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US-Sojabohnen

Ein Bauer im kalifornischen Claremont zeigt seine Ernte.

(Foto: dpa)

EU-USA-Handelsstreit Für eine Handvoll Sojabohnen

Das EU-Versprechen, mehr Soja in den USA zu kaufen, erweichte den US-Präsidenten im Handelskonflikt. Das Versprechen könnte sich allein erfüllen.
Update: 26.07.2018 - 14:24 Uhr 2 Kommentare

Hamburg Eine große Handelsvereinbarung zwischen EU und USA war am Mittwoch nicht erwartet worden. Doch schließlich saßen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump mehr als zwei Stunden im Weißen Haus – und ausschlaggebender Punkt für die neue Einigkeit in Handelsfragen war wohl das EU-Versprechen, mehr Sojabohnen zu kaufen. In Europa wird die Ölsaat vor allem als Tierfutter gebraucht.

Es gibt gute Gründe, warum die unscheinbare Sojapflanze die Kompromissbereitschaft Trumps steigerte. Denn der US-Präsident steht in der Heimat derzeit heftig unter Beschuss von Landwirten aus dem Mittleren Westen, die zu seiner Kernwählerschaft gehören.

Sie leiden schon jetzt unter dem angezettelten Handelskrieg mit China. Und so sagte der US-Präsident den Bauern bereits Nothilfen mit einem Volumen von 12 Milliarden Dollar zu. Nun verspricht Trump ihnen, dass eine Einigung mit der EU weitere Entlastung bringt.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker seinerseits verspricht nämlich, mehr Soja aus den USA zu kaufen. Angesichts der Strafzölle Chinas auf US-Soja dürfte die Umleitung von Handelsströmen ein leicht zu haltendes Versprechen sein – jedenfalls solange China seine Strafzölle aufrecht erhält.

Sojapreis zieht an

Nach der Einigung kletterten die Preise für eine Lieferung von 5000 Scheffeln Soja (rund 13,5 Tonnen) an der Chicagoer Terminbörse um zwei Prozent auf 893 Dollar. Denn europäische Einkäufer könnten „stärker auf Sojabohnen aus den USA zurückgreifen und dafür weniger aus Brasilien“, erwarten die Analysten der Commerzbank. Allerdings schränken die Rohstoff-Experten ein: „Stärkeren EU-Einfuhren stehen aber rechtliche Beschränkungen für genmodifizierte Pflanzen entgegen.“

Entscheidender Abnehmer für Soja aus Nord- und Südamerika ist längst Asien, allen voran China. Der steigende Fleischkonsum dort führt dazu, dass die Importe des Futtermittels nach China sich in 15 Jahren verachtfacht haben. Während die EU 2015 etwa 33 Millionen Tonnen Soja in verschiedenen Verarbeitungsformen aus aller Welt importierte, ging fast doppelt so viel nach China.

Strafzoll lastet auf Sojaexporten nach China

Das zeigt die Verwundbarkeit der US-Landwirtschaft im Handelsstreit mit China, das prompt einen Strafzoll auf US-Soja verhängt hat. Wie sehr der Handelsstreit den Soja-Bauern zusetzt, lässt eine Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums USDA erahnen: Die Behörde erwartet für die Saison 2018/2019 ein Rückgang der Exporte um 250 Millionen Scheffel und sagt Lagerbestände in Rekordhöhe voraus. Eine Ausweitung der Exporte nach Europa könnte den nordamerikanischen Landwirten Entlastung bringen.

Wahrscheinlich ist eine Verschiebung: Bislang kommen 80 Prozent des Sojas aus Südamerika nach Europa. Länder wie Brasilien könnten künftig mehr nach China, dafür weniger nach Europa liefern. In die Lücke könnten die nordamerikanischen Bauern grätschen. Allein die Strafzölle auf US-Soja, die China im Juni als Gegenmaßnahme verhängt hat, dürften für diese Umleitung sorgen.

„[Die Verschiebung] passiert bereits”, sagte Pedro Dejneka, Partner bei Chicagoer Rohstoffhändler MD, der Agentur Bloomberg. „Während China seine Importe nun auf Brasilien konzentriert, richtet sich der Rest der Welt auf die USA aus. Auch eine Studie der niederländischen Rabobank sagt voraus, dass China auch ohne EU-Eingriff künftig 90 Prozent seines Bedarfs aus Brasilien decken wird und daher die USA das südamerikanische Land als Hauptexporteur nach Europa ablösen wird.

US-Exporte von Sojabohnen in ausgewählte Regionen (in Mio. Tonnen)
20102011201220132014201520162017Jan - Mai 2017Jan - Mai 2018
China24,3120,6926,2024,5530,8327,2636,0531,739,297,29
Europäische Union2,581,522,642,804,034,974,894,331,721,84
Quelle: U.S. Census Bureau Trade Data

Das liegt auch an den Preisen: Als Reaktion auf Chinas Strafzoll war der Weltmarktpreis für Soja aus den USA bereits deutlich gefallen, nach dem Treffen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker mit US-Präsident Donald Trump stieg der Preis bereits wieder. Sonstige Maßnahmen zur Bevorzugung von US-Soja sind schwierig: Die Importe aus Südamerika sind nach WHO-Regeln zollfrei.

