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Oetker-Gruppe

Werk von Dr. Oetker in Bielefeld. Das Unternehmen hat mehr als 4000 Produkte weltweit.

(Foto: dpa)

Familienunternehmen Dr. Oetker hat mehr als 400 Töchter – Diese solltest du kennen

Mehr als 400 Tochterunternehmen gehören zur Oetker Gruppe. Welche Marken und Produkte gehören zu Oetker? Von Pizza bis Bier: Wir erklären es dir.
  • Julia Kanning
18.06.2019 - 14:02 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 18. Juni 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Zum Fußballspiel am Abend eine knusprige Tiefkühlpizza, dazu ein Radeberger Pils oder ein Glas Sekt. Freixenet oder Henkell. Als Nachtisch gibt es Schokokuchen, dank Backmischung sogar selbst angerührt – oder die Sahnetorte von Coppenrath & Wiese. Immerhin selbst aufgetaut.

Noch einen Absacker zum Verdauen? Kein Problem, Wodka Gorbatschow und Kümmerling stehen bereit. Wasser von Selters nicht vergessen, sonst gibt es Kopfschmerzen. Prost. Auf Oetker!

Die Oetker-Gruppe und ihre 400 Tochterunternehmen

Bei so einer Ernährung würde dein Doktor wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen – zu viel Zucker und Alkohol. Dr. Oetker hingegen würde die Hände zum jubeln nutzen. Schließlich verdient er bei diesem Tagesmenü an jedem einzelnen Gang. Denn all diese Produkte kommen von dem Familienunternehmen aus Bielefeld.

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    Der größte Lebensmittelhersteller in Deutschland ist aber weit über die Region in Ostwestfalen-Lippe verstreut. Laut Unternehmensangaben arbeiten über den Globus verteilt mehr als 11.500 Mitarbeiter für die Herstellung und Vermarktung von Fertigprodukten. An diesem Dienstag hat die Oetker-Gruppe ihre Bilanz für das Geschäftsjahr 2018 veröffentlicht. Grund genug für uns, mal einen Blick hinter die Regale des Familienunternehmens zu werfen.

    Ein Mann namens August Oetker übernahm im Jahr 1891 eine Apotheke in Ostwestfalen und experimentierte dort mit der Herstellung von Backpulver. Denn von einem Bekannten aus den USA, wusst er, dass das Zauberpulver Teig fluffig macht. Augusts Vater war Bäcker. Daher wusste er, dass ein guter Teig immer schön locker sein musste. Bis dato wurde in deutschen Haushalten aber nur von Hand geknetet – ohne Hilfsmittel.

    Von 2010 bis 2016 war er Chef der Oetker Gruppe. Richards Vater Rudolf-August war ein Enkel von Firmengründer August Oetker. Quelle: dpa
    Richard Oetker

    Von 2010 bis 2016 war er Chef der Oetker Gruppe. Richards Vater Rudolf-August war ein Enkel von Firmengründer August Oetker.

    (Foto: dpa)

    Oetker witterte ein Geschäft. Also verkaufte er in seiner Apotheke Backpulver in Tütchen zu je zehn Pfennig. Der Doktortitel, den Oetker mit einer Arbeit im Fach Biologie erworben hatte, brachte dem Produkt eine entscheidende Zutat: Vertrauen.

    Oetker-Gruppe: Umsatz 2018 bei 7,1 Milliarden Euro

    Das Vertrauen ist bis heute ungebrochen. In fast jeder Küche der Republik liegt irgendwo ein geöffnetes Papiertütchen der Marke „Backin“. Das Geschäft des Familienunternehmen ging seit der Gründung vor mehr als 125 Jahren auf wie ein Hefeteig. Im vergangenen Jahr betrug der weltweite Umsatz der Oetker-Gruppe 7,1 Milliarden Euro.

    Oetker ist jedoch kein börsennotiertes Unternehmen, du kannst Anteile der Firma also nicht in Form von Aktien kaufen. Stattdessen gehört die Dr. August Oetker KG den sieben Mitgliedern der Oetker-Familie jeweils 14,2 Prozent. Einer von ihnen ist Richard Oetker, der von 2010 bis 2016 Chef der Oetker Gruppe war. Richards Vater Rudolf-August war ein Enkel von Firmengründer August Oetker.

