Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Tewolde Gebremariam

Der Vorstandschef von Ethiopian Airlines an der Unglücksstelle. Die Fluggesellschaft verbreitete das Foto am Sonntag auf ihrer Facebook-Seite.

(Foto: dpa)

Ethiopian Airlines Boeing 737 MAX 8 stürzt nahe Addis Abeba ab – mehr als 150 Tote

Nach dem Absturz eines Verkehrsjets in Äthiopien gibt es keine Überlebenden. Im Herbst war bereits eine Maschine des Typs in Indonesien verunglückt.
Update: 10.03.2019 - 17:39 Uhr Kommentieren

Addis AbebaEin Flugzeug von Ethiopian Airlines ist am Sonntag mit 157 Menschen an Bord abgestürzt. Die Boeing 737 MAX 8 war von Addis Abeba auf dem Weg nach Nairobi, als nur wenige Minuten nach dem Start der Kontakt zum Tower abbrach. Es gab keine Überlebenden. Die Absturzstelle liegt nach Angaben der Fluggesellschaft 62 Kilometer südöstlich der äthiopischen Hauptstadt.

An Bord befanden sich nach Behördenangaben unter anderem 32 Kenianer, neun Äthiopier und viele europäische, amerikanische und asiatische Fluggäste. So kamen Ethiopian Airlines zufolge 18 Kanadier ums Leben, jeweils acht Italiener, Amerikaner und Chinesen, je sieben Franzosen und Briten, sechs Ägypter, vier Slowaken und vier Inder. Möglicherweise waren etliche von ihnen auf dem Weg zu einer UN-Umweltkonferenz in Nairobi, die dort am Montag beginnen soll.

Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien geht das Auswärtige Amt davon aus, dass auch Deutsche unter den Opfern sind. „Das Auswärtige Amt und die Botschaft Addis Abeba stehen mit Ethiopian Airlines und den äthiopischen Behörden in engem Kontakt, um dazu schnellstmöglich gesicherte Informationen zu erhalten“, teilte das Ministerium in Berlin mit, ohne eine genaue Zahl zu nennen

Die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines hatte eine Liste veröffentlicht, der zufolge sich fünf Deutsche unter den Opfern befinden. In einer Pressekonferenz sprach der Chef der Fluggesellschaft, Tewolde GebreMariam, jedoch von niederländischen Opfern - möglicherweise lag hier eine Verwechslung vor. Das niederländische Außenministerium teilte nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP mit: „Soweit bis jetzt bekannt sind unter den Opfern keine Niederländer.“

Nach Angaben von Airline-Chef Tewolde hatte der Pilot Probleme gemeldet und um Erlaubnis gebeten, nach Addis Abeba zurückzukehren. Die Flugsicherung habe die Freigabe dafür erteilt, sagte Tewolde vor Journalisten. Der Pilot verfügte über mehr als 8.000 Flugstunden Erfahrung, der Co-Pilot über 200 Stunden.

Laut der Flugüberwachungs-Webseite Flightradar24 hatte die Geschwindigkeit während des Steigflugs geschwankt. Der Flugzeugtyp 737 MAX 8 ist ein relativ neues Modell von Boeing und wurde erst seit 2017 in Dienst gestellt.

Parallelen zu Unglück in Indonesien

Der Absturz erinnert an ein tragisches Unglück der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air am 29. Oktober vergangenen Jahres. Damals stürzte über der Java-See ebenfalls eine neue Boeing 737 MAX 8 kurz nach dem Start ab. Bei klaren Sichtverhältnissen und gutem Wetter raste die Maschine mit hoher Geschwindigkeit ins Meer und riss 189 Menschen in den Tod.

Nach ersten Erkenntnissen waren fehlerhaften Daten eines defekten Anströmwinkelsensors die Ursache. Diese hatten den automatischen Fluglage-Korrektor MCAS, der die Lage des Jets bestimmt, dazu veranlasst, in einen Sturzflug überzugehen. Die Piloten von Lion Air schafften es nicht, das Flugzeug wieder in eine korrekte Lage zu bringen.

Die Katastrophe hatte damals eine heftige Debatte über angeblich fehlerhafte Informationen vonseiten Boeings über dieses neue System ausgelöst. Zwar muss die Ermittlung der Ursache des Absturzes von Ethiopian ET302 abgewartet werden. Doch die Parallelen – auch hier ging die Maschine aus einer Höhe von 9000 Fuß offensichtlich unvermittelt in den Sturzflug über – dürfte die Debatte um die Sicherheit des Jets befeuern.

