019 für eine knappe Milliarde Euro verkauft und dabei auch ein Aktienpaket erhalten. Die damit verbundene Verpflichtung, in Deutschland keine Konkurrenz zu machen, läuft erst dieser Tage aus.

    Wortgefechte der Gründer auf Twitter

    Lieferando schickte als Reaktion am Mittwochmorgen eine eigene, offenbar eilig geschriebene Ankündigung: Der Lieferdienst werde seine App ebenfalls um Supermarkt-Lieferungen erweitern. Lieferando soll direkt aus bestehenden Supermärkten liefern, die Ware soll dabei im Schnitt innerhalb von 20 bis 30 Minuten beim Kunden ankommen. Der Ansatz geht also nicht so weit wie bei Delivery Hero.

    Doch Takeway-Gründer Jitse Groen beließ es nicht bei der nüchternen Ankündigung seiner Gegenoffensive. „Wettbewerb macht uns stärker. Als Delivery Hero es das letzte Mal versucht hat, hat es sie acht Jahre, eine Übernahme der damaligen Nummer eins und circa 500 Millionen Euro gekostet, um auf ein Viertel unserer derzeitigen deutschen Größe zu kommen. Wir haben sie in Holland, dem UK, Polen, Irland und Deutschland besiegt, und wir werden es gern wieder tun“, schrieb er am Mittwoch auf Twitter.

    Östberg hielt dagegen: In Irland sei er nie aktiv gewesen, in Holland nur kurz. „Sie haben auch vergessen, Schweden, Österreich, Rumänien und Bulgarien zu erwähnen – und Norwegen“, schrieb er an Groen gerichtet als Verweis auf eigene Erfolge. In einer Telefonkonferenz stichelte er zudem: „Ich hoffe, dass unser Markteintritt auch andere Anbieter dazu bringt, ihren Service zu verbessern.“

    Vage blieb Östberg bei der finanziellen Logik des prestigeträchtigen Wiedereintritts in den umkämpften Heimatmarkt. Klares Ziel sei, langfristig Nummer eins in Deutschland zu werden. Das könne aber zehn bis 15 Jahre dauern und „eine gute Menge Investitionen“ erfordern, sagte er. Delivery Hero wolle jedoch das Land nicht „mit Werbung zukleistern“.

    Aus dem Konzern hieß es, die Investitionen für den Deutschlandstart seien bereits in den für 2021 prognostizierten 550 Millionen Euro Investitionsausgaben enthalten. Eine Prognoseänderung sei also nicht nötig. Auch dank neuer Liefermodelle wie Flaschenpost habe sich gezeigt, dass der deutsche Markt reifer geworden sei.

    Delivery Hero wolle die Chancen nutzen, solange Anbieter wie Gorillas und Flink noch am Anfang seien. Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass der Konzern nun auch in weitere westeuropäische Länder gehe. Vorbild sei eher der gerade vollzogene Markteintritt in Japan.

    Analysten wiesen darauf hin, dass es nun länger dauern könne, bis der Konzern profitabel wird. „Dank Skaleneffekten war das Europageschäft 2020 auf bereinigter Ebitda-Ebene fast profitabel“, kommentierte Bloomberg-Analystin Gomez. Doch nach der Ankündigung rücke die Gewinnschwelle nun konzernweit in die Ferne.

    Womöglich werde Delivery Hero nun erst nach 2023 operative Gewinne schreiben. Schließlich sei der deutsche Markt besonders umkämpft. Östberg hatte bereits bei der Vorlage der Jahreszahlen betont, er lege sich auf kein zeitliches Ziel für die Profitabilität fest, da er keine Investitionschancen verstreichen lassen wolle.

    Konkurrent Lieferando betonte dagegen, er könne für den Aufbau eines Lebensmittel-Liefergeschäfts in Deutschland auf seine bestehenden Kuriere in fast 80 deutschen Städten zurückgreifen. Daher werde der Aufbau „gewinnneutral“ verlaufen – also keine hohen Anlaufverluste produzieren. Deutschland werde neben Großbritannien zum Testmarkt für diesen Ansatz. Erste Versuche seien bereits erfolgreich verlaufen.

    Seit dem Zukauf des Deutschlandgeschäfts von Delivery Hero war die Marke Lieferando fast allein auf dem deutschen Markt. Zuletzt kam allerdings die skandinavische Konkurrenz Wolt dazu. Auch Uber hat am Mittwoch seinen Essenlieferdienst Eats in Berlin gestartet.

    Lieferung aus eigenem Lager gewinnt an Bedeutung

    Delivery Hero will wie Lieferando alle Angebote in einer App vereinen. Damit vollzieht der Konzern nach, was er bislang vor allem in Nahost und Asien anbietet. In Deutschland will er seine bereits erprobte Softwareplattform Pandora nutzen und auf Erfahrungen aus den europäischen Märkten Schweden und Europa zurückgreifen. Noch geprüft wird, ob die Fahrer wie bei der Konkurrenz inzwischen üblich fest angestellt werden oder ob Delivery Hero auf das umstrittene freiberufliche Gig-Modell setzt.

    Die Lieferung aus eigenen Lagern – und damit der Wandel vom reinen Lieferkonzern zum Einzelhändler – treibt das Wachstum von Delivery Hero an. 183 Millionen Euro kamen in dem Geschäftsfeld 2020 an Umsatz zusammen – und knapp 65 Millionen Euro operativer Verlust vor Abschreibungen (Ebitda). Konzernweit erzielte das Unternehmen 2,8 Milliarden Euro Umsatz.

    Mehr: Delivery-Hero-CEO ist Topverdiener im Dax

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