    Mittlerweile ist mit Albert Christmann zum ersten Mal in der Geschichte ein „Familienfremder“ der Manager der Oetker-Gruppe. Obwohl die Oetkers das Unternehmen also nicht mehr aktiv leiten, befindet es sich ganz in ihrem Besitz und sie beeinflussen nach wie vor die Strategie.

    Oetker-Gruppe: Albert Christmann, persönlich haftende Gesellschafter von Dr.Oetker Quelle: dpa
    Albert Christmann, persönlich haftende Gesellschafter von Dr.Oetker

    Mittlerweile ist Christmann zum ersten Mal in der Geschichte ein „Familienfremder“ der Manager der Oetker-Gruppe.

    (Foto: dpa)

    In Ranglisten der reichsten Familien Deutschlands belegen die Oetkers regelmäßig einen der vordersten Plätze. Nach Schätzung des Wirtschaftsmagazins „Bilanz“ beträgt das Vermögen der Familie Oetker etwa 7,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Schnitt beträgt das Vermögen eines durchschnittlichen deutschen Haushalts etwa 136.000 Euro.

    Die Tochterunternehmen der Oetker-Gruppe gliedern sich in fünf Geschäftsbereichen

    Im Gegensatz zu den meisten anderen Chefs von großen Firmen gibt Oetker-Chef Albert Christmann zur Jahresbilanz zwar den Umsatz des Unternehmens, aber nicht den Gewinn bekannt. Das ist Familientradition. Oetker muss nicht bekannt geben, wie hoch der Gewinn ist, weil das Unternehmen eine sogenannte Kommanditgesellschaft ist und eine Privatperson persönlich mit dem Vermögen bei eventuellen Schäden haftet. Bei der Oetker Gruppe sind die sieben Familienmitglieder die Kommanditisten.

    Die Oetker-Gruppe unterteilt sich in fünf Geschäftsbereiche:

    • Nahrungsmittel (Dr. Oetker, Coppenrath & Wiese und Co.)
    • Bier und alkoholfreie Getränke (Radeberger, Selters undsoweiter)
    • Sekt, Wein und Spirituosen (Henkell, i heart Wines, Wodka Gorbatschow etc.)
    • Weitere Interessen (Luxushotels und mehr)
    • Bank (Bankhaus Lampe, sonst nichts)

    Bis Dezember 2017 gab es bei Oetker noch einen sechsten Geschäftsbereich: Schifffahrt. Dann verkaufte Oetker die Reederei Hamburg Süd für 3,7 Milliarden Euro an das dänische Unternehmen Maersk.

    Jetzt, wo sie das Geschäft mit Schiffen und Containern abgelegt haben, verdienen die Oetkers das meiste Geld mit Nahrungsmitteln. Im vergangenen Jahr waren es 3,5 Milliarden Euro, also fast die Hälfte des gesamten Umsatzes. Als „Wachstumstreiber“ bezeichnet Oetker dabei die Produkte der Marke Coppenrath & Wiese. Das Geschäft mit Tiefkühltorten, Fertigkuchen und Aufbackbrötchen scheint also aufzugehen.

    Wichtige Nahrungsmittel für Oetker sind außerdem: Pudding- und Backpulver, Müsli (Vitalis), Fertigdesserts (Paula-Pudding) und natürlich: Tiefkühlkost. Allein unter der Marke Dr. Oetker vertreibt das Unternehmen 400 verschiedene Lebensmittel: 44 verschiedene Backmischungen, 61 unterschiedliche Dessertspeisen oder 77 Sorten Pizza, Baguette und Flammkuchen zum In-den-Ofen-Schieben.

    Oetker-Gruppe: Nahrungsmittel für Deutschland

    Das umsatzstärkste Produkt der Oetkers ist übrigens seit Jahren die Tiefkühlpizza. Damit das auch weiterhin so bleibt, tut Oetker einiges. 2016 etwa führte der Konzern eine neue Pizzasorte in Polen ein um das Wachstum in Osteuropa voranzutreiben. Im gleichen Jahr investierte Oetker insbesondere in das Pizzasortiment, das in den Regionen Asien, Afrika und Australien verfügbar ist.

    Auch in Deutschland lässt sich das Unternehmen immer wieder Neues einfallen, um die Menschen hungrig auf Oetker-Pizza zu machen: die 2017 neu eingeführte Schokoladen-Pizza zum Aufbacken etwa. Allein in den ersten zwei Monaten nach Verkaufsstart verkaufte sich das Produkt in Deutschland zwei Millionen Mal.