Juncker ohne Einfluss auf die Soja-Einfuhren

Der Chefökonom der UBS-Vermögensverwaltung, Paul Donovan warnte, die EU und Jean-Claude Juncker hätten kaum Einfluss darauf, wie viel Soja aus den USA eingeführt werde. „Es gibt keine Subventionen, Zölle oder Quoten für Sojabohnen in der EU. Die privaten Bauern entscheiden, ob sie mehr Sojabohnen kaufen oder nicht. Allerdings: Sollte China die Strafzölle wieder abschaffen, hat sich das Thema Förderung der Sojaexporte für Trump sowieso erledigt.

Für die Diskussion um die Gentechnik bedeutet die Vereinbarung nichts. Soja sowohl aus Nord- wie aus Südamerika ist zu gut 90 Prozent gentechnisch verändert. Aus diesem Grund wird es in Europa fast ausschließlich an Tiere verfüttert. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sieht daher keinen Spielraum für ein handelspolitisches Entgegenkommen. „Entscheidend ist, dass im Hinblick auf die EU-Standards bei der Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Produkten keinerlei Zugeständnisse gemacht werden.“

Trotz Einigung mit Trump – „Von Verhandlungen auf Augenhöhe sind wir noch weit entfernt“

Wegen der relativ strengen EU-Regulierung müsste zu Lebensmittel verarbeitetes US-Soja gekennzeichnet werden – reines Kassengift. Als vegetarische oder vegane Produkte auf den Teller kommt deswegen verarbeitetes Soja aus Europa. Größte Produzenten sind Italien und der Balkan. Mit 1,1 Millionen beziehungsweise 750.000 Tonnen Soja ist ihr Anteil an der Weltproduktion von 313 Millionen Tonnen jedoch verschwindend gering. Auch die Anstrengungen, in der Donau-Region mehr Soja anzubauen, sind im Weltmaßstab vernachlässigbar.

Größeren Einfluss hat der zunehmende Anteil von Biokraftstoffen. Damit steigt zugleich die Menge an Rapsschrot, der ebenfalls als Tierfutter eingesetzt wird. Die EU verkleinert damit in den vergangenen Jahren die sogenannte „Eiweißlücke“, also die Differenz zwischen der für die heimische Tierzucht benötigten und der hier produzierten Futtermittelmenge. 17 Prozent der benötigten Futtermittel werden in Deutschland noch importiert. Das entspricht einer Anbaufläche in Größe von Mecklenburg-Vorpommern.

Eigentlich fördert die EU bewusst den Soja-Anbau in Europa, um mehr Selbstversorgung zu ermöglichen und gentechnikfreie Mengen zu erzeugen. Dabei geht es auch darum, die Abholzung von Regenwäldern in Südamerika zu bremsen – ein Problem, das sich bei US-Soja nicht stellt.

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Mehr zu: EU-USA-Handelsstreit - Für eine Handvoll Sojabohnen

2 Kommentare zu "EU-USA-Handelsstreit: Für eine Handvoll Sojabohnen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Will denn die EU Sofabohnen, oder kauft die der EZB einfach und versenkt Sie im Mittelmeer ?
    Beenden wir die Handelsschranken und überschwemmen unsere Land mit Mittelmäßigen Produkten, selber liefern wie dann hochwertige SUW die bisher mit 25% von den USA versteuert wurden.
    Dann sieht Trumo nur noch Mercedes vor seinem Hotel und wir werden fett von McDonald.

    Trump sieht eh nur kurzfristige Erfolge - und wird aus jedem Vertrag aussteiger,den er nicht mit 160 Zeichen trittern kann

    SO BAD, Fake Polik

  • Ob Soja aus den USA oder Brasilien, in beiden Fällen verhindern die Soja-Einfuhren die Entwicklung einer Boden-schonenden Landwirtschaft in der EU, weil diese die weitgehend auf Hülsenfrüchte (etwa Soja, Erbsen oder Lupinen) als Boden-Verbesserer verzichtet. Die Folge sind massive Stickstoffeinträge aus der dadurch notwendigen Stickstoffdüngung, die unser Grundwasser vergiften und die Bodenqualität nachhaltig verschlechtern. Die Bemühungen, die Verhältnisse durch biologischen Anbau, der Hülsenfrüchte als natürlichen Dünger verwendet, zu verbessern, sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Hier wurde eine große Chance vertan, nachhaltige Landwirtschaft in der EU zu forcieren, nur um den amerikanischen Farmern dicke Gewinne zu verschaffen. Vasallentreue bis zur Selbstaufgabe!

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