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EU-Kommission Vestager knöpft sich Amazon-Marktplatz vor

Die Wettbewerbskommissarin prüft mögliche Kartellverstöße des US-Handelsriesen im Umgang mit Händlern. Amazon drohen nun Strafen in Milliardenhöhe.
Update: 17.07.2019 - 13:35 Uhr Kommentieren
Die Kommissarin hatte bereits gegen den US-Internetriesen Google wegen Wettbewerbsverstößen mehrere Milliardenstrafen verhängt und auch Apple zur Rückzahlung von Steuervorteilen gezwungen. Quelle: dpa
Margrethe Vestager

Die Kommissarin hatte bereits gegen den US-Internetriesen Google wegen Wettbewerbsverstößen mehrere Milliardenstrafen verhängt und auch Apple zur Rückzahlung von Steuervorteilen gezwungen.

(Foto: dpa)

Brüssel Die EU-Kommission will ein Kartellverfahren gegen Amazon einleiten. Der Grund: die doppelte Funktion des Unternehmens sowohl als Einzelhändler, der Produkte auf seiner eigenen Webseite vertreibt, als auch als Onlinemarktplatz, auf dem andere Händler ihre Produkte direkt an den Kunden verkaufen können.

„Der elektronische Handel hat den Wettbewerb im Einzelhandel angekurbelt und zu einer größeren Auswahl und günstigeren Preisen geführt. Wir müssen sicherstellen, dass große Onlineplattformen diese Vorteile nicht durch wettbewerbswidriges Verhalten aushebeln“, erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel. „Ich habe daher beschlossen, die Geschäftspraktiken von Amazon und seine doppelte Funktion als Verkaufsplattform und Einzelhändler unter die Lupe zu nehmen, um die Einhaltung der EU-Wettbewerbsregeln zu prüfen.“

Konkret geht es um Daten, die Amazon auf seinem Marktplatz sammelt. Nach Erkenntnissen der Kommission nutzt der Onlineriese „wettbewerbssensible Informationen“ der Drittanbieter und analysiert ihre Produkte und Transaktionen, um seine eigenen Verkaufstätigkeiten zu optimieren.

Deswegen will die Kommission nun die Standardvereinbarungen zwischen Amazon und den Marktplatzhändlern untersuchen und dabei der Frage nachgehen, ob Amazons Datensammlung und -nutzung den Wettbewerb im Onlinehandel beeinträchtigt.

Zudem werfen die Wettbewerbshüter einen Blick auf die gut sichtbar auf der Amazon-Seite angezeigte „Buy Box“, bei der Kunden Produkte eines bestimmten Händlers sofort ihrem Einkaufswagen hinzufügen können. Für die Händler ist es wichtig, in dieser Buy Box angezeigt zu werden, da sie dadurch die meisten Verkäufe erzielen. Vestagers Team will prüfen, welche Rolle wettbewerbssensible Informationen bei der Auswahl der angezeigten Händler spielen.

Der Marketplace ist für Amazon längst kein Nebenverdienst mehr: Nach eigenen Angaben erwirtschaftet das Unternehmen damit 58 Prozent seines weltweiten Umsatzes.

Bundeskartellamt stellt Verfahren ein

Amazons Praktiken könnten nach Einschätzung der Kommission möglicherweise gegen die EU-Vorschriften über wettbewerbswidrige Vereinbarungen zwischen Unternehmen verstoßen sowie die marktbeherrschende Stellung des Unternehmens missbrauchen. Amazon drohen nun Strafen in Milliardenhöhe.

Vestager hatte bereits gegen den US-Internetriesen Google wegen Wettbewerbsverstößen mehrere Milliardenstrafen verhängt und auch Apple zur Rückzahlung von Steuervorteilen gezwungen. Im Oktober endet die Amtszeit der dänischen Wettbewerbskommissarin. Noch ist unklar, welche Rolle sie in der neuen Kommission von Ursula von der Leyen spielen wird.

Auch das Bundeskartellamt hatte den US-Onlinehändler wegen seines Umgangs mit dem Marktplatzhändlern im Visier. Ebenfalls am Mittwoch teilten Deutschlands oberste Wettbewerbshüter mit, das Missbrauchsverfahren einzustellen, da sich Amazon zu umfangreichen Änderungen der Geschäftsbedingungen bereiterklärt hatte. Zahlreiche Händler hatten sich über unfaire Haftungsregeln, intransparente Kündigungen und Kontensperrungen sowie mangelnde Zahlungsmoral beschwert.

Mehr: Ein Großteil der Amazon-Ware stammt von Händlern, die die Webseite als Plattform nutzen. Einige waren unzufrieden – und haben nun gute Nachrichten aus Bonn erhalten.

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