Uber-Chef Dara Khosrowshahi

Unter seiner Führung soll sich Uber vom Taxischreck zum Mobilitätsmakler wandeln.

(Foto: AFP)

Fahrräder, Elektroroller, Lieferdienst Das ist der neue Masterplan von Uber

Das wertvollste Start-up der Welt will das Image des Taxischrecks hinter sich lassen. Alles zu steuern, was sich bewegt, ist das langfristige Ziel.
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  • Uber hält autonom fahrende Autos für überlebenswichtig
  • Die Produktpalette wird um Fahrräder und E-Roller ausgeweitet und durch Lieferdienste ergänzt
  • Die Firmenleitung hat die Kultur geändert und Uber zu neuer Seriosität verholfen
  • Die provokative Konfrontation von Behörden hat die Firma abgelegt

Hinter den Docks ragen Hebekräne in den Himmel. Wind bläst vom Hafen her über das Backsteingebäude. Um die Ecke rammt ein Fundamentbohrer einen Stahlträger in die Erde. Ende des 19. Jahrhunderts schweißten Schiffsbauer hier am Pier 70 ihre Frachter zusammen. Heute versucht sich Uber in der 12.000 Quadratmeter großen Werkshalle an der Wasserfront von San Francisco neu zu erfinden.

Das wertvollste Start-up der Welt verfolgt einen neuen Masterplan. Der auf dem privaten Kapitalmarkt mit 72 Milliarden Dollar bewertete Taxikonkurrent will zum Mobilitätsmakler aufsteigen. In dem in den 1880er-Jahren errichteten Fabrikgebäude schraubt der Fahrtenvermittler an E-Fahrrädern und elektrischen Rollern – und dem eigenen Image.

Die E-Angebote überbrücken die Zeit, bis die fahrerlosen Wagen wieder rollen, deren Entwicklung nach dem tödlichen Crash im März ins Stocken geriet. Nebenher wirbt das Start-up für den neuen Kurs, das geläuterte Uber 2.0.

„Wir wollen die autonomen Fahrzeuge zurück auf die Straße bringen.“ Uber-Produktchef Manik Gupta lehnt sich in der Zentrale des Start-ups in Downtown San Francisco, etwa elf Autominuten entfernt vom neuen Quartier am Hafen, auf seinem Stuhl vor und schaut ernst. „Aber der Zeitpunkt muss stimmen und es muss sicher sein.“

Früher, zu Zeiten von Ex-Chef Travis Kalanick, legte Uber gern mal mit Tests los, bevor die Behörden die Erlaubnis erteilten. Unter der neuen Führung von Dara Khosrowshahi will sich das Unternehmen eng mit den Gesetzgebern absprechen.

Als ein Auto von Ubers Erprobungsflotte in Tempe, Arizona, ungebremst in eine 49-jährige Fußgängerin raste, geriet der Anbieter in die Kritik, die Zukunftstechnik zu früh unter Praxisbedingungen getestet zu haben. John Krafcik, Chef der rivalisierenden Google-Schwester Waymo, erklärte den Unfall für vermeidbar und sagte, er wäre seinem Unternehmen nicht passiert.

Uber setzte alle Tests vorerst aus, will sie jedoch wieder aufnehmen. „Es ist für uns wichtig, dass wir Zugriff auf autonome Technologie haben“, bekräftigt Gupta. Von den Roboterautos hängt Ubers Zukunft ab.

Wenn es gelingt, den Menschen hinter dem Steuer durch einen Computer zu ersetzen, sinken die Kosten für die Personenbeförderung um bis zu 70 Prozent, so eine Faustregel der Branche. Eine Rechnung, die auch Waymo, Uber-Konkurrent Lyft und Autokonzerne wie General Motors, Ford, Daimler, Volkswagen oder BMW anstellen.

Ubers Ehrgeiz ist ungebrochen

Gelingt es einem Gegenspieler vor dem Start-up aus San Francisco die autonome Technologie für das Fahrtenmanagement einzusetzen, verlöre das Start-up die Wettbewerbsfähigkeit. Ein solches Szenario hat keinen Platz in der Welt von Uber, der Ehrgeiz der Milliarden-Firma ist ungebrochen.

„Wir wollen die Lösung sein, an die Menschen denken, wenn sie sich von A nach B fortbewegen wollen“, sagt Produktchef Manik Gupta. Uber strebe danach, alles zu steuern, was sich bewegt, analysiert Mike Ramsey vom Marktforscher Gartner. „Das ist auch sinnvoll, weil es die Effizienz von Ubers Plattform steigert.“

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Nach und nach integriert der Mobilitätsanbieter neue Transportvehikel in die eigene Plattform, von den Fahrrädern und Elektrorollern über Services wie geteilte Fahrten mit Uber Pool oder dem Lieferdienst UberEats – bis irgendwann auch die Roboterautos wieder dazukommen.

Für die Aufholjagd bei den computergesteuerten Fahrzeugen holte sich Uber einen seriösen Partner an die Seite. Der japanische Auto-bauer Toyota investierte 500 Millionen Dollar in den Fahrdienst. Uber könne „sehr viel“ von den Japanern lernen, etwa über Technologie und Autoherstellung, sagt Gupta. Erste Pilotprojekte auf Ubers Ridesharing-Netzwerk planen die Partner für das Jahr 2021.

Bis dahin hält sich Uber mit Fahrrädern und Elektrorollern im Gespräch. Die Risikokapitalisten von der Sand Hill Road kämpfen um Anteile an den Produzenten der elektrifizierten Zweiräder. Sie gelten als nächste Stufe der Mobilität nach Uber, Lyft und Co.

E-Roller-Start-ups wie Bird, gegründet von dem Ex-Uber-Mann Travis VanderZanden, oder Lime, an dessen 335-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde sich Uber und Google beteiligten, erreichen am privaten Kapitalmarkt eine Bewertung jenseits von einer Milliarde Dollar. Den Fahrradanbieter Jump übernahm Uber im Juni für geschätzte 100 Millionen Dollar.

Nach wie vor hat Uber bei den Behörden einen schweren Stand. Die Stadt San Francisco entzog Uber-Partner Lime vorerst die Lizenz und erteilte bislang keine neue Erlaubnis. Es liegt noch viel Arbeit vor dem Mobilitätsagenten, für seine Verwandlung vom Taxischreck-Image zum seriösen Transportvermittler zu werben.

Die Führung hat den Ton gewechselt
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