Ex-Politiker als Cheflobbyist Pofalla startet mit der Bahn ins neue Jahr

Als vor knapp einem Jahr bekannt wurde, weshalb sich Ronald Pofalla von seinem Posten als Kanzleramtschef zurückgezogen hatte, war die Empörung groß. Nun startet Pofalla als Cheflobbyist der Deutschen Bahn durch.
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Zunächst erklärte er die NSA-Affäre vorschnell für beendet, dann zog er sich selbst angeblich aus privaten Gründen zurück: Vor seinem Wechsel in die Wirtschaft zog Ronald Pofalla viel Kritik auf sich. Quelle: dpa
Ronald Pofalla

Zunächst erklärte er die NSA-Affäre vorschnell für beendet, dann zog er sich selbst angeblich aus privaten Gründen zurück: Vor seinem Wechsel in die Wirtschaft zog Ronald Pofalla viel Kritik auf sich.

(Foto: dpa)

BerlinDer frühere Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) hat am Freitag seine neue Stelle als Cheflobbyist der Deutschen Bahn angetreten. Der 55-Jährige ist Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen bei dem bundeseigenen Konzern. Der geplante Wechsel war bereits vor einem Jahr bekanntgeworden und hatte Kritik hervorgerufen.

Bahnchef Rüdiger Grube hielt aber an Pofalla fest. Sein Bundestagsmandat als Abgeordneter für den Wahlkreis Kleve in Nordrhein-Westfalen legte er mit Wirkung zum 31. Dezember nieder, wie die „Rheinische Post“ (Freitag) berichtete.

Pofalla war bereits Mitte Dezember 2013 aus der Regierung ausgeschieden. Auch ohne gesetzliche Übergangsfrist für Wechsel von der Politik in ein Unternehmen hatte er sich mit der Bahn für eine Karenzzeit von zwölf Monaten entschieden. In einem „späteren zweiten Schritt“ sei geplant, Pofallas Aufgaben mit denen des Vorstandsressorts „Compliance, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit“ zusammenzuführen, hatte die Bahn erklärt. Dieser Bereich wird derzeit von Gerd Becht geleitet, dessen Vertrag Ende Februar 2017 ausläuft – der Aufstieg ist Pofalla somit fast sicher.

Die Vorgeschichte des Wechsels des Ex-Politikers in die private Wirtschaft ist teils pikant. Mehr Zeit für Privates wolle er haben, hieß es unter anderem zur Begründung dafür, dass Pofalla im Dezember 2013 seinen Posten unter Angela Merkel aufgab. Drei Wochen später kam heraus, was der CDU-Politiker eigentlich vorhatte: In der Wirtschaft – wenn auch beim bundeseigenen Konzern – nochmal richtig Geld verdienen und die Kontakte aus der Zeit als Politiker vergolden.

Im Vergleich zum Dauerstress eines Behördenleiters an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel könnte es bei der Deutschen Bahn tatsächlich etwas ruhiger zugehen. Zuvor sei er schließlich „24 Stunden, sieben Tage lang“ für seine Partei unterwegs gewesen, wie Pofalla damals sagte.

Einsatzgebiete: Berlin und Brüssel
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  • meiner Erinnerung wurde diese Position extra für Pofalla neu geschaffen.
    Die Kanzlerin outet sich hier, wie auch bei Frau Schavan, als Postenbeschafferin!
    Ja, unsere Republik gleitet immer mehr ab in Richtung Nepotismus!

  • leider mit zunehmender Tendenz!

  • So lange der Herrgott solche Machenschaften nicht mit Pech und Schwefel ahndet, so lange muß man dies als im Sinne des Herrn gut heißen. Wir Volk sind leider zu dämlich und zu gehirngewaschen, um dagegen aufzubegehren. Jedenfalls wissen wir, daß solche Pofallas in Unzahl vorhanden sind und keiner hält es für nötig, dagegen etwas zu tun. Wer es noch schlimmer mag, muß unbedingt weiter die etablierten Parteien wählen und weiter empfehlen. Keine Angst, der Herr unternimmt nichts gegen Euch, außer, daß Ihr in nächster Zeit ganz schlechte Karten für Euer jämmerliches Leben haben werdet.

  • Hier dürfte wohl die Metapher vom sinkenden Schiff gut passen, welches von den Eingeweihten als erstes verlassen wird.

  • Nicht mehr als bei anderen Politikern auch.

  • Staat und Gesellschaft haben sämtliche Selbstreinigungskräfte verloren.

  • Die Causa Pofalla
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    Zunächst erklärte er die NSA-Affäre vorschnell für beendet, dann zog er sich selbst "angeblich aus privaten Gründen" zurück.

    Jetzt wechselte er vom Staatsbetrieb "Bund" in den Staatsbetrieb "Bahn". Dort wird er als Lobbyist tätig.
    Später soll er in den Vorstand wechseln.

    Das Ganze stinkt gewaltig!

  • Vetternwirtschaft!
    Versorgungsposten!
    Bananenrepublik!

  • was braucht ein wirtschaftsunternehmen wie die bahn eine funktion "politische kontakte"? AR und Beiräte sind voll von politikern, die bahn wird deshalb nicht billiger und baut auch nicht mehr schnellstrecken wie z.B. spanien. aber herr pofalla ist versorgt - das ist doch schön für ihn

  • Bekanntlich hängt das Geschäft der Bahn mit Gleisen zusammen. Eine besondere Art nehmen dabei die Abstellgleise ein. Davon hat die Bahn besonders viele.

    Damit es klar wird und keine Schadenfreude aufkommt. Jobs auf Abstellgleisen werden bei der Bahn auch gut bezahlt. Auf jedenfall besser als durchschnittliche Arbeitnehmereinkommen, für das noch ordentlich gearbeitet werden muss. Bei den Pensionen würden Normalbürger blass.

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