    Außerdem gehört zu den Oetker-Nahrungsmitteln noch die Martin Braun-Gruppe, die unter anderem Backmischungen vertreibt und Bäckereien beliefert. So, damit hätten wir die Nahrungsmittel abgefrühstückt. Kommen wir jetzt zum Geschäftsbereich von Oetker, mit dem sie am zweitmeisten Geld einnehmen: Bier und alkoholfreie Getränke.

    Oetker-Gruppe: Bier bringt 2018 rund 2,2 Milliarden Euro Umsatz

    Im Geschäftsfeld Bier „konnten Jever und Schöfferhofer von dem schönen Wetter profitieren“, schreibt Oetker im aktuellen Geschäftsbericht. Was das genau bedeutet, lässt sich daraus nicht genau ermitteln. Oetker fasst seine Biermarken in dem Tochterunternehmen „Radeberger Gruppe“ zusammen – mal wieder eine Kommanditgesellschaft (KG), dessen Gewinn so undurchschaubar bleibt wie ein Schwarzbier.

    Sehen können wir dagegen, dass Oetkers Biersorten locker einen gut sortierten Getränkemarkt füllen könnten. Hier eine Auswahl von den bekanntesten der insgesamt 43 Biermarken, die Oetker in Deutschland vertreibt:

    • „Fernsehbiere“: Radeberger Pilsner, Jever, Clausthaler und Schöfferhofer Weizen
    • „lokale Biere“: Sion Kölsch, Schlösser Alt, Schultheiss, Sternburg, Stuttgarter Hofbräu, Berliner Kindl
    • „Internationale Biere“: Guinness, Kilkenny, Stowford, Sol und Estrella Damm

    Im November 2017 hat die Bier-Sparte von Oetker übrigens noch die Getränkemarke-Kette Dursty übernommen und besitzt damit neuerdings 180 Filialen in ganz Deutschland, um ihre Biere an den Mann oder die Frau zu bringen. Wer kein Bier mag, findet bei der Radeberger-Gruppe noch Wasser der Marke Selters, die ebenfalls ein Tochterunternehmen der Oetker-Gruppe darstellt.

    Oetker-Gruppe: Tochterunternehmen bei Sekt, Wein und Spirituosen

    Oetker gibt sich mit fünf Prozent Alkoholgehalt nicht zufrieden und macht auch mit hochprozentigeren Getränken einen berauschenden Umsatz: 2017 nahm Oetker mit Sekt, Wein und Spirituosen (zu Deutsch: Schnaps) rund 816 Millionen Euro ein. Damit wuchs dieser Bereich deutlich stärker als das Geschäft mit Nahrung oder Bier.

    Hier eine Auswahl der bekanntesten Drinks:

    • Sekt: Henkell, Fürst von Metternich, Söhnlein
    • Wein: Schloss Johannisberg, i heart Wines
    • Schnaps: Wodka Gorbatschow, Kümmerling, Batida de Côco, Pott Rum, Fürst Bismarck Doppelkorn

    Als „wesentliche Spirituosenmarken“ bezeichnet Oetker den Wodka und den Batida de Côco, deren Absatz im abgelaufenen Geschäftsjahr „zulegte“.

    Insgesamt verkauft Oetker nach eigenen Angaben mehr als 4.000 verschiedene Produkte in über 40 Ländern auf allen fünf Kontinenten.

    Oetker-Gruppe in der Kritik: Sexismus, Waffenhandel, Mineralöl

    Oetker, insbesondere die Lebensmittelmarke Dr.Oetker, ist nicht nur berühmt, sondern auch berüchtigt. In den vergangenen Jahren füllte das Unternehmen immer wieder (nicht unbedingt positiv besetzte) Schlagzeilen in der Presse und sah sich mit verschiedenen Vorwürfen konfrontiert. Ende 2015 etwa wurde bekannt, dass Mitglieder der Familie Oetker in die Rüstungsindustrie investierten. Sie beteiligten sich am Kauf der ESG Elektroniksystem – und Logistik GmbH, zu deren Geschäftsfeldern zum Beispiel deutsche Kampfjets gehören.

