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Ex-Footballprofi als umstrittener Werbestar Trump kritisiert Nike wegen umstrittener Werbung – Aktie unter Druck

Ex-Footballprofi Colin Kaepernick hatte vor zwei Jahren eine Protestwelle im US-Sport ausgelöst. Nicht nur Donald Trump zählt zu seinen Kritikern.
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Vor gut zwei Jahren begann die Welle an Protesten von NFL-Profis, die sich während der amerikanischen Hymne per Kniefall oder mit erhobenen Fäusten gegen Polizeibrutalität und Rassenungleichheiten aussprechen. Quelle: AFP
Colin Kaepernick (Mitte) im Oktober 2016

Vor gut zwei Jahren begann die Welle an Protesten von NFL-Profis, die sich während der amerikanischen Hymne per Kniefall oder mit erhobenen Fäusten gegen Polizeibrutalität und Rassenungleichheiten aussprechen.

(Foto: AFP)

Portland US-Präsident Donald Trump hat die Entscheidung von Nike kritisiert, den für seinen Hymnen-Protest bekanntgewordenen Football-Spieler Colin Kaepernick für eine Werbekampagne zu verpflichten. Dies sende eine „furchtbare Botschaft“, sagte Trump der Nachrichtenwebsite „Daily Caller“ am Dienstag. „Auf der anderen Seite, darum geht es in diesem Land, dass man gewisse Freiheiten hat um Dinge zu tun, von denen andere glauben, dass man sie nicht tun sollte“, ergänzte er.

Die US-Profiliga NFL lobte Kaepernick dagegen in ihrer Stellungnahme. Die sozialen Fragen, die er und andere Spieler aufgezeigt hätten, „verdienen unsere Aufmerksamkeit“ und Taten, sagte ein Sprecher.

Kaepernick hatte 2016 eine Debatte ausgelöst, als er aus Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus gegen Afroamerikaner beim Erklingen der Nationalhymne im Stadion auf die Knie ging. Ihm schlossen sich weitere Spieler an.

Die Verpflichtung des umstrittenen Football-Spielers als Werbeträger setzte die Aktien von Nike am Dienstag unter Druck. Sie verlor 2,6 Prozent. In Online-Netzwerken formierte sich Widerstand gegen die Entscheidung des Konzerns.

Unter dem Twitter-Hashtag #NikeBoycott verbreiteten Nutzer Fotos, wie sie Schuhe und Kleidungsstücke des US-Sportartikelherstellers zerreißen und verbrennen. Andere lobten Nike für das Engagement.

Wie der US-Sportsender ESPN am Montag berichtete, ist der 30-Jährige einer von mehreren Athleten, mit denen Nike das 30. Jubiläum des Markenmottos „Just Do It“ (Mach es einfach) feiern wird.

Kaepernick, der zuletzt 2016 für die San Francisco 49ers in der amerikanischen Profi-Liga NFL spielte, postete ein Foto der neuen Werbekampagne auf seinen sozialen Kanälen. Das Foto zeigt eine Nahaufnahme von Kaepernicks Gesicht mit dem Werbeschriftzug: „Glaube an etwas, auch wenn das heißen sollte, alles andere zu opfern“.

Neben dem ehemaligen NFL-Spieler sind unter anderem auch Odell Beckham Jr. (American Football), Serena Williams (Tennis) und LeBron James (Basketball) Teil der „Just Do It“-Kampagne. Kaepernick wird seit 2011 von Nike gesponsert.

„Wir glauben, Colin ist einer der inspirierendsten Sportler seiner Generation, der die Plattform Sport dazu nutzte, um die Welt zu verbessern“, sagte Gino Fisanotti, der nordamerikanische Marken-Vizepräsident für Nike, dem Sender ESPN.

Mit Kaepernick begann vor gut zwei Jahren die Welle an Protesten von NFL-Profis, die sich während der amerikanischen Hymne per Kniefall oder mit erhobenen Fäusten gegen Polizeibrutalität und Rassenungleichheiten aussprechen. Die San Francisco 49ers gaben ihrem Spielmacher am Ende der Saison 2016/17 keinen neuen Vertrag, seitdem findet er kein Team mehr.

Im Oktober 2017 leitete Kaepernick rechtliche Schritte gegen die Liga ein, weil die Club-Besitzer ihn aus seiner Sicht im Zuge einer Verschwörung aus der Liga halten. Ein Schlichter sah vergangene Woche nun genug Hinweise für eine derartige Absprache, so dass demnächst Besitzer, Trainer und Teamverantwortliche aussagen müssen. Ein Alptraum-Szenario für die NFL, die gehofft hatte, die Causa schnell vom Tisch zu haben.

Kaepernick darf damit auf eine millionenschwere Entschädigung hoffen – einen Job kann er sich aber nicht einklagen. Somit kommt die neue Werbekampagne für die NFL zur Unzeit, erst im März war der Ausrüstervertrag mit Nike bis 2028 verlängert worden.

Trump hat Online-Petition gestartet

Trump hatte in der Vergangenheit protestierende Spieler wie Kaepernick als „Hurensöhne“ beschimpft. In einer E-Mail an seine Unterstützer verkündete der US-Präsident, dass er eine Petition gestartet habe, damit der Sportsender ESPN vor den Spielen die Nationalhymne übertrage.

Diese Entscheidung sei eine „rückratlose Kapitulation vor dem politisch korrekten, liberalen Mob“. ESPN-Präsident Jimmy Pitaro erklärte hingegen, dass das Netzwerk schon in der Vergangenheit die Hymne gar nicht gezeigt habe und dies auch der Plan für die anstehende Saison sei.

„Wenn Amerika zu anstößig für jemanden in unserem Land ist, was machen sie dann in Amerika?“, fragte Trump suggestiv in seinem Schreiben. Die politische Strategie des Spaltens und Provozierens verfolgt der US-Präsident auch in seinem Kampf gegen die NFL.

Die amerikanische Bevölkerung ist in der Debatte um die Proteste weitgehend gespalten. In einer Umfrage der NBC News und des „Wall Street Journal“ antworteten kurz vor Saisonstart 54 Prozent, dass das Knien während der Hymne nicht angemessen sei, um auf die Anliegen der Spieler aufmerksam zu machen. 43 Prozent sehen dies anders.

In der Saisonpause hatte die NFL eigentlich verkündet, dass die Profis während der Hymne stehen sollen oder in der Kabine bleiben sollen. Noch gibt es aber keine gültige Richtlinie zwischen der Ligaführung und der Spielergewerkschaft für die anstehende Saison.

So sind auch weiterhin Proteste und damit Reaktionen von Trump erwartbar. Aus Sicht von Analysten spielt die klare Positionierung gegen die Spieler dabei auch eine wichtige Rolle bei seiner Kampagne für eine mögliche Wiederwahl in gut zwei Jahren. „Die Football-Saison ist eine wöchentliche Sache“, sagte Buch-Autor Mark Leibovich dem Magazin „The Atlantic“. „Es dürfte viel Berichterstattung geben, wie viele Spieler ihre Fäuste heben oder knien. Und dann kann er jeden Sonntag darüber reden.“

Die Liga stehe „unter Angriff“, sagte der Besitzer der Buffalo Bills, Terry Pegula, im vorigen Jahr bei einem Treffen von Spielern und Clubchefs nach Angaben der „New York Times“. Und dieser Zustand dürfte sich vorerst nicht ändern.

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  • HB
  • dpa
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