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Expansion bei Kaufland Schwarz-Chef Klaus Gehrig bestätigt erstmals Interesse an Real-Märkten

Die Muttergesellschaft von Lidl will 100 Real-Filialen übernehmen, die Schwarz-Chef Klaus Gehrig in das Netz von Kaufland integrieren könnte.
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Real-Märkte: Schwarz-Chef Gehrig bestätigt erstmals Interesse Quelle: dpa
Supermarktkette Real

Schwarz-Chef Klaus Gehrig bestätigt erstmals Interesse an Real-Märkten.

(Foto: dpa)

Heilbronn Die Schwarz-Gruppe, Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland, hat erstmals offiziell bestätigt, dass sie an Teilen der zum Verkauf stehenden Verbrauchermarktkette Real interessiert ist. „Wir sind in Gesprächen, ob wir gute 100 Märkte bekommen“, sagte Klaus Gehrig, der die Schwarz-Gruppe leitet. Die Märkte sollen dann in das Netz von Kaufland eingegliedert werden.

Über das Interesse von Kaufland hatte das Handelsblatt zuerst im vergangenen Dezember berichtet. Damals hatte die Real-Mutter den Datenraum für potenzielle Bieter geöffnet. Eine offizielle Bestätigung von Kaufland oder der Schwarz-Gruppe für ein Interesse an Real hatte es aber bisher nicht gegeben.

Metro-Chef Olaf Koch hatte die Tochter Real im September 2018 offiziell zum Verkauf gestellt. Er will die Metro ganz auf den Großhandel fokussieren. Den Verkauf will er bis spätestens Mai dieses Jahres abgewickelt haben.

Branchenbeobachter hatten bisher spekuliert, dass Kaufland auch nur die Gelegenheit nutzen könnte, in die Bücher des direkten Konkurrenten zu schauen. Doch nun scheint sich zu erhärten, dass die Schwarz-Gruppe tatsächlich konkretes Kaufinteresse hat.

„Wir haben den Finanzierungsspielraum“, betonte Schwarz-Chef Gehrig auf der Branchenveranstaltung Retail Innovation Days an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Sollte Schwarz tatsächlich zum Zuge kommen, würde das jedoch eine Zerschlagung von Real bedeuten.

Metro-Chef Koch dagegen hatte stets betont, dass es sein Ziel ist, die Kette mit knapp 280 Läden und 34.000 Mitarbeitern als Ganzes zu verkaufen. Spekuliert wird deshalb, dass die Schwarz-Gruppe Teil eines Konsortiums um einen Finanzinvestor werden könnte, der Real komplett übernimmt und dann in Teile schneidet.

Kaufland macht einen Umsatz von knapp 14 Milliarden Euro im Jahr, Real kommt gut auf die Hälfte. Mit der geplanten Übernahme der Real-Märkte könnte Kaufland seinen Umsatz um zwei bis drei Milliarden Euro erhöhen. Damit könnte Kaufland auch seine Verhandlungsposition bei den Lieferanten verbessern.

Schwarz-Gruppe kann Real nicht komplett übernehmen

Zurzeit sollen rund sechs Interessenten konkrete Kaufangebote vorbereiten, heißt es in Kreisen. Darunter sollen Finanzinvestoren sein, wie Morgan Stanley und Cerberus, aber auch Immobilienunternehmen. Auch andere Handelsketten wie Globus oder Edeka sollen Interesse an einzelnen Märkten haben. Metro äußert sich zu Details des Verkaufsprozesses nicht.

Metro-Chef Koch hatte bei der Vorlage der Bilanz Mitte Februar nur betont, dass er den Verkaufsprozess im Zeitplan sehe. Er rechne in Kürze mit ersten unverbindlichen Angeboten. Zugleich hatte er auch eingeräumt, dass ein Komplettverkauf an einen strategischen Investor, also einen Handelskonzern, aus wettbewerbsrechtlichen Gründen schwierig werde. Auch die Schwarz-Gruppe könnte als größter deutscher Handelskonzern deshalb nicht alle 280 Filialen übernehmen – selbst wenn ihr das finanziell wohl möglich wäre.

Die Schwarz-Gruppe hat auch deshalb die finanziellen Ressourcen für eine Teilübernahme von Real, weil sie ihr Engagement im Onlinehandel wieder stark zurückgefahren hat. So hatte Kaufland einen Lieferdienst für Lebensmittel aufgebaut, diesen aber nach nur einem Jahr im Dezember 2017 wieder geschlossen. „Das war eine gute Erfahrung“, betont Schwarz-Chef Gehrig jetzt. „Gefühlt waren wir vom System her die besten.“ Es hatte aber nach seinen Angaben Kosten von 250 bis 300 Millionen Euro im Jahr verursacht – Geld, das er jetzt offenbar zunächst woanders anlegen will.

Gehrig schließt aber nicht aus, dass das Unternehmen künftig noch mal einen neuen Anlauf im Onlinehandel mit Lebensmitteln versuchen könnte. „Da läuft uns nichts weg“, sagte er. Er ist überzeugt, dass angesichts eines E-Commerce-Anteils von unter zwei Prozent am Gesamtumsatz mit Lebensmitteln in Deutschland die Zeit noch nicht reif ist und ein Start in diesem Bereich für Kaufland und Lidl auch später noch möglich ist. „Und wenn wir dann einsteigen, kann das auch viel Geld kosten.“

Außerdem sieht Gehrig noch viel Potenzial im stationären Geschäft. Selbst der Einstieg von Aldi in den Verkauf von Markenartikeln habe Lidl keinen Umsatz gekostet. Auch der Start des russischen Discounters Mere im deutschen Markt habe sich bei Lidl nicht bemerkbar gemacht. Wenn es wirklich nötig werden sollte, könne Lidl auch Gegenmaßnahmen ergreifen. „Der Schwabe kennt keine Angst“, räumte Gehrig ein.

Mehr: Hier lesen Sie die Vorgeschichte zu den Interessensbekundungen der Schwarz-Gruppe an der Metro-Tochter Real.

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