Fairtrade-Siegel Aldi will bei Schokolade fairer werden

Trotz der öffentlichen Diskussion über miese Arbeitsbedingungen in Afrika und Asien steigt der Anteil fair gehandelter Produkte nur langsam. Doch nun stellt Aldi auf Fairtrade-Kakao um. Das könnte Signalwirkung haben.
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Aldi: Discounter setzt auf fair gehandelten Kakao Quelle: Barry Callebaut
Bäuerin im Dorf Deduako

Die Kakao-Ernte ist harte körperliche Arbeit. Die reifen Früchte sind schwer.

(Foto: Barry Callebaut)

DüsseldorfNutoka war der Pionier: Seit Anfang Januar schon liefert Aldi Süd seine Nutella-Alternative mit fair gehandeltem Kakao aus. Außerdem werden in der Schokocreme Haselnüsse und Palmöl aus zertifiziertem Anbau verarbeitet.

Nun wird die Offensive für ein besseres Gewissen ausgeweitet. Im Laufe dieses Jahres wollen sowohl Aldi Süd wie Aldi Nord zahlreiche Produkte ihrer Eigenmarken auf fair gehandelten Kakao umstellen. So sollen in den kommenden Monaten die Tafelschokoladen der Marke Moser Roth, aber auch Saisonartikel für Ostern und Weihnachten nur noch mit Fairtrade-Kakao hergestellt werden. Auch Müsli-Riegel und Cerealien mit Schokoladenanteil sollen folgen.

„Wir bauen unser Sortiment stetig aus und legen neben einer großen Vielfalt viel Wert auf Label wie Fairtrade, denen unsere Kunden vertrauen können“, sagt Simon Binder, Corporate-Responsibility-Manager von Aldi Süd.

Für das Label Fairtrade und die von ihm vertretenen Kooperativen könnte das den Durchbruch im Markt bedeuten. Zwar wächst ihr Absatz stetig, hat aber immer noch nur einen Marktanteil von acht Prozent bei Kakao. Wenn jetzt die Discount-Marktführer Aldi Nord und Süd umschwenken, setzt das ein klares Signal in den Markt, dem andere Händler folgen dürften.

Für die Kakao-Bauern kann das überlebensnotwendig sein. „Angesichts des desaströsen Kakao-Preisverfalls um 40 Prozent ist eine kostendeckende und nachhaltige Produktion unmöglich“, sagte Transfair-Chef Dieter Overath. Aktuell liegt der Weltmarktpreis von Kakao bei unter 2000 US-Dollar pro Tonne, 2015 waren es noch 3300 Dollar – damit ist heute ein Tiefstand erreicht, der die Existenz von etlichen Kakaobauern bedroht. Umso wichtiger für die Kakaobauern seien die garantierten Mindestpreise und zusätzlichen Fairtrade-Prämien, von denen Hersteller in Anbauländern wie Elfenbeinküste oder Ghana profitierten, so Overath.

Aldi trägt die Zusatzkosten

Der Verein Transfair in Köln handelt nicht selbst, sondern fördert den Handel zu fairen Bedingungen für Produzenten in Entwicklungsländern. Aldi Nord und Aldi Süd vertreiben bereits über Eigenmarken fair gehandelte Produkte. Beispielsweise bieten die Discounter auch fair gehandelte Blumen online an. Dies weiten sie nun auf Kakao aus. Die Mehrkosten für die Umstellung einiger Süßwaren auf fair gehandelten Kakao trage Aldi, erklärte der Discounter. Die Preise für die Kunden blieben stabil.

Aldi hatte zuvor bei Kakao eher auf das Label „UTZ“ gesetzt. Auch diese Initiative will mit der Förderung des nachhaltigen Anbaus die Produzenten unterstützen. Ihre Kriterien sind jedoch weniger streng als bei Fairtrade. So sehen sie beispielsweise keine Vorfinanzierung von Saatgut und keine Mindestabnahmepreise vor. UTZ selber behauptet auch nicht, dass es fairen Handel zertifiziere, betont aber, dass seine Arbeit sich trotzdem positiv auf die Bauern auswirke.

Wie schwer es ist, weitere Kunden von fair gehandelten Produkten zu überzeugen, erlebt auch Fairtrade-Pionier Gepa. Obwohl die Problematik schlechter Arbeitsbedingungen in den Zulieferländern zunehmend in der Öffentlichkeit diskutiert wird, lag ihr Absatz mit Schokoladentafeln, Riegeln, Confiserie- und Saisonprodukten 2017 mit einem Plus von 1,3 Prozent nur leicht über dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt :11,9 Millionen Schokoladenprodukte von Gepa gingen im vergangenen Jahr in Deutschland über die Ladentheke.

Dabei ist Kakao noch ein Rohstoff, bei dem der fair gehandelte Anteil eher stark steigt. So kauften Hersteller in Deutschland 2017 rund 40.000 Tonnen Fair-Trade-Kakao, das ist ein Anstieg von 33 Prozent. Bei Tafelschokolade wuchs der Anteil um 27 Prozent.

Den meisten Umsatz erzielt die Fairtrade-Initiative mit Kaffee – mehr als 400 Millionen Euro pro Jahr. Auf Platz zwei und drei folgen Südfrüchte mit 130 Millionen und Blumen mit 116 Millionen Euro Umsatz. Für gemeinschaftliche Projekte nahmen die Produzenten dadurch 2016 rund 21 Millionen Euro an Prämien ein. In Deutschland bieten mittlerweile 345 Händler Fairtrade-Produkte an.

Denn das Siegel hat bei den Kunden einen guten Ruf. Umfragen zufolge vertrauen 95 Prozent der Käufer dem Label. Die Initiative von Aldi wird der Popularität des Siegels weiter befördern. „Die Zusammenarbeit mit Fairtrade ist Ausdruck dafür, dass wir unsere unternehmerische Verantwortung ernst nehmen“, sagte Philipp-Daniel Fischer, CR-Beauftragter von Aldi Nord.

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1 Kommentar zu "Fairtrade-Siegel: Aldi will bei Schokolade fairer werden"

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  • Das ist mal eine gute Nachricht. Und die beste Werbung überhaupt, da es sich unter den Kunden schnell herumsprechen dürfte, dass es hier echten Mehrwert gibt. Weil von mehr Fairness alle und jeder profitieren.

    Sowieso ist es mehr als absurd, dass fair gehandelte Produkte eine Art Nischendasein (als „Angebot“ für die, die sie sich die leisten können oder wollen) fristen. Fairness sollte ja wohl eine Selbstverständlichkeit sein, und nichts „Besonderes“.

    Nur gut, dass jetzt eines der wirklich großen Handelsunternehmen endlich einmal den Anfang macht damit, da einige Maßstäbe geradezurücken. Wie gesagt, den Anfang.

    Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend generell schnell durchsetzt.

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