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Fachkräftemangel Lok sucht Lokführer: Die Personaloffensive der Bahn ist in vollem Gange

Der Personalmangel trifft nicht nur die Deutsche Bahn, sondern auch ihre Konkurrenten. Der Staatskonzern wirbt jetzt auch im Ausland um Fachkräfte.
09.12.2019 - 17:23 Uhr Kommentieren
Vor drei Jahren ist die Bahn auf Expansion umgeschwenkt, pro Jahr werden nun 8000 mehr Beschäftigte eingestellt als Eisenbahner in den Ruhestand gehen. Quelle: Deutsche Bahn AG / Pablo Castagnola
Triebfahrzeugführer in einem ICE 4

Vor drei Jahren ist die Bahn auf Expansion umgeschwenkt, pro Jahr werden nun 8000 mehr Beschäftigte eingestellt als Eisenbahner in den Ruhestand gehen.

(Foto: Deutsche Bahn AG / Pablo Castagnola)

Düsseldorf Für Keolis war es eine Katastrophe. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) stornierte einen millionenschweren Nahverkehrsauftrag. Grund: Der französische Eisenbahnbetreiber Keolis (Eurobahn) hatte nicht genügend Lokführer einstellen können, um die S-Bahn-Linien 1 und 4 im Ruhrgebiet ab dem 15. Dezember zu fahren. Per „Notmaßnahme“ wurde kurzerhand die Regio-Tochter der Deutschen Bahn damit beauftragt, vorerst den Betrieb sicherzustellen.

So drastisch geht es selten zu auf Deutschland Schienenwegen. Meist fallen einzelne Züge aus, weil Zugpersonal fehlt. Im vergangenen Sommer kam es auch auf einzelnen Strecken in der Urlaubszeit zu Ausfällen.

Das kostet die Bahngesellschaften zwar Strafzahlungen, aber der Verkehrsauftrag läuft weiter. Doch das Problem wächst. Alle Bahngesellschaften suchen händeringend Lokführer, Zugbegleiter, Werkstattpersonal und Servicekräfte. Und die Zeiten, in denen die Wettbewerber der Staatseisenbahn einfach Personal abwerben konnten, sind vorbei. Denn die Bahn sucht selbst intensiv Verstärkung.

Und sie schaut sich dabei verstärkt im Ausland um: Lokführer aus Nordmazedonien, Elektriker aus Spanien, Busfahrer aus Rumänien. Die Bahn lässt nichts unversucht, um neues Personal zu rekrutieren. Aus gutem Grund: Die Politik hat dem größten Staatsunternehmen ambitionierte Vorgaben gemacht. Bis 2030 soll die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr verdoppelt und der Gütertransport auf der Schiene deutlich erhöht werden.

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    Vor drei Jahren ist die Bahn auf Expansion umgeschwenkt, pro Jahr werden nun 8000 mehr Beschäftigte eingestellt als Eisenbahner in den Ruhestand gehen. Statt 13.000 (2013) wurden zuletzt fast 21.000 (2018) neue Mitarbeiter eingestellt – dazu kommen zwischen 4000 und 4500 Auszubildende und Studenten im dualen System.

    Am Ende dieses Jahres werden 24.000 Frauen und Männer einen Vertrag bei der Deutschen Bahn unterschrieben haben, kündigte Personalvorstand Martin Seiler jetzt an. Im kommenden Jahr sollen es noch einmal so viele werden. Der Kurswechsel sei „ein wichtiger Beitrag für eine bessere Bahn und eine starke Schiene in Deutschland“, sagt Seiler.

    Grafik

    Der Personalmangel auf Stellwerken, in Zügen, aber auch in Werkstätten des Schienenkonzerns führte in den vergangenen Jahren zunehmend zu Betriebsstörungen und enormen Verspätungen der Bahn. Auch im Güterverkehr konnten teilweise Hunderte Züge nicht abgefahren werden, weil Lokführer fehlten. Der Mangel ist eine Folge früherer Sparwellen.

