Experten warnen London droht olympischer Verkehrskollaps

Olympia wird eine harte Prüfung für Londons Verkehrssystem. Auch dortige Unternehmen könnten darunter leiden. Experten raten zu Heimarbeit, Nachtschichten und größeren Lagerbestände. Doch die Firmen hören nicht hin.
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Zu den täglich zwölf Millionen Fahrgästen der Londoner Busse und U-Bahnen werden sich zu Olympia weitere drei Millionen Besucher gesellen. Quelle: ap

Zu den täglich zwölf Millionen Fahrgästen der Londoner Busse und U-Bahnen werden sich zu Olympia weitere drei Millionen Besucher gesellen.

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LondonFünf bis sechs Menschen teilen sich zur Hauptverkehrszeit einen Quadratmeter in der Londoner U-Bahn. Es ist stickig und heiß – und die Pendler spotten: „Laut den Vorschriften der EU darf so nicht einmal Schlachtvieh transportiert werden.“ Nur gut, dass die Briten auf EU-Vorschriften nicht so viel geben – denn in 196 Tagen beginnen die Olympischen Spiele. Und dann könnte es noch enger werden.

Zu den täglich zwölf Millionen Fahrgästen drängen dann weitere drei Millionen Besucher in die Busse und U-Bahnen. Der Nahverkehrsbetreiber Transport for London warnt: „Wir müssen das Fahrgastaufkommen an kritischen Punkten um bis zu 60 Prozent reduzieren, um einen Verkehrskollaps zu verhindern.“

Möglichst viele Firmen, vor allem im Londoner Osten in der Nähe des Olympia-Stadions, sollen deshalb ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten lassen, ihnen flexiblere Einsatzzeiten ermöglichen oder Abteilungen zeitweise verlagern, empfehlen Verkehrsplaner und Organisatoren deshalb.

Bislang hat dieser Aufruf allerdings kaum Wirkung gezeigt: „Die Unternehmen haben angesichts der schwachen Konjunktur andere Sorgen als die Störungen durch die Olympischen Spiele“, sagt Kathryn Hurt von der Raumvermittlungsgesellschaft MWB Business Exchange. Das Unternehmen stellt anderen Firmen Büros und Konferenzräume zur Verfügung – an fast 50 Standorten über ganz London verteilt.

Es sind vor allem zwei Probleme, die voraussichtlich auf die Firmen zukommen: Für die Belegschaft wird es schwieriger, zur Arbeit zu kommen, und für Lieferanten und Kuriere umständlicher, ihre Kunden mit Bestellungen zu versorgen – etwa Hotels, Restaurants und Geschäfte mit Lebensmitteln zu beliefern oder Geldautomaten mit Bargeld. Denn im Londoner Osten sowie an wichtigen Verbindungsstraßen werden tagsüber Fahrspuren gesperrt, um Sportler und Funktionäre schnell von einem Wettkampfort zum nächsten zu transportieren. Auf den übrigen Spuren ist mit mehr Staus zu rechnen.

Vor allem den kleinen und mittelständischen Unternehmen ist noch nicht bewusst, was da auf sie zukommt. Zwei Drittel gehen davon aus, weiter so wie bisher arbeiten zu können, zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte. Damit irren die Firmen aber gewaltig. Sie sollten alle Warnungen, sich auf die Olympischen Spiele vorzubereiten, Verkehrsbehinderungen einzukalkulieren und sich Vorräte anzulegen, dringend ernst nehmen, fordern die Experten.

Firmen sind bei Heimarbeit zögerlich
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