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Familienunternehmen Das Oetker-Geschäft driftet auseinander

Dank florierendem Nahrungsmittelgeschäft hält das Unternehmen den Umsatz im Corona-Jahr fast stabil. Es könnte die letzte Bilanz für das Unternehmen in dieser Form gewesen sein.
15.06.2021 - 15:31 Uhr Kommentieren
Das Familienunternehmen aus Bielefeld hat fast 400 Tochterfirmen aus den Bereichen Lebensmittel, Getränke bis zu Luxushotels. Quelle: dpa
Oetker-Gruppe

Das Familienunternehmen aus Bielefeld hat fast 400 Tochterfirmen aus den Bereichen Lebensmittel, Getränke bis zu Luxushotels.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Pizza, Desserts und Kuchen mit satten Wachstumszahlen, das Geschäft mit Getränken und Hotels dagegen coronabedingt in der Krise: Im 130. Jahr der Firmengründung zeigt sich das Familienunternehmen Oetker gespalten. Insgesamt sank der Konzernumsatz von 7,4 auf 7,3 Milliarden Euro. Zum Gewinn äußert sich das Bielefelder Unternehmen traditionell nicht. Die Eigenkapitalquote blieb mit 41 Prozent stabil.

„Trotz aller Widrigkeiten ist es der Oetker-Gruppe gelungen, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und in einzelnen Bereichen sogar zu wachsen. Die mit der Corona-Pandemie einhergegangenen Verluste konnten wir im Gruppenverbund auffangen“, resümiert Albert Christmann, 58, persönlich haftender Gesellschafter der Dr. August Oetker KG.

Pizza, Tiefkühlkuchen, Desserts und Backmischungen waren während der Lockdowns gefragter denn je. Die Erlöse der mit 56 Prozent Anteil größten Sparte der Dr. August Oetker KG stiegen um 6,5 Prozent auf rund 4,1 Milliarden Euro. „Die Umsatzentwicklung unterstreicht, dass die Diversifizierung der vergangenen Jahre der richtige Weg war“, meint Matthias Reimann, Branchenexperte und Partner der Beratung Munich Strategy. Oetker hatte 2015 den Tiefkühlspezialisten Coppenrath & Wiese und diverse Backmarken im Ausland zugekauft.

Am schwersten von der Pandemie getroffen wurden die Luxushotels. Sie verzeichneten einen Umsatzeinbruch um fast 70 Prozent auf 118 Millionen Euro. Zu den Häusern gehören etwa Brenners Park-Hotel und das Hotel du Cap-Eden-Roc. Auch Henkell Freixenet, der weltgrößte Sekthersteller, büßte 7,9 Prozent Geschäft ein. Der Umsatz sank unter eine Milliarde Euro.

Die Brauerei Radeberger (Jever, Clausthaler) litt ebenfalls stark unter den Lockdowns. Deutschlands größte private Braugruppe ist einer der größten Fassbiervermarkter hierzulande. Radeberger-Chef Guido Mockel sprach von einem „rabenschwarzen Jahr für den Biermarkt“.

Spekulationen über Aufspaltung der Oetker-Gruppe verdichten sich

Albert Christmann ist seit 2017 der erste familienfremde Chef an der Spitze von Oetker. Es könnte das letzte Mal gewesen sein, dass er die Zahlen der Gruppe mit rund 400 Tochterfirmen präsentierte. Denn es verdichten sich jahrelange Spekulationen über eine Realteilung des Familienunternehmens.

Der 2007 verstorbene Patriarch Rudolf August Oetker hatte seinen acht Kindern aus drei Ehen ein schwieriges Erbe hinterlassen. Seit vielen Jahren schwelt zwischen den Gesellschaftern ein Streit um Strategie und Macht. Branchenkreisen zufolge sollen die Geschwister aus dritter Ehe, Alfred, Carl-Ferdinand und Julia, eine Abspaltung anstreben. Sie halten zusammen 37,5 Prozent der Anteile.

Der damalige Beiratschef August Oetker hatte im Handelsblatt bereits 2016 betont: „Wer gehen will, kann gehen – auch wenn der festgelegte Abschlag hart ist.“ In der Branche gilt eine Aufspaltung in Nahrungsmittel und Getränke als am wahrscheinlichsten. Die Oetker-Gruppe will die Spekulationen nicht kommentieren.

Der Oetker-Chef präsentierte eine Jahresbilanz mit Aufs und Abs. Quelle: action press
Albert Christmann

Der Oetker-Chef präsentierte eine Jahresbilanz mit Aufs und Abs.

(Foto: action press)

Die Kassen von Oetker sind gut gefüllt. Denn der Mischkonzern hat sich von immer mehr Sparten getrennt, die nicht zum Kerngeschäft Ernährung passen. 2017 wurde die Reederei Hamburg Süd für 3,7 Milliarden Euro an den Logistikkonzern Maersk veräußert. Der Verkauf des Bankhauses Lampe an die Privatbank Hauck & Aufhäuser ist noch nicht abgeschlossen. Man warte auf Zustimmung der Finanzaufsicht, heißt es in Bielefeld.

Im Kerngeschäft kaufte Oetker-Chef Christmann kräftig zu, 2018 die Hälfte des spanischen Cava-Herstellers Freixenet. Im März startete Oetker im kalifornischen Venice Beach seine Dessertkette „Pudu Pudu“. Zwei weitere Restaurants sind 2021 geplant, die voll digitalisiert sein sollen.

Christmanns überraschendster Coup war die Übernahme des digitalen Getränkelieferdienstes Flaschenpost durch die Oetker-Tochter Durstexpress zum Jahresende. Ein Deal, der für Aufsehen sorgte, nicht nur wegen des geschätzten Kaufpreises von mindestens 800 Millionen Euro. „Für einen traditionellen Getränke- und Nahrungsmittelhersteller wie Oetker ist der Zukauf eine einzigartige Chance, das Geschäftsmodell in das digitale Zeitalter weiterzuentwickeln“, meint Beraterin Barbara Siegert von Munich Strategy.

Flaschenpost beliefert heute mit 13.500 Mitarbeitern über 170 Standorte und soll 2021 weiterwachsen. Vor allem durch Flaschenpost steigt die Zahl der Mitarbeiter bei Oetker, die 2020 bei rund 36.800 lag.

Für viele Konsumgüterhersteller werde 2021 ein Scheidejahr, meint Adrian Kirste von der Beratung Kearney. Der Oetker-Chef zeigt sich jedenfalls zuversichtlich. Der Gruppenumsatz soll auf fast acht Milliarden Euro steigen. „Vieles hängt sicher von den Impferfolgen in allen Ländern der Welt ab“, sagt Christmann.

Mehr: Wie Dean & David mit Lufthansa und im Ausland durchstarten will

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