Ex-Drogeriemarktkönig Anton Schlecker muss vor Gericht

Das Aus der Drogeriemarktkette Schlecker war eine der spektakulärsten Pleiten der deutschen Handelsgeschichte. Nun steht fest: Anton Schlecker muss auf die Anklagebank.
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Der Gründer der Schlecker-Drogeriemärkte muss sich vor Gericht verantworten. Quelle: dapd
Anton Schlecker

Der Gründer der Schlecker-Drogeriemärkte muss sich vor Gericht verantworten.

(Foto: dapd)

StuttgartDer ehemalige Drogeriemarktkönig Anton Schlecker muss sich wegen vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht verantworten. Das Stuttgarter Landgericht hat die Anklage gegen den 72-Jährigen zugelassen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen erfuhr. Zuvor berichteten „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ (Donnerstag) über den Fall. Demnach soll der Mammutprozess am 6. März in Stuttgart beginnen.

Im April hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen Schlecker erhoben. Er soll sein Vermögen demnach auf illegale Weise vor der Pleite vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt und Millionen beiseite geschafft haben. Zudem soll Schlecker 2009 und 2010 den Zustand des Konzerns im Konzernabschluss falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht unrichtige Angaben gemacht haben. Der Anwalt Schleckers war zunächst nicht zu erreichen.

Aufstieg und Fall des Drogeriemarkt-Imperiums
1975
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Der 1944 geborene Anton Schlecker, Sohn eines Fleischwarenfabrikanten, eröffnet in Kirchheim unter Teck seinen ersten Drogeriemarkt.

1977-1984
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Die Kette expandiert schnell: Schon zwei Jahre später zählt Schlecker mehr als 100 Filialen. 1984 gab es bereits Tausend Drogerien.

1987
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Schleckers Kinder Meike und Lars (hier im Jahr 2011) werden am 22. Dezember entführt. Ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen D-Mark herunter. Kurz vor Heiligabend können sich die Kinder befreien.

1987-1995
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Im Jahr 1987 eröffnet Schlecker die ersten Filialen im Ausland. Der weitere Aufstieg scheint unaufhaltsam: 1995 kommt Schlecker bereits auf 5800 Filialen und beschäftigt rund 25.000 Mitarbeiter.

1994-1998
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Doch in den 1990er-Jahren beginnen auch die ersten Probleme. 1994 wird Schlecker vorgeworfen, Scheinarbeitsverhältnisse zu betreiben und unter Tarif zu bezahlen. Auch die Gründung von Betriebsräten soll systematisch blockiert worden sein. 1998 werden Anton Schlecker und seine Ehefrau Christa zu jeweils zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Grund: Das Amtsgericht Stuttgart sieht es als erwiesen an, dass das Ehepaar seinen Mitarbeitern tarifliche Bezahlung vortäuschte.

2007
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Die Drogeriekette kauft den insolventen Konkurrenten Ihr Platz. 700 Standorte kommen auf einmal dazu, Schlecker zählt nun 14.400 Ableger in 17 Ländern. Ein Höhepunkt.

2010
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Der Umsatz bricht ein, die Drogeriemarktkette muss Verluste hinnehmen. Im November steigen Schleckers Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze des Unternehmens ein. Zuvor war die Drogeriekette wieder einmal wegen dem Umgang mit den Mitarbeitern in die Kritik geraten. Laut Medienberichten überwachte Schlecker seine Mitarbeiter, auch der Vorwurf der schlechten Bezahlung wird erneut erhoben. Viele Medien sehen die neue Familiengeneration an der Spitze als Ablenkungsmanöver.

Bild: Montage der Familie Schlecker.

Es geht laut Staatsanwaltschaft um vorsätzlichen Bankrott in mehreren Fällen, bei seiner Frau Christa und seinen beiden Kindern Meike und Lars um die Beihilfe zum Bankrott. Schleckers Sohn und Tochter müssen sich demnach auch wegen Insolvenzverschleppung und Untreue verantworten. Sie sollen das Logistikunternehmen LDG als faktische Geschäftsführer um mehrere Millionen Euro geschädigt haben. Obwohl sie von den Schulden und Verlusten des Unternehmens gewusst hätten, sollen sie sich Millionen Euro als angebliche Gewinne haben ausschütten lassen.

Die beiden Wirtschaftsprüfer sollen die falsche Bilanzierung Schleckers laut Anklage zwar erkannt, aber dennoch erklärt haben, dass die Jahresabschlüsse den gesetzlichen Vorgaben entsprächen.

An der strafrechtlichen Aufarbeitung ist auch Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz interessiert. Nach einem Streit um übertragenes Vermögen zahlte die Familie dem Insolvenzverwalter 2013 bereits 10,1 Millionen Euro. Geiwitz werde je nach den Ergebnissen der strafrechtlichen Ermittlungen weitere Rechte der Gläubiger geltend machen, hieß es damals aus der Insolvenzverwaltung.

Anton Schlecker führte seinen Konzern als „eingetragener Kaufmann“ (e.K.). Dank dieser Rechtsform konnte er rund um sein Drogerie-Imperium vieles geheimhalten, bei Kreditvergaben hatte er zudem bessere Karten. Dafür haftete er mit seinem kompletten Privatvermögen für alle Schulden.

Europas ehemals größte Drogeriekette Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Etwa 25.000 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Die Gläubiger forderten rund eine Milliarde Euro. Das Handelsunternehmen aus Baden-Württemberg hatte zu seinen Bestzeiten rund 9000 Märkte im In- und Ausland. Der Versuch eines österreichischen Investors, einen Teil der Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wiederzubeleben, scheiterte 2013.

Die Stuttgarter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität hatte drei Jahre im Fall Schlecker ermittelt. Auf Bankrott steht eine Straße von bis zu fünf Jahren Haft oder Geldstrafe, bei besonderes schweren Fällen bis zu zehn Jahren Haft.

  • dpa
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