Ethiopian Airlines gehört mit einer Flotte von 108 Flugzeugen zu den größten Airlines Afrikas und zum Verbund der von der Lufthansa mit gegründeten Star Alliance. 66 weitere Jets sind bestellt. Im vergangenen Jahr sollte die Zahl der Passagiere auf knapp elf Millionen steigen. Das letzte größere Unglück von Ethiopian Airlines hatte es im Januar 2010 gegeben, als ein Jet kurz nach dem Start in Beirut abstürzte.

Boeing reagiert bestürzt

Fest steht: Nach dem Absturz in Indonesien hatte Boeing alle Betreiber des Flugzeugmusters auf eine Verfahrensregel hingewiesen, mit der das System bei einer Fehlfunktion von den Flugzeugführern überstimmt werden kann. Boeing reagierte am Sonntag mit tiefer Bestürzung auf die Nachricht des neuerlichen Absturzes, hielt sich aber zurück mit Äußerungen über mögliche Ursachen zurück. Man verfolge die Situation, hieß es nur. Zudem stünde ein Technik-Team von Boeing zur Unterstützung bereit.

Kern des Problems bei dem Lion Air-Jet war der sogenannte AOA-Sensor. AOA steht für „angle of attack“ und beschreibt den Anstellwinkel, den ein Flugzeug beim Starten einnimmt. Ist dieser zu steil, droht ein Strömungsabriss an den Flügeln, das Flugzeug würde unkontrollierbar werden. Eine Überwachung dieses Winkels ist deshalb so wichtig, weil der Jet beim Starten mit einer recht langsamen Geschwindigkeit fliegt, die Motoren aber gleichzeitig mit vollem Schub arbeiten. Das birgt die Gefahr, dass das Flugzeug zu steil aufsteigt.

Die 737 Max hat grundsätzlich deutlich mehr Informationstechnik an Bord als die bisherigen 737-Modelle. Vor allem kommt hier ein sogenanntes Fly-By-Wire-System zum Einsatz. Der Jet wird dabei über den Computer gesteuert, der Flugzeugführer erteilt etwa über den Steuerknüppel einen Befehl an den Rechner, der übernimmt dann die Steuerung der hydraulischen Systeme.

Der AOA-Sensor schickt seine Informationen über den Anstellwinkel zum einen zu einer Anzeige für den Piloten, zum anderen direkt in die Steuerungssysteme des Flugzeugs. Das hat folgenden Hintergrund: Beim Start wird das Flugzeug in den meisten Fällen manuell gesteuert. Stellt der AOA-Sensor einen zu hohen Anstellwinkel fest und merkt, dass der Pilot nicht entsprechend reagiert, korrigiert das Steuerungssystem die Ausrichtung automatisch, in dem es die Nase des Flugzeugs leicht absenkt, also die sogenannte Trimmung anpasst. Das geschieht für zehn Sekunden.

737 Max ist Hoffnungsträger vieler Airlines

Ist der Flugzeugführer nun etwa aufgrund anderer Instrumentendaten der Meinung, dass AOA-Sensor mit fehlerhaften Daten arbeitet, kann der Pilot die automatisch erfolgte Korrektur des Anstellwinkels manuell rückgängig machen. Stellt das System dann immer noch einen zu steilen Anstellwinkel fest, wird es nach kurzer Zeit erneut die Nase automatisch absenken. Ohne weiteren Eingriff würde sich dieses „Spiel“ ständig wiederholen. Das könne es den Piloten erschweren, das Flugzeug zu steuern und zu einem Verlust an Höhe führen, heißt es in dem Bulletin von Boeing. Deshalb sieht das Handbuch für diesen Fall vor, dass der Flugzeugführer die „Autopilot Stab Trim Funktion“ ausschaltet, also die automatische Korrektur lahmlegt.

Die Boeing 737 Max ist ein großer Hoffnungsträger für die Airlines. Sie soll rund 15 Prozent weniger Kerosin verbrauchen. In Deutschland erwartet die Tuifly in diesen Wochen die ersten Maschinen des Typs. Im Sommer wird die Boeing 737 Max dann auch bei Sunexpress ankommen, dem Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines. Andere Airlines, die die 737 Max schon einige Monate im Einsatz haben, haben bislang nicht von Problemen mit der Steuerung des Flugzeugs berichtet. Dazu zählen etwa der Billig-Anbieter Norwegian und die britische Airline von Tui.

Mit Agenturmaterial.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Ethiopian Airlines - Boeing 737 MAX 8 stürzt nahe Addis Abeba ab – mehr als 150 Tote

0 Kommentare zu "Ethiopian Airlines: Boeing 737 MAX 8 stürzt nahe Addis Abeba ab – mehr als 150 Tote"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.