    Die Nachricht, dass Oetker offenbar in die Rüstungsindustrie investiert, schlug 2015 ein wie eine Bombe: Öffentliche Gegner wie der Berliner Künstler Vokalmatador kritisierten zweideutig und ironisch: Oetker produziere „Kanonenfutter“ und die Geschäftsmoral sei „kälter als eine Tiefkühlpizza“. Die offizielle Stellungnahme der Oetkers lautete dazu: „Die Investition ist eine reine Privatangelegenheit zweier Familienmitglieder und hat nichts mit dem Unternehmen Dr. Oetker zu tun“.

    Zur etwa gleichen Zeit, im Dezember 2015, testete das Verbrauchermagazin Ökotest 26 Produkte von Dr.Oetker – mit unappetitlichem Ergebnis. Die Tester ermittelten, dass fast alle Produkte zu viel Mineralöl und zu viel Zucker enthielten. Über die Hälfte der Testobjekte wies stark bis sehr stark erhöhte Werte an Mineralöl auf, welches Leber und Lymphknoten langfristig schädigen kann.

    Auch Zucker enthielten alle getesteten Lebensmittel zu Genüge und steckte selbst in Produkten, bei denen man zwar einen hohen Fett- nicht aber unbedingt Zuckergehalt erwartet – zum Beispiel in Pizzaburgern.

    Besonders der Kinderpudding „Paula“ enthielt laut Testergebnissen mehr als die Hälfte der von der Weltgesundheitsorganisation für Erwachsene empfohlenen täglichen Zuckermenge von 25 Gramm. Zunächst hieß es in einer offiziellen Presseerklärung des Unternehmens, das gefundene Mineralöl sei „toxikologisch unbedenklich“. Doch Oetker musste diese Aussage später teilweise zurücknehmen.

    Nun räumte Oetker ein, dass die Mineralöl-Gehalte in Lebensmitteln unerwünscht und reduzierbar seien. Sie würden jedoch bei üblichen Ernährungsgewohnheiten kein akutes Sicherheitsproblem darstellen.

    Außerdem muss sich Oetker neuerdings (wieder) den Vorwurf gefallen lassen, die Werbung des Unternehmens sei frauenverachtend. Schon in den 50er Jahren lautete der Slogan für ein Dr.Oetker- Puddingpulver: „Eine Frau hat zwei Lebensfragen. Was ziehe ich an und was koche ich meinem Mann!“

    Das hier gezeichnete Bild der unterwürfigen Hausfrau mag vielleicht den damaligen Gegebenheiten entsprochen haben, sorgt heutzutage jedoch für eine Mischung aus Kopfschütteln und Grinsen – immerhin gehört der TV-Spot einer ganz anderen Ära an.

    Ist die Oetker-Werbung sexistisch?

    Das Grinsen gefriert aber schnell auf dem Gesicht, wenn man sich die hochaktuelle Werbekampagne Oetkers für ein Backpulver ansieht. Auf der Packung ist eine Frau in Kochschürze zu sehen, in den Händen hält sie einen Kuchen in Fußballoptik. Darüber steht in dicken Lettern: „Back deinen Mann glücklich – auch wenn er eine zweite Liebe hat“. Dieser WM-Slogan stellt die Frau klar ins Abseits.

    Hunderte Frauen machten ihrer Empörung auf Facebook, Twitter und Co Luft: die Kombination Küche und Frau sei altbacken und sexistisch. Einem Schweizer Magazin gegenüber erklärte Oetker: „Die Kampagne inklusive des aktuell öffentlich diskutierten Fußballmotivs wurde von einem Team ausschließlich aus modernen Frauen und teilweise auch Teilzeit arbeitenden Müttern entwickelt. Wir haben das Fußballmotiv jedoch offensichtlich nicht auf diese Weise interpretiert, sondern verstehen es auch mit einer gewissen Ironie.“

    Oetker – ein Unternehmen, das für Kritik und Kuchen steht. Für Skandale und Sahnesteif. Für Tradition und Tiefkühlpizza. Es ist ein Unternehmen voller Widersprüche, das aus unserem Alltag trotzdem nicht mehr wegzudenken ist. Ich habe den Check gemacht: Allein in meiner Küche befinden sich acht Oetker-Produkte unterschiedlicher Firmen. Nur von der Hälfte der Marken habe ich gewusst, dass sie im Besitz der Oetker-Gruppe sind.

    Mehr: Niemand produziert so viel Nahrung wie Nestlé - diese Marken und Produkte sollten Sie kennen

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