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Ethiopian-Absturz US-Luftfahrtbehörde ermittelt – derzeit aber kein Startverbot für Boeing-737-Max-Reihe

Experten suchen nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien nach der Ursache. Dabei gerät der Flugzeugtyp der Boeing immer stärker in den Fokus, auch die US-Luftfahrtbehörde ermittelt.
Update: 12.03.2019 - 05:13 Uhr Kommentieren
Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat eine Handlungsempfehlung für Fluggesellschaften mit Maschinen dieses Typs angekündigt. Quelle: AFP
Boeing 737 MAX 8

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat eine Handlungsempfehlung für Fluggesellschaften mit Maschinen dieses Typs angekündigt.

(Foto: AFP)

Addis Abeba Die US-Luftfahrtbehörde FAA verhängt auch nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max 8 in weniger als fünf Monaten zunächst kein Startverbot für Maschinen dieser Bauart. „Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen“, teilte die FAA am Montag mit. Am Sonntag war eine Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines in Äthiopien abgestürzt, 157 Menschen kamen ums Leben. Im Oktober waren beim Absturz einer baugleichen Maschine der Fluglinie Lion Air in Indonesien 189 Menschen gestorben.

China, Indonesien und Äthiopiens nationale Fluggesellschaft Ethiopian Airlines hatten am Montag ein Startverbot für alle Flugzeuge vom Typ 737 Max 8 des US-Luftfahrtkonzerns Boeing verfügt. Die größte mexikanische Fluggesellschaft Aeroméxico kündigte an, ihre sechs Maschinen des Typs so lange am Boden zu lassen, bis nähere Informationen zur Absturzursache vorliegen. Ähnliches gilt in Argentinien für fünf Maschinen der Gesellschaft Aerolíneas Argentinas und in Brasilien für sieben Maschinen der Gesellschaft Gol.

Experten der FAA und der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB unterstützen die äthiopischen Behörden bei der Suche nach der Unglücksursache. Die FAA teilte mit, man werde „geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist“. Die Behörde verwies auf zahlreiche technische Prüfungen nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine am 29. Oktober vergangenen Jahres und auf Maßnahmen, die in Folge dieses Crashs ergriffen worden seien.

Der zweite Absturz einer Boeing 737 Max 8 binnen Monaten sorgte für wachsende Zweifel an der Sicherheit des Flugzeugtyps und machte Anleger nervös. Die Aktien des US-Luft- und Raumfahrtriesen schlossen am Montag mit einem Minus von 5,4 Prozent. Zum Auftakt des US-Handels war der Kurs zunächst um über 13 Prozent gesunken, so dass zeitweise mehr als 30 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt wurden.

Die Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines war am Sonntag auf dem Weg nach Nairobi kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Am Absturzort in Ostafrika wurden die Flugschreiber gefunden, die Hinweise zur Unglücksursache liefern könnten. Unter den Opfern waren dem Auswärtigen Amt zufolge fünf Deutsche.

Ethiopian Airlines erklärte zum Startverbot, man habe sich dazu entschlossen, die übrigen vier Boeing 737 Max 8 als „zusätzliche Sicherheitsmaßnahme“ am Boden zu lassen. In China wies die Luftfahrtbehörde CAAC Fluggesellschaften an, Flüge mit der Boeing 737 Max 8 vorübergehend einzustellen, bis Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden können. Betroffen sind dort demnach 96 Flugzeuge. Auch Indonesien verhängte ein Startverbot für die elf in dem Land registrierten Boeings des gleichen Typs.

Auch die karibische Fluggesellschaft Cayman Airways teilte mit, die beiden Boeing 737 Max 8 der Airline blieben vorerst am Boden. Indiens Jet Airways hat fünf baugleiche Maschinen. Dort hieß es, die Flugzeuge seien derzeit nicht in Betrieb. In Südafrika erklärte Comair, die vor Ort British-Airways-Flüge betreibt, eine Ende Februar erhaltene Boeing 737 Max 8 werde zunächst nicht eingesetzt.

Andere Airlines wie Norwegian und die US-Fluggesellschaft United erklärten hingegen, die Maschinen seien sicher und blieben weiter in Betrieb. Deutsche Fluggesellschaften nutzen derzeit keine Boeing 737 Max 8, wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin mitteilte.

Chinas CAAC verwies in der Begründung des nun verhängten Startverbots darauf, dass es bei beiden Unglücken „gewisse Ähnlichkeiten“ gegeben habe. Beide Flüge waren bei guten Wetterverhältnissen kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden.

Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max fliegen einem Bericht zufolge auch mindestens einen Flughafen in Deutschland an: In Düsseldorf nutzten die Airlines Lot (Polen), Smart Wings (Tschechien), Turkish Airlines und Corendon (beide Türkei) Maschinen dieser Reihe, berichtete die „Rheinische Post“ (Dienstag) mit Verweis auf den Flughafen.

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers.

Boeing versprach derweil eine rasche Erweiterung der umstrittenen Steuerungssoftware. In den vergangenen Monaten habe Boeing ein verbessertes Kontrollprogramm entwickelt, um „ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen“, teilte das Unternehmen im späten Montagabend (Ortszeit) mit. Einen direkten Bezug zu dem in Äthiopien abgestürzten 737-Max-Flieger stellte Boeing nicht her, sprach den Angehörigen der 157 Todesopfer jedoch ganz am Ende des Statements Anteilnahme aus.

Die Überarbeitung der Software erfolgte Boeings Mitteilung zufolge im Zuge des im Oktober in Indonesien abgestürzten Lion-Air-Flugs 610 und werde in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen installiert. Das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) war nach dem Absturz, bei dem 189 Menschen ums Leben kamen, schwer in die Kritik geraten. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern.

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  • dpa
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