    Dazu kommt: In den nächsten Jahren werden viele Eisenbahner in den Ruhestand gehen. Fast die Hälfte der 200.000 Mitarbeiter in Deutschland ist kurz vor der Altersgrenze.

    Auch die Tarifabschlüsse haben zu weiteren Personalengpässen geführt. Die Eisenbahnergewerkschaft EVG hatte 2016 ein neues Modell durchgesetzt, nach dem sich Eisenbahner aussuchen können, ob sie mehr Geld bekommen oder mehr Freizeit. Dieses Wahlmodell wurde in der darauffolgenden Tarifrunde 2018 noch einmal verstärkt.

    Womit weder Gewerkschafter noch Deutsche Bahn anfangs gerechnet hatten: Die meisten Eisenbahner entschieden sich für mehr Freizeit. Die Folge ist: Die Bahn braucht noch mehr Personal. Dieses Problem hat allerdings nicht nur der Staatskonzern. Die Hälfte der Güter und ein Drittel des Schienenpersonennahverkehrs werden inzwischen von Konkurrenten gefahren.

    Tarifpolitik mit Folgen

    Auch Wettbewerbsbahnen wie Keolis, Abellio oder Transdev sehen sich mit diesem Tarifmodell konfrontiert. Und sie können sich nicht verweigern. Tun sie es doch, drohen Streiks. Am Montag traf es ausgerechnet die ohnehin gebeutelte Keolis. Ihre Tochter Eurobahn wird seit Montag bestreikt. Die Gewerkschaft EVG will nach eigenen Aussagen die „gleichen Forderungen durchsetzen“, die sie bereits bei anderen Unternehmen durchgesetzt hat.

    Bislang war der Marktführer Deutsche Bahn recht erfolgreich darin, neues Personal anzuwerben. Am Montag präsentierte Bahn-Vorstand Seiler in München gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die 23.000ste neu eingestellte Mitarbeiterin in diesem Jahr. Die heißt Christina Hoiß, hat im Sommer ihr Studium an der Technischen Universität München abgeschlossen und am 1. Dezember als Bauingenieurin bei der DB angefangen. „Bei der Deutschen Bahn sehe ich die Zukunft, was Verkehrswende und Mobilität angeht“, sagte die 26-Jährige über die Wahl ihres ersten Arbeitgebers.

    Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (l, CSU), Bauingenieurin Christina Hoiß, die 23.000 neue Mitarbeiterin der Deutschen Bahn in diesem Jahr, und der Personalvorstand der Deutschen Bahn AG, Martin Seiler, stehen im Hauptbahnhof München. Quelle: dpa
    Neueinstellung

    Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (l, CSU), Bauingenieurin Christina Hoiß, die 23.000 neue Mitarbeiterin der Deutschen Bahn in diesem Jahr, und der Personalvorstand der Deutschen Bahn AG, Martin Seiler, stehen im Hauptbahnhof München.

    (Foto: dpa)

    Der Staatskonzern lässt sich seine Personaloffensive etwas kosten. Eine halbe Milliarde Euro fließt nach Angaben des Unternehmens 2020 allein in Qualifizierung und digitale Bildung der Belegschaft. Auch die Personalkosten des Konzerns steigen. In fünf Jahren ist der Personalaufwand um knapp drei Milliarden auf 17,3 Milliarden Euro angewachsen. Die Tendenz hält an.

    Immerhin hat Bahn-Chef Richard Lutz damit ein gutes Argument an der Hand, um die Gewinnerwartungen an den Staatskonzern zu dämpfen. Dem Aufsichtsrat muss er am 12. Dezember erklären, warum der Gewinn (Ebit) in den kommenden Jahren allenfalls bei 1,3 Milliarden Euro liegen wird statt bei den bislang avisierten zwei Milliarden Euro. Zusätzlichen Eisenbahnern, die nicht nur ihr Geld bei der Bahn verdienen, sondern auch noch helfen, die Qualität des Bahnfahrens wieder zu steigern, dürfte niemand widersprechen.

    Mehr: Konzernchef Richard Lutz stimmt den Bund auf eine sinkende Rendite ein. Pünktlichkeit und Qualität werden aber erst in späteren Jahren steigen.

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